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Ein bisschen Wehmut schwingt mit, wenn sich Radsport-Ass Claudia Lichtenberg am 30. Juni auf die erste Etappe des Giro d’Italia der Frauen begibt: Zum Ende der Saison wird die Wolfratshauserin ihre Karriere beenden. 

Radsportlerin im Interview

Claudia Lichtenberg fährt letzten Giro Rosa: „Nicht an den Abschied denken“

Radsportlerin Claudia Lichtenberg bricht zu ihrem letzten großen Rennen, dem Giro Rosa, auf, bevor die Wolfratshauserin ihre Karriere beendet. Vorher haben wir mit ihr gesprochen.

Wolfratshausen Der Giro Rosa, wie die Italien-Rundfahrt der Frauen im Original heißt, hat Claudia Lichtenberg Zeit ihrer Karriere begleitet. Seit ihrem Profidebüt 2006 bestritt die 31-Jährige aus Wolfratshausen das größte Etappenrennen bereits zehnmal – zweimal schaffte sie es auf das Podium in der Gesamtwertung, im Jahr 2009 gelang ihr mit dem Gewinn des rosa Trikots der Siegerin der größte Erfolg ihrer langen Karriere.

Nachdem Lichtenberg zu Saisonbeginn bereits angekündigt hatte, ihre Laufbahn Ende dieses Jahres zu beenden, wird der am 30. Juni beginnende Giro nun ihr letzter großer Auftritt bei ihrem Lieblingsrennen sein. Unser Mitarbeiter Werner Müller-Schell sprach mit Wolfratshausens mehrfacher „Sportlerin des Jahres“ über ihre Erwartungen auf dem Stiefel, ihre bisherigen Saisonleistungen und den Druck, beim Abschied unter besonderer Beobachtung zu stehen.

Frau Lichtenberg, Anfang des Jahres sind Sie zum britischen Team „Wiggle-High 5“ gewechselt. Welches Fazit ziehen Sie über Ihr bisheriges Jahr?

Ich muss zugeben, dass es bis jetzt nicht meine beste Saison war, aber es war auch nicht meine schlechteste. Ich bin im Großen und Ganzen auf dem Niveau der vergangenen Jahre gefahren.

Das ganz große Ergebnis fehlt bisher …

Ich glaube schon, dass andere Fahrerinnen einfach besser waren. Es gibt aber auch viele kleinere Dinge, die nicht perfekt gelaufen sind. Dazu kam auch die Teamtaktik. Wir haben viele sehr gute Fahrerinnen, weshalb ich nicht immer Kapitän war wie etwa in den letzten Jahren.

Was bedeutet das nun für den bevorstehenden Giro d’Italia der Frauen?

Ich will wie in den Vorjahren wieder um das Podium mitfahren. Ich weiß aber auch, dass das nicht einfacher geworden ist. Die Konkurrenz im Frauenradsport wird immer stärker, und viele junge Fahrerinnen drängen mittlerweile nach.

Sie haben bereits Ihr starkes Team angesprochen. Mit Giorgia Bronzini und Elisa Longo-Borghini gibt es zwei absolute Weltklasse-Fahrerinnen, die bei ihrem Heimrennen sicherlich auch vorne landen wollen?

Da muss man tatsächlich sehen, was teamintern passiert. Mir selbst würde es auch viel bedeuten, zum Beispiel zusammen mit Elisa zu fahren und ihr zum Sieg verhelfen. Unsere starke Mannschaft wird uns aber auch taktische Möglichkeiten eröffnen, die ich so in den vergangenen Jahren nicht hatte, da wir die anderen Teams besser unter Druck setzen können.

Wie beurteilen Sie die Strecke des diesjährigen Giro?

Im Vergleich zu den Vorjahren gibt es diesmal keine ausgewiesene Königsetappe, was das Rennen zu einem sehr taktischen machen wird. Das spielt unserer starken Mannschaft sicherlich in die Karten, bedeutet aber auch, dass wir von Beginn an sehr viel Verantwortung im Rennen tragen werden und viel Führungsarbeit leisten müssen.

Wie haben Sie sich konkret auf den Giro vorbereitet?

Ich war in den vergangenen Wochen zuhause, zuvor ging es aber auch ins Höhentrainingslager nach Italien. Zudem habe mir Ende April die letzten vier Etappen rund um Neapel vor Ort angeschaut – unter anderem die letzte hinauf auf den Vesuv.

Im Winter haben Sie Ihr Karriereende für Ende diesen Jahres angekündigt. Bleibt es dabei?

Ja, definitiv. Der diesjährige Giro wird mein letzter sein, ich werde die Saison danach aber noch fertigfahren.

Der Giro hat Sie Ihre ganze Laufbahn über begleitet. 2009 haben Sie dieses Rennen gewonnen. Welche Gefühle begleiten Sie nun bei der Abschiedsvorstellung?

Ich hoffe ehrlich gesagt, dass ich das ein bisschen ausblenden kann. Denn ich weiß nicht, ob das einem ein positives Gefühl gibt oder ob es zu viele Emotionen sind. Der Giro ist nach wie vor das größte Rennen im Frauenradsport und auch das schönste. Ich möchte einfach am Start stehen und Rennen fahren.

Die Etappen des Giro Rosa 2017

30. Juni / 1. Etappe: Aquileia - Grado (11.5 km, (Mannschaftszeitfahren). 1. Juli / 2. Etappe:Zoppola - Montereale Valcellina (122,25 km). 2. Juli / 3. Etappe: San Fior - San Vendemiano (100 km). 3. Juli / 4. Etappe: Occhiobello - Occhiobello (118 km). 4. Juli / 5. Etappe: Sant’Elpidio a Mare - Sant’Elpidio a Mare (12,73 km, Einzelzeitfahren). 5. Juli / 6. Etappe: Roseto Degli Abruzzi - Roseto Degli Abruzzi (116,16 km). 6. Juli / 7. Etappe:Isernia - Baronissi (141,98 km).7. Juli / 8. Etappe:Baronissi - Palinuro (141,8 km). 8. Juli / 9. Etappe:Palinuro - Polla (122,3 km). 9. Juli / 10. Etappe:Torre Del Greco - Torre Del Greco (124 km).

wms

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