1. Startseite
  2. Lokales
  3. Geretsried-Wolfratshausen
  4. Wolfratshausen

Schwarze Zelte, soweit das Auge reicht: 5000 Pfadfinder lagern in Königsdorf

Erstellt:

Von: Susanne Weiß

Kommentare

Über mehrere Felder erstreckt sich das Bundeslager von Pfadfinderinnen und Pfadfindern aus ganz Deutschland und befreundeten Ländern.
Über mehrere Felder erstreckt sich das Bundeslager von Pfadfinderinnen und Pfadfindern aus ganz Deutschland und befreundeten Ländern. © Fabian Matella

5000 Pfadfinderinnen und Pfadfinder sind seit Freitag und noch bis Montag im Bundeslager in der Jugendsiedlung Hochland. Dahinter steckt ein hoher Aufwand.

Königsdorf – Den kürzesten Weg hatten die Geretsrieder Eulen, den weitesten die Grupo de scouts Thomas Morus aus Chile: Aus allen Richtungen sind Pfadfinderinnen und Pfadfinder nach Königsdorf gekommen. Insgesamt 5000 campieren zehn Tage in der Jugendsiedlung Hochland. Zu ein paar Veranstaltungen kommen alle zusammen, den Großteil der zehn Tage verbringen die Pfadfinderinnen und Pfadfinder aber in kleineren Einheiten.

Dominik (26) vom Stamm Marco Polo aus Pasing sitzt auf dem Teppich in einer Jurte und klimpert auf seiner Gitarre. Die Jurte, ein Zelt, in dem man stehen und in der Mitte Feuer machen kann, ist für den Aufenthalt seiner Stammesgruppe bestimmt. Um die Jurte stehen zwei weitere Jurten und sieben sogenannte Kohten, in denen neben den Marco Polos, die Eulen sowie der Schwarze Haufen aus Würzburg und ein paar befreundete Pfadfinder aus Bordeaux schlafen.

Alle Pfadfinder genießen das Zusammensein in Königsdorf, auch die Geretsrieder Eulen.
Alle Pfadfinder genießen das Zusammensein in Königsdorf, auch die Geretsrieder Eulen. © Sabine Hermsdorf-Hiss

Bundeslager von Pfadfindern: Riesiges Camp in Königsdorf aufgebaut

Für die 60 jungen Frauen und Männer kochen Dominik und das Küchenteam. „Es gab schon Tomatensuppe mit Croûtons, Linseneintopf und French Toast“, berichtet der 26-Jährige. Jede Stammesgruppe hat eine gemeinsame Küche beziehungsweise eine Jurte mit Herd und Spüle am Zeltplatz. Um die Zutaten zu bekommen, geht es quer durch das gesamte Lager. Die Quadratmeter hat der Bund der Pfadfinderinnen und Pfadfinder zwar nicht gemessen, aber es ist größer als das Gelände Jugendsiedlung. „Umliegende Bauern haben uns dankenswerterweise ihre Felder zur Verfügung gestellt, da hat uns die Jugendsiedlung sehr unterstützt“, erklärt Fabian, der den Bereich Öffentlichkeitsarbeit für das Bundeslager betreut. Insgesamt sind 700 Ehrenamtliche mit der Organisation des Lagers beschäftigt. Geplant haben sie die Zusammenkunft zweieinhalb Jahre. Sie findet nur alle vier Jahre an einem anderen Ort in Deutschland statt.

Die unzähligen Jurten und Kohten – traditionell schwarz wegen der Feuerstellen – sind nach Bundesländern sortiert. Die Ortsgruppen haben ihre Unterlager mit Holztafeln gekennzeichnet, auf denen ihre Namen und fiktive Straßenbezeichnungen wie „Rainbow-Boulevard“ stehen. Es ist auch Brauch, sich gegenseitig mit gezimmerten Türmen oder Skulpturen zu übertrumpfen. Auf einem der Bauwerke hängt eine Wetterfahne – glücklicherweise zeigt sie seit Beginn des Lagers Grün.

Bundeslager hat eigenen Supermarkt für Pfadfinder eingerichtet

Das größte aller Zelte ist die Markthalle, die von Händlern und Bäckern aus der Region beliefert wird. „Damit wir nicht alle Supermärkte in der Umgebung leerkaufen“, sagt Fabian und schmunzelt. In der Markthalle stapeln sich Paletten mit Cornflakes, Milch und Nudeln. Nur Fleisch gibt es nicht. In einer demokratischen Abstimmung hatte sich die Bundesversammlung für ein vegetarisches Bundeslager ausgesprochen. 70 Prozent waren dafür. Der Stamm Staufen aus Erding macht eine Ausnahme und hat dafür extra Schweinenacken in Bad Tölz gekauft. Samuel brutzelt ihn in einem aus einer alten Tonne selbst gebauten Backofen. „Wir haben heute eine Geburtstagsfeier“, erklärt der Industriemechaniker. Zu diesem Anlass gebe es „leckeres Pulled Pork“.

In einem selbstgebauten Grill aus einer Tonne brutzelt  Pulled Pork. Eigentlich isst das Lager  aber vegetarisch.
In einem selbstgebauten Grill aus einer Tonne brutzelt Pulled Pork. Eigentlich isst das Lager aber vegetarisch. © Sabine Hermsdorf-Hiss

Zwischen den Mahlzeiten können die Pfadfinderinnen und Pfadfinder Workshops zum Lagermotto „LebensTräume“ belegen. „Wir wollen anregen zum Träumen und uns fragen, in welcher Welt wollen wir morgen leben und was müssen wir dafür verändern“, sagt Fabian. Auch Ausflüge sind möglich, Sie stehen auf einer Tafel mit der Aufschrift „Rausebüro“ – ein Wortspiel. Für die 20 Eulen aus Geretsried sind die natürlich nicht so spannend. Trotzdem sei das Bundeslager „sehr besonders“, sagt Valentin (15) aus Geretsried. „Bei den Pfadfindern ist jeder dein Freund.“

Besuchstag im Bundeslager am Samstag

Am Besuchstag am Samstag, 6. August, von 12 bis 18 Uhr geben die Pfadfinderinnen und Pfadfinder Einblick ins Lagerleben und laden zu Aktionen ein.

(Unser Wolfratshausen-Geretsried-Newsletter informiert Sie regelmäßig über alle wichtigen Geschichten aus Ihrer Region. Melden Sie sich hier an.)

Auch interessant

Kommentare