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Der Christbaum gehört in Wolfratshausen zum Weihnachtsmarkt. Bis jetzt. 

Weihnachtsmarkt heuer ohne Tanne

Brandschutz: Christbaum in Wolfratshausen zu gefährlich

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    Marcus Mäckler
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Wolfratshausen - Zum Weihnachtsmarkt gehört ein Christbaum, nur in Wolfratshausen nicht. Die Stadt hat sich heuer gegen einen Baum entschieden - wegen des Brandschutzes. 

Er war ein elf Meter hohes Prachtstück, vor Nadeln strotzend und mit harzig-klebrigem Wintergeruch. 2015, da stand auf dem Wolfratshauser Marienplatz ein herrlicher Christbaum, so wie er eigentlich jedes Jahr dort steht. Die Menschen in der Flößerstadt werden sich mit der Erinnerung begnügen müssen, denn in diesem Jahr wird er fehlen.

Es fiel die Entscheidung: Heuer kein Baum. Ausschlaggebend war der Brandschutz; dabei stand der Baum jahrzehntelang an seiner angestammten Stelle, ohne dass sich jemand gesorgt hätte. Warum also gerade jetzt?

Der Ursprung des Christbaum-Übels liegt beim Landratsamt. Das hatte Sicherheitsbedenken angemeldet, nachdem der Grüne Markt, ein großer Wochenmarkt, auf den Marienplatz gezogen war. Wie das Landratsamt bestätigte, fand eine Markt-Begehung mit der Feuerwehr statt. Die sollte schließlich einen Plan mit nötigen Änderungen vorlegen. Ergebnis: Die Märkte werden künftig deutlich weniger Stände haben, damit Rettungskräfte im Notfall besser durchkommen. „Beim Christkindlmarkt werden es heuer nur 50 statt 80 Stände sein“, sagt Marktmeister Peter Steinberger.

Davon, dass der Baum weichen muss, war nie die Rede.

Der Fall in Wolfratshausen scheint recht einmalig in Bayern zu sein

Wilfried Schober ist beim Bayerischen Gemeindetag für alle Themen rund um die Feuerwehr zuständig und kennt sich deshalb auch mit Brandschutz aus. So ein Fall wie in Wolfratshausen ist ihm aber noch nicht untergekommen. „So lange ein Baum frei steht und genug Abstand zur Bebauung hat, ist das in der Regel kein Problem“, sagt er. Allerdings liege das ganz im Ermessen der Stadt.

Will die Stadt vielleicht besonders vorsichtig sein? Bürgermeister Klaus Heilinglechner war gestern nicht zu erreichen, weil er auf dem Weg nach Japan war. Feuerwehr-Kommandant Andreas Spohn sagt aber, Bedenken seien nicht ganz unangebracht. „Im Ernstfall könnte der Baum schon Probleme bereiten.“ Ungefährlich sei es nur, wenn die Zufahrt zu wichtigen Punkten wie etwa der Kirche gewährleistet sei. Über so eine Lösung hat mit der Feuerwehr aber niemand gesprochen.

Advent in Graz - Wo die Christbäume an der Decke hängen

Die Verantwortlichen haben nach einem alternativen Standplatz gesucht - ohne Erfolg

Immerhin haben sich die Verantwortlichen Gedanken gemacht, ob der Baum an anderer Stelle auf dem Marienplatz stehen könnte. Aber es tat sich keine gute Alternative auf. Ihn nur an den drei Weihnachtsmarkttagen Ende November aufzustellen und zu schmücken, lohne sich nicht. Aufwand zu groß.

Der Marienplatz bleibt also christbaumlos. Vize-Bürgermeister Fritz Schaller findet das nur halb so wild. „Der Standort war sowieso nicht optimal“, sagt er. Die Zweige waren im Weg, die unteren Äste durften eh nicht geschmückt werden, aus Sicherheitsgründen.

So ganz einleuchten will die Entscheidung trotzdem nicht. Auch andernorts stehen große Christbäume nahe an Weihnachtsmarkt-Hütten: der Münchner Marienplatz ist das bekannteste Beispiel. Sogar Verwaltungsmann Schober sagt, am Ende gehe es doch um Tradition. „Zu einem Christkindlmarkt gehört ein Baum. Sonst kann man’s gleich lassen.“

Lesen Sie mehr zu dem Thema: Kein Christbaum am Marienplatz: Wer ist verantwortlich?

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