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Bis zu 12.000 Euro kostet der Busführerschein. Auch das schreckt viele bei der Berufswahl ab. 

Personalmangel 

Busfahrer dringend gesucht

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Gutes Personal zu finden, ist in der Dienstleistungsbranche allgemein schwierig. Am problematischsten ist es derzeit wohl für Busunternehmen. Den Betrieb aufrecht zu erhalten, grenzt an ein Kunststück.

Bad Tölz-Wolfratshausen – Woher bekommt man geeignetes Personal? Bei dieser Frage schnauft Andreas Päschel von der RVO-Niederlassung in Bad Tölz erst einmal tief durch. „Ganz brutal schwer“, sagt er. „Bei uns zeigen sich die Probleme, die es in der Dienstleistungsbranche grundsätzlich gibt, vielleicht am allerdeutlichsten.“ Die Flotte zuverlässig auf die Straße zu bringen, stelle eine große Herausforderung dar. „Manchmal wird gejammert, wenn der Bus zu spät kommt“, sagt er. „Dabei sollte man froh sein, dass überhaupt noch einer kommt.“

Als eines der Probleme beschreibt Päschel den Schichtdienst – die Fahrer sind bekanntlich auch nachts und am Wochenende im Einsatz. „Das wollen sich viele einfach nicht mehr antun.“ Noch dazu sind zumindest die Wochenendschichten in der Tourismusregion besonders fordernd, man muss Ortskenntnis besitzen und mit den Leuten reden können. „Das sind Voraussetzungen, die nicht jeder mitbringt.“ Nur wenige Bewerber stammen aus Deutschland, und noch weniger können sich fließend auf Deutsch verständigen.

Gehalt niedrig, Miete hoch

Ein weiteres Problem: der Mangel an bezahlbaren Wohnungen. Wer mit dem Gedanken spielt, in den Süden von München zu ziehen, um hier als Busfahrer tätig zu werden, wird schon sehr bald ernüchtert sein. „Wovon soll man leben, wenn man 1600 Euro netto verdient, aber die Miete schon 1000 Euro kostet?“, fragt Päschel. Er kann es niemandem verdenken, der sich dann einen anderen Plan zurechtlegt. Für den RVO und seine Partnerunternehmen sind etwa 100 Fahrer im Landkreis im Einsatz. Freilich könne man selbst ausbilden, aber halt nicht mehr als drei oder vier pro Jahr. „Das ist ein Tropfen auf dem heißen Stein, mehr nicht.“

Nikolaus Würmseer vom Reisebüro Schöfmann in Bad Tölz sieht noch ein anderes Problem: die immensen Kosten für einen Busführerschein. Sie liegen bei 10 000 bis 12 000 Euro. Eine stolze Summe, zumal der anschließende Verdienst nicht so hoch ist, dass man die Investition schnell wieder reinholt. „Früher war das noch anders“, erzählt er. „Damals konnte man als Berufssoldat noch bei der Bundeswehr den Lkw-Führerschein machen und später den Busführerschein nachholen.“ Das ist seit der Umwandlung in eine Berufsarmee nicht mehr möglich, jetzt muss es gleich der Busführerschein sein.

„Die Guten sind dünn gesät.“

Manchmal übernehme das Arbeitsamt die Kosten. Doch die Kriterien, nach denen die Ausbildung gewährt wird, kann Würmseer nicht immer nachvollziehen. „Man hat einmal einen Bewerber, von dem ich einen sehr guten Eindruck hatte, abgelehnt. Dafür wurde die Ausbildung einem Mann gewährt, dem ich niemals einen Bus anvertraut hätte.“ Würmseer selbst hat einen Stamm von zehn Fahrern, mit denen er hochzufrieden ist. Allerdings ist absehbar, dass er in den nächsten Jahren zwei, drei Mitarbeiter altersbedingt ersetzen muss. Gelegentlich hat er schon annonciert, ein geeigneter Kandidat war nicht dabei. „Katastrophe“, sagt er, nach seinen Eindrücken befragt. Einige kamen schon zum ersten Termin zu spät und wurden dann auch noch unhöflich. Sein Fazit: „Die Guten sind dünn gesät.“

Dass die Branche immer größere Schwierigkeiten bekommt, ist schon seit einiger Zeit absehbar. „Bis vor kurzem war es fünf vor zwölf, jetzt ist es fünf nach zwölf.“ Würmseer fordert die Regierung daher auf, Fördermittel flüssig zu machen. „Wenn die ersten Arbeitnehmer einmal nicht mehr zu Arbeit erscheinen und die Kinder nicht mehr zur Schule, wird das Geschrei groß sein.“

Kaum anders ergeht es der Darchinger Busreisen GmbH in Münsing. Geschäftsführerin Christiane Härtl kennt die Probleme der Kollegen aus der eigenen Praxis nur allzu gut. „Es gibt schon Fahrer auf dem Markt“, sagt sie. „Doch gute zu finden, wird immer schwieriger.“ Manche Bewerber können kaum Deutsch, anderen fehlt die Ortskenntnis, wieder anderen die Lust zu ihrem Job – und bei manchen treffen alle genannten Punkte zu. Dennoch steht das Unternehmen in der Pflicht, die Busse pünktlich fahren zu lassen. „Wir können nicht einfach sagen: ,Heute ist unserer Fahrer krank, wir sind morgen wieder unterwegs.’“ Im Fall der Fälle müssen die zwei Mitarbeiter aus dem Büro in Degerndorf einspringen. Sie haben beide den Führerschein.

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