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Der Christkindlmarkt in Wolfratshausen muss heuer ohne Baum auskommen.

Kommentar zum Christkindlmarkt ohne Christbaum

Verdirbt ein Fest ohne Christbaum Weihnachten?

Wolfratshausen - „Kein Baum: Ja gibt’s denn so etwas?“ Das fragt der evangelische Pastor Andreas Müller in unserer wöchentlichen Kolumne. Er meint den Wolfratshauser Christkindlmarkt.

Kein Baum: Ja gibt’s denn so etwas? Wie soll ein Christkindlmarkt ohne Baum stattfinden? Das geht doch gar nicht! Das Entsetzen ist groß. Die Aufregung in den sozialen Medien entspricht dem Zeitgeist – von ignorant über verständnisvoll bis unverschämt und hasserfüllt ist alles dabei. Nun also ein Christkindlmarkt in Wolfratshausen ohne Baum – dafür mit Sternen in den Platanen und Adventskranz am Brunnen. Los geht’s: Schlendern und schnabulieren, ratschen und rasten, schauen und kaufen. Alle sind eingeladen. Wir sehen uns an diesem Wochenende am Markt in Wolfratshausen.

Doch der fehlende Baum und die Aufregung darüber haben mich zum Nachdenken gebracht: Was läuft falsch mit Weihnachten? Wenn die weihnachtliche Stimmung an einem Baum hängt, wenn das Fest verdorben scheint, weil der Baum fehlt – dann stimmt da irgendetwas nicht mit unserer Auffassung von diesem Fest. Weihnachten – konsumtauglich und stimmungs-gesättigt? Da läuft etwas falsch.

Andreas Müller,  Evangelischer Pastor in Wolfratshausen

Beim ersten Weihnachten – vor über 2000 Jahren – gab es keinen Baum, keine Plätzchen, keine Geschenke (okay, die kamen später von den Weisen aus dem Morgenland), keinen Glühwein, keinen Schnee und keine musikalische Dauerberieselung. Es gab ein verzweifeltes Paar, das keinen Platz zum Übernachten fand. Es gab einen Stall, der wirklich nach Stall gestunken hat. Es gab eine Geburt ohne Hebamme und Kreißsaal. Und es gab ein Kind, in eine Windel gewickelt und im Futtertrog abgelegt. Von diesem Kind heißt es in Johannes 1,11: „Er kam in sein Eigentum, und die Seinen nahmen ihn nicht auf.“
 
Wissen Sie, das eigentlich Bestürzende ist nicht, dass in Wolfratshausen ein Christkindlmarkt ohne Christbaum stattfindet. Das eigentlich Bestürzende ist, dass wir vielfach das Christfest feiern und Christus dabei vergessen. Wir drehen uns um den Schmuck, die Tradition, die Musik, die Stimmung und die Geschenke und vergessen dabei das größte Geschenk, das Gott dieser Welt gemacht hat: Seinen Sohn Jesus. Gott kommt uns besuchen an jedem Weihnachten. Er wird einer von uns. Weihnachten heißt: Gott ist da. Egal, was gerade los ist – Gott ist da! Vielleicht kann der fehlende Baum uns daran erinnern: An Weihnachten geht es um Gott, der uns in dem Kind in der Krippe besucht.

In diesem Sinn wünsche ich allen Leserinnen und Lesern eine frohe Adventszeit! Und wenn Sie es mit Baum wollen, ganz schön, ganz handwerklich und heimelig mit lebender Krippe – in Waldram ist in einer Woche Adventsmarkt.

von Andreas Müller
Die Kolumne „Gott und die Welt“ scheint jeden Freitag im Isar-Loisachboten/Geretsrieder Merkur

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