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Auf den Spuren der Ritter: Torsten Sjöberg, Vorsitzender des Wolfratshauser Burgvereins, erzählt von seiner Tätigkeit.

Auf den Spuren der Ritter

Burgverein-Vorsitzender erklärt: Darum ist die Burg so spannend

Der Burgverein Wolfratshausen feiert fünfjähriges Bestehen. Zeit, um mit Torsten Sjöberg, dem Vorsitzenden, über das einstige Bauwerk zu sprechen – und warum es so faszinierend ist.

Wolfratshausen – Es fing an mit einer persönlichen Faszination. „Die Geschichte der Wolfratshauser Burg hat mich schon in der Grundschule gefesselt“, erinnert sich Torsten Sjöberg. Selbst als der Farcheter nach seinem Maschinenbaustudium eine Zeit in den USA verbrachte, weit weg vom heimischen Bergwald, beschäftigte ihn das einstige Bauwerk über den Dächern der Loisachstadt. Heute ist der 50-Jährige Vorsitzender des Burgvereins Wolfratshausen, der in diesem Jahr seinen fünften Geburtstag feiert.

„Das Kurfürstliche Schloss zu Wolfertshausen“

Die Arbeit von Sjöberg und seinen Mitstreitern ist vielseitig: Archäologie, Geschichtsrecherche und virtuelle Burgansichten gehören dazu. Aufgabenfelder, die den Halbschweden in ihren Bann ziehen – genau wie das einstige Wolfratshauser Wahrzeichen. In seinem Arbeitszimmer – gleichzeitig ist es die Geschäftsstelle des Burgvereins – lehnt ein Kupferstich an der Wand. Das Alter des Stichs lässt sich nur erahnen, erst wenn man näher tritt, erkennt man eine Inschrift: 1701. Das Werk zeigt eine Ansicht der Wolfratshauser Burg, beziehungsweise – so lautet der Name des Werks – „Das Kurfürstliche Schloss zu Wolfertshausen“.

Torsten Sjöberg Vorsitzender desWolfratshauser Burgvereins

Der Kupferstich ist eine relativ aktuelle Abbildung des einstigen Wahrzeichens, das nach einem Blitzeinschlag im Jahr 1734 explodierte. „Das Bild zeigt aber nicht, wie die Burg ursprünglich ausgesehen hat“, weiß Sjöberg. Auch die Perspektive des Künstlers ist, wenn man das gesamte Ausmaß des einstigen Bauwerks erkennen möchte, ein Problem: Die Ansicht zeigt die Burg von der Loisach betrachtet – die Rückseite des Gebäudes ist nicht zu erkennen.

Unbekannte Ansichten des Schlosses ermitteln

Eine der Hauptaufgaben des Burgvereins ist es, die unbekannten Ansichten des Schlosses zu ermitteln. Wie die Mitglieder das tun? „Wir machen zum Beispiel regelmäßige Begehungen auf dem Burggelände“, berichtet Sjöberg. Bei diesen Aufstiegen auf den Bergwald am Steilufer der Loisach stoßen die Vereinsmitglieder regelmäßig – meist zufällig – auf Relikte des Bauwerks. So fanden Sjöberg und ein Begleiter vor kurzer Zeit einen im Waldboden steckenden Tuffstein. Das klingt zwar nicht nach einem spektakulären Fund, aber Tuff war einer der Hauptbestandteile des historischen Gebäudes. „Aufgrund der Lage an einem Hang haben wir herausgefunden, dass es sich um ein Fundament der Brücke handelt, die zur Burg geführt hat.“ Als die beiden Wanderer die Umgebung durchforsteten, stießen sie auf weitere Steine. „So konnten wir den Verlauf der Brücke nachvollziehen.“ Wer Sjöberg sieht, wenn er davon spricht, erkennt die Leidenschaft für das Thema.

Solche Zufallsfunde bei Begehungen sind ein Teil der wenigen Möglichkeiten, auf historisches Material am Bergwald über Weidach zu stoßen. Der Grund: Das Gelände ist ein Bodendenkmal, archäologische Grabungen sind verboten. Ein Problem, ja. Aber auch ein Ansporn für den Familienvater und seine Mitstreiter. Die Not macht erfinderisch. „Bei einer Online-Recherche bin ich zufällig auf eine Abbildung der Verbrennung des Heiligen Nantwein gestoßen“, berichtet Sjöberg. Im Hintergrund, so klein, dass man es gut und gerne übersehen kann, ist auch die Wolfratshauser Burg abgebildet. Sjöberg kaufte sich den Kupferstich, scannte ihn und konnte eine neue Ansicht der Burg in einen seiner vielen Aktenordner heften.

Plastische Ansicht steht im Schwankl-Eck

Eine plastische Ansicht der Wolfratshauser Burg können Passanten im Schwankl-Eck am Obermarkt begutachten. Mitglieder des Burgvereins restaurierten in liebevoller Kleinarbeit das Modell von 1952, das zuvor fast vier Jahrzehnte als verschollen galt. Sjöberg fand das Modell durch Zufall über einen Bekannten, in dessen Keller die Plastik schlummerte.

Um die Faszination für die Wolfratshauser Burg noch greifbarer zu machen, arbeitet der Verein an einem Großprojekt: einem Burgerlebnispfad. Bei einem Rundgang über den Bergwald sollen Passanten auf den Spuren von Rittern und Fürsten wandeln können. Als Höhepunkt des Pfades ist eine virtuelle Burg geplant. Wer am Gedenkstein des einstigen Wahrzeichens angekommen ist, soll mittels einer Smartphone-App das Bauwerk sehen, auf dessen Fundament er sich befindet. Um diese Ansicht detailgetreu zu gestalten, ist Recherche notwendig. „Die Geschichte der Burg ist bekannt, das Gebäude nicht“, sagt Sjöberg.

Dominik Stallein

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