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Der „Glaspalast“: Für das Bürogebäude am Hans-Urmiller-Ring in Wolfratshausen sind bei der Zwangsversteigerung 2,8 Millionen Euro geboten worden.

Bei 2,8 Millionen Euro fällt der Hammer

Bürokomplex für 2,8 Millionen Euro zwangsversteigert

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Wolfratshausen - 2,8 Millionen Euro: Diese Summe legt ein Investor aus Unterhaching für den Gebäudekomplex am Hans-Urmiller-Ring 11 auf den Tisch. Noch ist aber nicht alles in trockenen Tüchern.

Die Stimmung kippt. „Wir sind hier vor einem Gericht und nicht in einer Kasperleveranstaltung“, schimpft Reinhard Hofstetter, Rechtspfleger am Amtsgericht. Er schaut zornig in den Saal, ein junger Mann hebt entschuldigend die linke Hand. Mit der rechten hält er sein Handy ans Ohr. Ein Tabu vor Gericht, auch bei einer Zwangsversteigerung.

Der Mann arbeitet für eine Investmentfirma mit Sitz in Irland. Sie hat die Versteigerung des Gebäudekomplexes am Hans-Urmiller-Ring 11 neben dem neuen Rewe-Getränkemarkt mit auf den Weg gebracht. Die Sitzung ist fast vorbei, ein Höchstgebot gibt es schon: 2,8 Millionen Euro. So viel will ein Investor aus Unterhaching für das Bürogebäude im Gewerbegebiet auf den Tisch legen. Noch ist aber unklar, ob er es auch bekommt, denn der junge Mann und sein Kollege zögern: Das Höchstgebot ist um 30 000 Euro niedriger als das, was ihre Chefs mindestens erwarten.

Wo mit Millionen jongliert wird, geht es um 30.000 Euro

Dort, wo mit Millionen jongliert wird, geht es am Ende also um 30 000 Euro. Und die Chefs sind nicht erreichbar. Das strapaziert nicht nur die Nerven von Rechtspfleger Hofstetter, sondern auch der anderen Anwesenden: Männer und Frauen, elegant gekleidet, Aktenmappen in der Hand.

Der bisherige Eigentümer, ein Mann aus München, ist mit Anzughose und weißem Polohemd in den Gerichtssaal gekommen. Recht fröhlich scheint er nicht drein. Seit November 2013 wird seine Immobilie zwangsverwaltet (wir berichteten). Nun die Versteigerung. Die Eckdaten des 21 Jahre alten Gebäudes mit Glasfassade: 2500 Quadratmeter Gesamtfläche, neun Büros, 44 Tiefgaragenstellplätze. 2,83 Millionen Euro Verkehrswert, 252 000 Euro Jahres-Nettomiete bei Vollauslastung. Momentan sind aber nicht alle Räume vermietet.

Die gesetzlich vorgeschriebene Bietzeit beträgt mindestens 30 Minuten, besteht Interesse, wird verlängert. In den ersten 20 Minuten passiert nichts. Dann erhebt sich der erste Mann von den Publikumsplätzen und geht zu Hofstetter an den Richtertisch. Er zeigt seinen Personalausweis, bietet 1,415 Millionen Euro und hinterlegt eine Bankbürgschaft über 283 000 Euro als Sicherheit. Wer die nicht hat, darf nicht mitbieten. Zwei weitere Gebote folgen, dann wird die Zwei-Millionen-Euro-Marke übersprungen. Zum Ende hin wird’s richtig spannend.

Am Ende gewinnt der Investor aus Unterhaching

Insgesamt sind acht Bieter im Rennen. „Wenn Sie große Schritte machen, beeindrucken Sie Ihre Konkurrenten eher“, animiert sie Hofstetter und schmunzelt. Am Ende gewinnt der Investor aus Unterhaching.

Er muss sich aber gedulden. Die Gläubiger bitten um eine Aussetzung, um nochmal mit den Chefs sprechen zu können. Bis kommenden Freitag, 22. Januar, haben sie nun Bedenkzeit, ob sie das Ergebnis annehmen. Dann erst wird der Zuschlag erteilt. Entscheiden sie sich dagegen, wird der nächste Versteigerungstermin laut Hofstetter erst im kommenden Jahr sein. „Ich nehme auch ein weiteres Jahr Zwangsverwaltung in Kauf“, warnt er.

Der Höchstbietende ist im Gespräch mit unserer Zeitung zurückhaltend. Nur so viel: Von seinem Sonderkündigungsrecht gegenüber den jetzigen Mietern würde er kein Gebrauch machen. Die bestehenden Verträge sollten weiterlaufen, sagt er. „Ich möchte ein gutes Verhältnis.“

dor

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