Bürgerversammlung Wolfratshausen 2021
+
Der Eindruck täuscht: Zieht man die drei Bürgermeister Klaus Heilinglechner, Günther Eibl, Annette Heinloth, Stadträte, Verwaltungsmitarbeiter, Vertreter der Polizei um Dienststellenleiter Andreas Czerweny, den Wolfratshauser Feuerwehrkommandanten Andreas Spohn und seinen Stellvertreter Andreas Bauer, die Sicherheitswacht, den Geschäftsführer der Städtischen Wohnungsbaugesellschaft, Robert Alischer, den Leiter der Stadtwerke, Thomas Fritz, und weitere Funktionsträger ab, interessierten sich nur etwa 30 Wolfratshauser für die Bürgerversammlung.

Stadtpolitik im Schnellwaschgang

Bürgerversammlung in der Loisachhalle – Themenbogen von Surfwelle bis zur S7-Verlängerung

  • Carl-Christian Eick
    VonCarl-Christian Eick
    schließen

Drei Stunden dauerte die Bürgerversammlung in der Loisachhalle: Themen waren unter anderem die Sanierung des Schulzentrums, die Surfwelle und die Aufwertung der Innenstadt.

Wolfratshausen – Die bis dato letzte Bürgerversammlung fand wenige Wochen vor den Kommunalwahlen, kurz vor dem ersten Lockdown aufgrund der Corona-Pandemie statt. Gravierendes hat sich seit Februar 2020 nicht verändert. Klaus Heilinglechner ist nach wie vor Bürgermeister, die Pandemie noch nicht überwunden – und auch das eine oder andere Thema fand sich am Dienstag, in der Bürgerversammlung 2021 in der Loisachhalle, wieder auf der Agenda. Etwa 30 Bürger zeigten Interesse an der Stadtpolitik, kurz zusammengefasst in knapp drei Stunden.

Surfwelle in Weidach

Seit 2013 wird das in Weidach geplante Projekt kontrovers diskutiert, inzwischen liegt die wasserrechtliche Genehmigung des Landratsamts vor, laut Rathauschef ist im Sommer 2022 mit der Inbetriebnahme zu rechnen. „Bei gesicherter Finanzierung“, betonte Heilinglechner am Dienstag. 800 000 Euro kostet die Welle nach aktuellem Stand, maximal 400 000 Euro kommen aus dem Stadtsäckel, davon sind bereits rund 180 000 Euro in die Planung investiert worden. „Wenn es zu Mehrkosten kommt, muss man sehen, wie der Stadtrat damit umgeht.“ Im September wird sich das Gremium wieder mit dem Vorhaben befassen. „Mir persönlich ist die Surfwelle eine große Herzensangelegenheit“, sagte der Bürgermeister.

Der Weidacher Erich Brockard, Sohn des ehemaligen Weidacher beziehungsweise Wolfratshauser Rathauschefs, pochte am Dienstag darauf, dass der Stadtrat bei seiner Entscheidung die Umweltverträglichkeit des Projekts mit ins Kalkül zieht. So würden 17 Bäume gefällt „und der Loisach große Mengen Wasser entzogen“. Zudem, so Brockard, hätten das Wasserwirtschaftsamt und die Kreisbehörde zunächst nur einen „Probebetrieb“ gebilligt. Es stelle sich die Frage, was aus der Surfwelle wird, wenn die Behörden „bei negativen Auswirkungen der Welle auf die Natur“ die wasserrechtliche Genehmigung widerrufen. Heilinglechner verwies auf „sehr umfangreiche Naturschutzgutachten“, die angefertigt worden seien. Und im Fall des Falles seien „sicher Nachbesserungen möglich“. Er sagte Brockard auf dessen nachdrücklichen Wunsch zu, dem Stadtrat für dessen September-Sitzung alle Unterlagen zur Surfwelle vorzulegen: „Das wäre aber so oder so passiert.“

Rathauschef Klaus Heilinglechner blickte in der Bürgerversammlung auch auf die vergangenen Corona-Monate zurück. Die Pandemie habe gezeigt, wie ausgeprägt die Solidarität in der Loisachstadt sei. Der 54-Jährige bedankte sich stellvertretend bei Ines Lobenstein und dem Ortsverband der DLRG Schäftlarn-Wolfratshausen für das ehrenamtliche Engagement. Lobenstein und DLRG hatten wie berichtet in einem Kraftakt die Möglichkeit geschaffen, dass sich Bürger auf Corona testen lassen können. Neben Heilinglechner: Dritter Landrat Klaus Koch.

Er, Heilinglechner, halte das Vorhaben nach wie vor für eine „nachhaltige, innovative Investition“, die Welle werde „eine Begegnungsstätte in der freien Natur“. Die Kommune könne mit der Verwirklichung „eine Lücke schließen“, so der Rathauschef mit Blick auf das Sport- und Freizeitangebot für die jüngere Generation.

Aufwertung der Altstadt

Das Coronavirus habe den „ambitionierten Zeitplan“ für die geplante Aufwertung der Innenstadt von der Musikschule im Norden bis übers Schwankl-Eck im Süden hinaus auf den Kopf gestellt. Seit wenigen Tagen liegt ein erster Entwurfsplan für die Umgestaltung vor (wir berichteten), in den „viele Bürgerwünsche eingeflossen sind“, so der Bürgermeister. Er lud die Wolfratshauser ein, sich weiter in den laufenden Prozess einzuschalten – im September werden die angedachten Maßnahmen auf der Homepage der Stadt zu sehen sein. Am 5. Oktober findet ab 18 Uhr in der Loisachhalle eine öffentliche Info-Veranstaltung statt.

Untermarkt 10/Museum

Die Sanierungs- und Erweiterungsmaßnahmen rund um die städtische Immobilie am Untermarkt 10 erfolgen laut Rathauschef „nach Plan“. Voraussichtlich würden die Arbeiten – federführend ist die Städtische Wohnungsbaugesellschaft – im Frühjahr abgeschlossen sein. Mit der Eröffnung des runderneuerten Museums Wolfratshausen, das wie der Vorgänger Heimatmuseum am Untermarkt 10 beheimatet sein wird, rechnet Heilinglechner im Herbst nächsten Jahres: „Wir bekommen ein wirklich tolles Museum.“

Ehemaliges Isar-Kaufhaus

Wie berichtet ist das ehemalige Isar-Kaufhaus in der Altstadt inzwischen Geschichte. Nach dem Abriss der Ruine wird zurzeit der Kelleraushub vorbereitet, die Untermarkt 7-11 GmbH errichtet an der Stelle ein neues Geschäfts- und Wohnhaus. Nachbarschaftsklagen hatten die Großbaustelle mehrfach lahm gelegt, mittlerweile haben sich die Parteien gütlich geeinigt. „Jetzt besteht die Aussicht auf ein attraktives neues Gesicht für unsere Innenstadt“, kündigte Heilinglechner an.

Schulzentrum am Hammerschmiedweg

In Kurzversion fasste der Bürgermeister die 2016 angestoßene Sanierung und Erweiterung der Grund- und Mittelschule am Hammerschmiedweg zusammen. Knapp 60 Millionen Euro hätten alle Module, „alle Wünsche“ gekostet. Das erschien dem Stadtrat wie berichtet als finanziell nicht darstellbar. Kulturreferent Alfred Fraas (CSU) legte aus diesem Grund – ohne Rücksprache mit der Schulleitung und anderen Prozessbeteiligten – einen eigenen Entwurf vor. Um weitere Verzögerungen zu verhindern, entschieden sich seine Parteifreunde aber dafür, den Antrag, die Fraas-Schule von Experten vertieft prüfen zu lassen, zurückzuziehen.

Nachdem der Stadtrat den Rotstift angesetzt hat und unter anderem eine angedachte Tiefgarage strich, belaufen sich die Investitionskosten laut Bürgermeister auf nunmehr 43,4 Millionen Euro. Ein „Unsicherheitsfaktor“ sei jedoch „der Materialpreisanstieg in der Baubranche“.

Kraft-Areal am S-Bahnhof

Ein Edeka-Markt sowie 117 Wohnungen – einige davon werden hinsichtlich des Mietpreises einkommensorientiert gefördert – entstehen auf dem ehemaligen, rund 11 000 Quadratmeter großen Kraft-Areal östlich des S-Bahnhofs. Der Investor, die Scherbaum-Gruppe mit Sitz in Grünwald, verfolge das Ziel, das Projekt Ende 2022/ Anfang 2023 fertigzustellen, berichtete Heilinglechner.

Rathauscafé in der Altstadt

Betreiben werden das seit Mitte 2019 leer stehende Rathauscafé nach der Modernisierung der städtischen Immobilie Michaela und Hans-Joachim Kunstmann, Vorsitzender des Werbekreises Einkaufsstadt Wolfratshausen. Die Arbeiten verzögern sich allerdings, berichtete der Bürgermeister, da unter anderem die Haustechnik, die noch mit der des angrenzendes Rathauses verbunden ist, von eben jenem Strang getrennt werden müsse. Darüber hinaus hätten Lüftungsbauer derzeit eine Lieferzeit „von 20 bis 30 Wochen“. Heilinglechner hat die große Hoffnung, dass das neue Rathauscafé „zum Christkindlmarkt“, das heißt, am ersten Adventswochenende öffnen kann

Städtischer Haushalt

Die Stadt verfügt aktuell über 16 Millionen Euro Rücklagen, der Schuldenstand ist laut Rathauschef in den vergangenen Jahren kontinuierlich abgebaut worden. Heilinglechner dämpfte die Euphorie allerdings, denn: „Wir wissen nicht, wie sich die Corona-Pandemie mittel- oder langfristig wirtschaftlich auswirkt.“ Zudem rechnet das Stadtoberhaupt nicht damit, dass der Bund (wie 2020) die Gewerbesteuerausfälle kompensiert. Eine konkrete Aussage dazu gebe es noch nicht, die werde es „wohl vor der Bundestagswahl auch nicht geben“. So oder so: „Wir werden den Gürtel enger schnallen müssen.“

Sturzflut- Risikomanagement

Die fatalen Folgen der jüngsten Unwetter machen laut Bürgermeister deutlich, wie wichtig das Konzept zum Sturzflut-Risikomanagement ist, an dem die Kommune gemeinsam mit Experten arbeitet. Finanziell unterstützt wird die Loisachstadt in diesem Kontext vom Bayerischen Umweltministerium. Die Kommune hat 2018 vom Freistaat für die Entwicklung von Schutzkonzepten für einen Teilbereich des Stadtgebiets eine Förderung von 37 500 Euro erhalten. Der Prozess sei sehr komplex und „sehr zeitaufwendig“, sagte Heilinglechner. Anvisiert sei eine „gezielte Maßnahmenentwicklung“, dem Stadtrat vorgestellt werde das Konzept im nächsten Jahr. Auf Nachfrage von Heinz Wensauer antwortete der Rathauschef, dass das Sturzflut-Risikomanagement auch den geplanten Umbau der Marktstraße berücksichtige: Konkret die Absenkung der Bordsteine von derzeit etwa 18 auf zehn Zentimeter zwischen Musikschule und Schwankl-Eck – sowie auf drei Zentimeter im Bereich des Marienplatzes. Dass dies bei Starkregenereignissen zu einer Überflutung von Hauseingängen und Geschäften führt, fürchtet Heilinglechner nicht. Er vertraue auf die Planung von Experten und gab zu bedenken: Der Bund als Straßenbaulastträger der B11 „wird sich hüten, gewisse Gefährdungen in Kauf zu nehmen“.

Verlängerung der S-Bahn

Die geplante Gleisverlängerung von Wolfratshausen nach Geretsried (der Baubeginn erfolgt laut Bahn 2024) wird nach den Worten des Bürgermeisters keinen Einfluss auf die Einbahnregelung in der Altstadt haben. Lange stand ein „Rückbau“ (zum Beispiel der Außengastronomie) im Raum, das heißt: Binnen 24 Stunden hätte wieder Begegnungsverkehr möglich sein müssen, um die An- und Abfahrt von Baustellenfahrzeugen zu garantieren. Dieser Rückbau „war bis jetzt in allen Gesprächen kein Thema mehr“, so Heilinglechner. Er wies zudem darauf hin, dass die Einbahnregelung zwischen Reiser- und Schwankl-Eck „kein Provisorium mehr ist“.

Auch interessant

Mehr zum Thema

Kommentare