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Erhöhte Präsenz: Die Polizei wird auf dem Wolfratshauser Christkindlmarkt immer sichtbar sein .

In Zeiten des Terrors 

Christkindlmärkte im Landkreis: Polizei wird Präsenz zeigen

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Bad Tölz-Wolfratshausen - Der Anschlag auf den Berliner Weihnachtsmarkt im vergangenen Jahr hat auch Konsequenzen für die Christkindlmärkte in der Region. In Wolfratshausen werden die Sicherheitsmaßnahmen durch Lkw-Sperren erhöht.

Bad Tölz-Wolfratshausen –Mit einem gestohlenen Sattelschlepper raste am 19. Dezember vergangenen Jahres gegen 20 Uhr der islamistische Attentäter Anis Amri durch die Budengasse an der Kaiser-Wilhelm-Gedächtniskirche in Berlin. Der Weihnachtsmarkt auf dem Breitscheidplatz im Bezirk Charlottenburg war zu diesem Zeitpunkt gut besucht. Durch den Zusammenprall mit dem Lkw starben elf Menschen, mehr als 50 wurden zum Teil schwer verletzt. Dem 24 Jahre alten Attentäter gelang zunächst die Flucht – am 23. Dezember wurde der Tunesier bei einer Routinekontrolle im italienischen Sesto San Giovanni von einer Polizeistreife erschossen.

Nach der furchtbaren Bluttat in Berlin wurden die Sicherheitskonzepte in allen großen und kleinen Städten in Deutschland erneut auf den Prüfstand gestellt. Auch in Wolfratshausen. „Das heißt nicht, dass der Terror in unserer Stadt angekommen ist“, betont Bürgermeister Klaus Heilinglechner in einem Gespräch mit unserer Zeitung. „Aber man kann nicht sagen, dass ein solcher Anschlag in Wolfratshausen nicht passieren kann.“

Auch nicht-unformierte Kräfte werden unterwegs sein

Bereits vor einigen Wochen hat der Rathauschef mit Blick auf den Christkindlmarkt am ersten Dezember-Wochenende Gespräche mit der örtlichen Polizei geführt. Allen sei die besondere Lage des beliebten Christkindlmarktes in der Wolfratshauser Altstadt wohl bewusst, so der Bürgermeister. Die Holzbuden stehen wie an einer Perlenschnur aufgereiht zwischen Reiser- und Schwankl-Eck auf der Marktstraße. Bislang wurden Kraftfahrer durch Absperrbaken daran gehindert, durch die Budengasse zu fahren. Heuer, das kündigt Heilinglechner an, erhöht die Stadt die Sicherheitsmaßnahmen.

Am Reiser- und am Schwankl-Eck war zunächst vorgesehen, die Zufahrten mit tonnenschweren Feuerwehrfahrzeugen zu blockieren. „Das kommt aufgrund der Brandwache, die die Feuerwehr zu leisten hat, aber nicht infrage“, berichtet Wolfratshausens Polizeichef Andreas Czerweny. Am Prinzip werde sich jedoch nichts ändern: Am Schwankl-Eck wird ein Fahrzeug des BRK postiert – und „ein passendes Fahrzeug“ am Reiser-Eck, kündigt Czerweny an. „Wir machen aus der Marktstraße aber nicht Fort Knox“, betont der Erste Hauptkommissar. Die Polizei werde beim Christkindlmarkt vom 1. bis 3. Dezember „immer sichtbar“ sein, sagt Czerweny. Und „ein pfiffiger Dienststellenleiter“ werde darüber hinaus voraussichtlich auch nicht-uniformierte Kräfte einsetzen.

Hundertprozentige Sicherheit gibt es nicht

Das Polizeipräsidium Rosenheim hatte 2016 bereits unmittelbar nach dem Terroranschlag in Berlin reagiert. Die Präsenz der uniformierten Beamten wurde auf dem Christkindlmarkt in Bad Tölz und in anderen Orten erhöht, stichprobenhaft führte die Polizei Taschenkontrollen durch. Es gebe keine konkrete Gefährdungslage, betonte Polizeisprecher Andreas Guske, es handle sich lediglich um Präventivmaßnahmen. Grundsätzlich schärfte Guske den Bürgern noch einmal ein: Wem etwas Verdächtiges auffällt, sollte den Notruf 110 wählen.

In der Tölzer Marktstraße dienen oben und unten die fest installierten rot-weißen Pfosten als Absperrung für den Verkehr. „Und die Gassen sind für größere Fahrzeuge ohnehin zu eng“, sagt Susanne Frey-Allgaier. Die stellvertretende Kurdirektorin und Hauptorganisatorin des Tölzer Christkindlmarktes, der am kommenden Freitag beginnt und am 23. Dezember endet, spricht von einer Gratwanderung: Man bemühe sich sehr um die Sicherheit der Besucher, „aber wir können unser Leben nicht komplett verbarrikadieren. Eine hundertprozentige Sicherheit gibt es nie.“

Vereinzelte Taschenkontrollen könne es auch heuer geben, kündigt der Tölzer Vize-Polizeichef Andreas Rohrhofer an. Auch wenn die Absprache mit Vertretern der Kreisstadt noch aussteht, ist Rohrhofer sicher: „Dauerhaft werden keine gepanzerten Beamten mit dem Maschinengewehr in der Marktstraße stehen.“ Solche „schwerbewaffneten Ritter“ würden zwar manchen ein Sicherheitsgefühl schenken, „andere beunruhigen sie aber auch“, so Rohrhofer.

Emanuel Luferseder, stellvertretender Leiter der Polizeiinspektion Geretsried, sieht’s ähnlich wie sein Kollege Rohrdorfer: „Eine hundertprozentige Sicherheit gibt es nicht.“ Dem berühmt-berüchtigten Einzeltäter würden die Sicherheitsbehörden leider häufig machtlos gegenüberstehen. „Wir sind da“, betont Luferseder mit Blick auf den zweitägigen Christkindlmarkt (9./10. Dezember) in Geretsried. Für mögliche Personen- oder Taschenkontrollen bittet der Beamte um Verständnis. Ein „spezielles Konzept“ sei für das Wochenende nicht entwickelt worden, so Luferseder. Die Polizei sei grundsätzlich auch nur beratend tätig, federführend sei das Ordnungsamt der Stadt. Sollte es bis zum Christkindlmarkt „zu einer Veränderung der Sicherheitslage kommen“, werde man „natürlich umgehend auf die neue Situation reagieren“.

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