Eine Frau vor einem Schaufenster.
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Im Schaufenster auswählen, per Telefon bestellen und abholen: Die Wolfratshauser Geschäftsfrau Ines Boodevaar ist froh, dass in Bayern das „Click & Collect“-Prinzip nun erlaubt ist.

„Macht die Sache ein bisschen leichter“

„Click&Collect“ in Bayern: Viele Einzelhändler erleichtert - „Gott sei Dank haben sie es kapiert“

  • vonRudi Stallein
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Per Telefon oder online Waren bestellen und am Geschäft abholen: Das „Click & Collect“-Prinzip ist jetzt in Bayern erlaubt. Das Gros der Einzelhändler freut‘s.

  • Der Corona-Lockdown geht in Bayern zwar in die Verlängerung, doch im Einzelhandel ist jetzt das „Click&Collect“-Prinzip erlaubt.
  • Ein Sportgeschäft wird seine Kunden künftig per WhatsApp-oder Skype-Anruf durch den Laden führen.
  • Wenig Sinn macht „Click&Collect“ hingegen bei einem Trachtengeschäft. Wegen fehlender Feste gibt es bei Trachten Fröstl kaum Nachfragen.
  • Alles aus der Region gibt‘s im Wolfratshausen-Geretsried-Newsletter.

Bad Tölz-Wolfratshausen – Erleichterung beim Einzelhandel: Das „Click & Collect“-Prinzip – das heißt die Abholung vorbestellter Waren im jeweiligen Geschäft – ist ab sofort auch in Bayern möglich. Das weckt bei vielen Geschäftsleuten in der Region Zuversicht – und beflügelt bei einigen die Kreativität.

Corona-Lockdown in Wolfratshausen: „Click&Collect“-Prinzip weckt bei Geschäftsleuten Zuversicht

„Gott sei Dank haben sie es endlich kapiert, unsere Herren Politiker“, zeigt sich Ines Boodevaar erfreut über den Sinneswandel in der bayerischen Staatsregierung. Der Lockdown sei für den Handel „schlicht und ergreifend eine Katastrophe“. In Ermangelung eines Online-Shops präsentiert Boodevaar ihre Winterkollektion in den Schaufenstern in der Wolfratshauser Altstadt zu Schlussverkaufspreisen.

Bestellt werden kann dann mit Artikel und Größenangaben telefonisch. „Die Leute wollen ja sehen, was sie kaufen. Das Schaufenster bietet sich dafür an“, erklärt die Geschäftsfrau, die zu der Aktion motiviert worden ist, weil in diesen Tagen „erstaunlich viele Leute im Markt unterwegs sind“.

Wegen Corona-Lockdown: Viele Einzelhändler „in existenzgefährdenden Situation“ - „Click&Collect“ kann helfen

Als „eine große Erleichterung“ empfindet Christian Wiedemann die Abholmöglichkeit. „Es ist sicher aktuell eine Hilfe, aber am meisten hätte es uns natürlich vor Weihnachten geholfen“, betont der Geschäftsführer der Parfümerie Wiedemann. Seit November verkauft das Unternehmen mit Sitz in Bad Tölz seine Produkte auch online. Ein Großteil der 170 Mitarbeiter sei derzeit in Kurzarbeit, ab diesem Montag sind aber 19 von 23 Filialen, darunter die am Wolfratshauser Obermarkt, wieder von 10 bis 16 Uhr mit einer Person besetzt.

Nach telefonischer Bestellung können Kunden ihre Waren abholen. „Ob der Lockdown in dieser Form sein muss, maße ich mir nicht an, zu beurteilen“, sagt Wiedemann. „Aber er bringt viele Einzelhändler in eine existenzgefährdende Situation. Ich glaube, dass die Leerstände in unseren Städten zunehmen werden.“

„Click&Collect“ für Unternehmer „eine große Erleichterung“ - Kunden bestellen Waren am Telefon

Weiterhin verschlossen bleiben die Türen des Isar-Kaufhauses in Geretsried. „Wenn jemand ein sehr gutes Online-Angebot hat, macht ,Click & Collect‘ Sinn“, meint Inhaber Frederik Holthaus. „Aber wir haben keinen Online-Shop, deshalb macht es für uns keinen Sinn.“ Wenngleich die Situation derzeit „wirtschaftlich sehr, sehr schwierig“ sei.

Ich bin sehr optimistisch, dass es im Sommer aufwärts geht und wir mit dem Kaufhaus schnell wieder Fuß fassen.“

Frederik Holthaus, Inhaber des Isar-Kaufhauses in Geretsried

Seit 2017 befindet sich vor dem Isar-Kaufhaus eine Großbaustelle, Mitte Dezember erfolgte der zweite Lockdown. Die massiven Einschränkungen seien „für den Einzelhandel ein riesiger wirtschaftlicher Schaden. Aber bei 1000 Toten pro Tag haben die Politiker keine andere Wahl“, zeigt Holthaus Verständnis für die Maßnahmen. Er blickt zuversichtlich in die Zukunft: „Ich bin sehr optimistisch, dass es im Sommer aufwärts geht und wir mit dem Kaufhaus schnell wieder Fuß fassen.“

Auf der anderen Seite der Baustelle in Geretsried herrscht derweil geschäftiges Treiben. „Wir haben alle Kanäle am Laufen“, sagt Rudi Utzinger vom gleichnamigen Intersport-Fachgeschäft. Per WhatsApp- oder Skype-Anrufen werden „Kunden durch den Laden geführt“, seit das Geschäft schließen musste.

„Click&Collect“ in Geretsried: Kunden werden per WhatsApp-oder Skype-Anruf durchs Geschäft geführt

Bisher wurden die Bestellungen den Kunden vor die Haustür geliefert. „Das bieten wir auch weiterhin an. Die Abholung gibt’s on top“, erklärt Utzinger, der die Lockerung positiv sieht. „Jeder Schritt, den Handel und Kunden aufeinander zu machen, macht Sinn. Ich finde es auf alle Fälle gut, das bietet eine zusätzliche Möglichkeit.“

Auch beim Isartaler Elektromarkt in Geretsried freut man sich über einen zusätzlichen Vertriebsweg neben dem bisherigen Lieferservice. „Ich bin sehr froh, dass das jetzt möglich ist“, sagt Marktleiter Sascha Unger. „Das macht die Sache ein bisschen leichter.“ Seine Auswahl treffen kann der Kunde im Online-Shop.

„Click&Collect“ in Bayern: Kunden bekommen in Elektromarkt Zeitfenster zugeteilt, um Waren abzuholen

Außerdem stehen Mitarbeiter für telefonische Beratung zur Verfügung, versichert Unger. Jeder Kunde bekomme ein Zeitfenster zugeteilt, in dem er seine Bestellung abholen könne. Weitere Details zum Ablauf waren noch unklar, weil es bis Samstagabend noch keine konkreten Anweisungen von der Staatsregierung gab.

Deshalb hielten sich auch die Buchhändler bei unserer Recherche bedeckt. „Wir werden Abholung wohl anbieten. Aber wie es genau abläuft, hängt von den Beschlüssen des Landtags ab“, so Anne Hofbauer von der Wolfratshauser Buchhandlung Rupprecht. Beibehalten werden soll der Buchversand per Post.

„Click&Collect“ bei Trachtengeschäft sinnlos - so gut wie keine Nachfrage

Gleiches gilt für die Buchhandlung Osiander in Geretsried. In welcher Form „Click & Collect“ angeboten werde, „regelt jede Filiale individuell“, erläuterte eine Mitarbeiterin im Kundencenter der Tübinger Buchhandlung, zu der die ehemalige Geretsrieder Buchhandlung Ulbrich inzwischen gehört.

Keinen Sinn mache so eine Aktion für sein Geschäft, sagt Peter Fröstl vom Eglinger Fachgeschäft Trachten Fröstl. „Für die meisten Menschen ist die Tracht das gute Gwand, das man zu Festen anzieht. Aber es gibt ja keine Feste“, so Fröstl. Ergo gebe es auch so gut wie keine Nachfrage. „Für uns ist gescheiter, das Geschäft bleibt zu.“ Ausnahme: Bestellte Waren können nach telefonischer Vereinbarung abgeholt werden.

„Click & Collect“: Einzelhändler in der Region Wolfratshausen/Geretsried, die den Service „Click & Collect“ anbieten, können sich bei unserer Redaktion per E-Mail (redaktion@isar-loisachbote.de) oder per Telefon (0 81 71/26 92 32) melden. Die Hinweise werden dann täglich in unserer Printausgabe veröffentlicht.

Krankenschwester Melanie Dörr aus Icking hat sich am 1. Januar gegen Corona impfen lassen. Auch wegen eines Kollegen, der bis heute an den Langzeitfolgen leidet.

(rst)

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