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Ein Bild aus der Vergangenheit: Christian Schütze bei der Verabschiedung seiner Frau Barbara in der Kreisklinik Wolfratshausen. Sie arbeitete dort als Oberärztin. Daneben: Chefarzt Dr. Wolfgang Hiller (li.) und Geschäftsführer Hubertus Hollmann (re.). 

Nachruf 

Christian Schütze verabschiedet sich mit mahnenden Worten

„Haltet Frieden untereinander“, schreibt Christian Schütze in seinem Abschiedsbrief. Er ist mit 90 Jahren an einer Nierenerkrankung gestorben. Unser Nachruf auf den ersten Umweltjournalisten der Republik.

Christian Schütze ist im Alter von 90 Jahren gestorben.

Wolfratshausen – Erst vor wenigen Wochen hat der Journalist und Autor Christian Schütze im Wirtshaus Flößerei seinen 90. Geburtstag gefeiert. Der Bedeutung des Jubilars entsprechend war die Festgesellschaft groß, prominent und international. „Er hat den Tag sehr genossen“, erzählt sein Sohn Justus. Kurz nach den Feierlichkeiten ist der „Jubelgreis“, wie er sich selbstironisch nannte, an den Nieren erkrankt. Der evangelische Christ verweigerte ganz bewusst eine regelmäßige Dialyse. Am 22. Februar schlief Christian Schütze in seinem Haus am Fichtenweg im Kreis der Großfamilie ein. „Bis wenige Stunden vor seinem Tod war er ansprechbar und hatte nach eigener Aussage weder Angst noch Schmerzen“, sagt sein Sohn.

Der gebürtige Dresdner zählte zu den ganz wichtigen Publizisten der Nachkriegszeit. Als einer der Ersten erkannte er, dass der Mensch die Umwelt ausbeutet, um seinen Wohlstand zu sichern. Er war es auch, der den Begriff Umweltschutz in die Debatte einführte. Sehr amüsant wusste er davon zu erzählen, wie verständnislos seine Kollegen von der Stuttgarter Zeitung Ende der 1960er Jahre reagierten, als er das Wort erstmals in einem Kommentar verwendete. „1981 gab die Deutsche Bundespost die erste Briefmarke heraus, die dem Umweltschutz gewidmet war“, erinnert sich Heribert Prantl von der Süddeutschen Zeitung. Sie zeigte einen Schmetterling, einen Fisch und den Zweig eines Nadelbaums. „Eigentlich hätte sie auch Christian Schütze zeigen können.“

Über seine Wahlheimat Wolfratshausen, die er zusammen mit seiner Frau, der Medizinerin Barbara Schütze-Paeslack, beim Rückweg aus den Bergen entdeckt hatte, sprach Schütze stets in höchsten Tönen. Die familiäre Atmosphäre, die kurzen Wege, die intakte Natur: All das schätzte er sehr. In einem Abschiedsbrief an die Freunde, geschrieben im Krankenbett in Harlaching, blickte er auf ein „gutes Leben“ zurück und erklärte seine Entscheidung. „Ich habe mir immer einen natürlichen Tod gewünscht. Jetzt bin ich von Maschinen umgeben. Es ist ein unwürdiger Zustand, den ich durchbrechen werde. Mein Heiland Jesus wird mir auch diese Sünde vergeben, wenn es eine ist.“ Und zuletzt: „Haltet Frieden untereinander und lasst Euch nicht vom giftigen Geld verführen. Und nun lebt wohl und seid Gott befohlen.“

Volker Ufertinger

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