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Die Busausfälle häufen sich: Das ist das große Problem der MVV im Landkreis

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Von: Susanne Weiß

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Wolfratshausen Bus- und S-Bahnhof
Zur Zeit kann es vorkommen, dass Fahrgäste vergeblich auf eine Beförderungsmöglichkeit warten – Busfahrer sind Mangelware. © Archiv

Wenn der Bus ausfällt, ist das stets ein Grund zum Ärgern. Immer öfter liegt die Ursache nicht am Verkehr oder dem Fahrzeug – sondern an dem Mangel an Busfahrern.

Bad Tölz-Wolfratshausen – Gerlinde Heinze fährt jeden Tag mit dem Bus. An der Haltestelle Kirchberg in Münsing steigt die 62-Jährige ein, an der Grafstraße in Berg aus, wo sie beim Pflegeverein arbeitet. Manchmal fährt sie später von dort auch noch eine Station weiter zu einem anderen Kunden. In letzter Zeit steht die Münsingerin allerdings immer öfter an der Haltestelle – und wartet vergeblich.

Busausfälle häufen sich: Das ist das große Problem der MVV

Das ärgert sie, zum einen, weil sie dadurch zu spät zur Arbeit kommt und dadurch Verdienstausfälle hat. Zum anderen, weil angesichts von Klimawandel und Energieknappheit ständig gesagt werde, die Leute sollen öffentliche Verkehrsmittel nutzen. „Und dann funktioniert nichts. Das kann’s doch nicht sein“, sagt die 62-Jährige. Kürzlich stand Heinze an einem Mittwochmorgen in Münsing. „Es kam überhaupt kein Bus.“ Sie habe ihren Sohn bitten müssen, dass er sie fährt. Die 62-Jährige rief beim Kundenservice an. Da habe sie erfahren: „Der Fahrer ist ausgefallen.“ Die Münsingerin kann von vielen ähnlichen Fällen aus den vergangenen Wochen berichten. Wie bereits in vielen anderen Bereichen, macht sich der Personalmangel jetzt auch im ÖPNV bemerkbar.

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Fahrermangel in Bad Tölz-Wolfratshausen kein Einzelfall – „in der gesamten Branche“

Der Münchner Verkehrs- und Tarifverbund (MVV), der die Buslinien in der Region betreibt, bestätigt auf Nachfrage unserer Zeitung, dass der aktuell spürbare Fahrermangel ein allgemeines Problem ist. „Allerdings nicht nur im Landkreis Bad Tölz-Wolfratshausen, sondern in der gesamten Branche“, erklärt Pressesprecherin Franziska Hartmann. Bei einigen Verkehrsunternehmen im MVV-Regionalbusverkehr würden die Corona-Pandemie und die insgesamt angespannte Lage auf dem Arbeitsmarkt zu Personalengpässen führen.

Ausfälle unumgänglich: Betriebliche Maßnahmen helfen gegen Fahrermangel nur bedingt

Darauf ausruhen wollen sich die Verantwortlichen aber keineswegs. „Die Aufgabenträger, die Verkehrsunternehmen und der MVV arbeiten mit Hochdruck daran, einen stabilen Verkehr zu ermöglichen und die Auswirkungen für die Fahrgäste möglichst gering zu halten“, betont Hartmann. Deshalb werde immer zunächst versucht, betriebliche Maßnahmen ohne unmittelbare Auswirkungen auf das Fahrtenangebot umzusetzen. Wo dies nicht möglich sei, werde mit Ersatzfahrplänen gearbeitet. „Dennoch kann es –teilweise auch kurzfristig – zu einem Ausfall von Fahrten kommen, die wir nach Möglichkeit zu vermeiden suchen“, so die Pressesprecherin.

Flaggschiff der Verkehrswende: Fahrplan des X-Busses „ist extrem knapp“ kalkuliert

Flaggschiff in Sachen Verkehrswende ist im Landkreis zur Zeit der X-Bus (wir berichteten). Den 20-Minuten-Takt zwischen Bad Tölz, Geretsried, Wolfratshausen und Starnberg könne man noch einhalten. Aber „es ist extrem knapp“, macht Jürgen John deutlich. Er ist Prokurist bei der Firma Geldhauser, die mit dem Expressbus-Betrieb beauftragt ist. Seit etwa eineinhalb Jahren sei der Fahrermangel eklatant. Er vermutet, dass der Lohn angesichts der Lebenshaltungskosten in der Region für viele nicht lukrativ genug sei. Einheimische würden vielleicht auch davor zurückschrecken, dass sie mit 5000 bis 7000 für den Führerschein in Vorleistung gehen müssten. „Wir werben in Osteuropa um Fahrer. Die meisten haben schon den Führerschein“, sagt der Prokurist. Allerdings: „Der Markt ist leer gefegt“, muss John feststellen.

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