Ein Schild mit dem Schriftzug „geschlossen“
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Inzidenz über 150: Das bedeutet, dass nur noch wenige Läden und nur unter bestimmten Voraussetzungen Kunden empfangen dürfen

Des einen Freud, des anderen Leid

Notbremse und Inzidenz: Welche Corona-Regeln jetzt für den Handel gelten

  • Sabine Hermsdorf-Hiss
    vonSabine Hermsdorf-Hiss
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  • Dominik Stallein
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Ab Freitag gelten im Landkreis Bad Tölz-Wolfratshausen strengere Corona-Regeln. Es gibt viele Verlierer – aber auch Nutznießer. Wir haben uns bei Branchenvertretern umgehört.

Einzelhandel

Ihre Türen wieder schließen muss Beate Morbach, die in der Wolfratshauser Innenstadt in ihrem Geschäft max.Leben sowohl Textilien als auch Einrichtungs- und Dekogegenstände verkauft. Sie darf keine Kunden mehr im Laden empfangen, „es bleibt uns leider nichts anderes übrig, als wieder auf Click & Collect umzustellen“, so die 53-Jährige. Wegen der Sieben-Tage-Inzidenz, die stabil über 150 liegt, gilt diese Regelung für Bekleidungsgeschäfte. Mittlerweile informiert sich Morbach zweimal täglich im Internet, was erlaubt ist und was nicht, „um schnell und richtig reagieren zu können“. Auch wenn sie ab Freitag wieder auf größeren Abstand gehen muss: „Wir bleiben präsent – und freuen uns, wenn wir unseren Kunden zumindest die bestellten Sachen vor der Türe aushändigen dürfen.“

„Wir bleiben präsent“, der Laden bleibt aber zu: Beate Morbach vom max.Leben

Sporthandel

Bis Freitag kann man im Sportgeschäft noch vor Ort einkaufen – mit Termin und Schnelltest. Ab Freitag geht das nicht mehr: „Wir müssen den Laden wieder zusperren“, sagt Joachim Wöhrle von der Laufwerkstatt in Bad Tölz. Kunden können nur noch über Anruf oder E-Mail Schuhe und Bekleidung bestellen und diese am Laden abholen. „In meinen Augen macht das für unsere Branche wenig Sinn. Wer neue Laufschuhe kaufen möchte, der will sie davor auch anprobieren und sich das perfekte Modell aussuchen“, sagt der Sportgeschäft-Inhaber.

Friseure

Für einen Haarschnitt ist jetzt der optimale Zeitpunkt. Das verrät Rosi Abeltshauser vom Bad Heilbrunner Salon „Schnitt im Trend“. Nach der wochenlangen Schließung „gab es einen ziemlichen Zulauf“. Der sei aber ähnlich rasch wieder abgeflaut. „Im Moment ist es schon sehr, sehr ruhig im Salon“, sagt Abeltshauser. Wer eine neue Frisur möchte, muss einen Termin vereinbaren, FFP2-Maske tragen und neuerdings auch einen negativen Test vorlegen. „Den kann man im Testzentrum machen“, erklärt die Friseurmeisterin, „wir haben in Bayern aber auch die Möglichkeit, diesen Test im Laden vorzunehmen.“ Einige Kunden seien ob der neuen Spielregeln skeptisch: „Als die Testpflicht eingeführt wurde, haben ein paar Kunden ihre Termine abgesagt.“

Kosmetik & Pflege

Im Bereich Körperpflege gelten unterschiedliche Regeln: „Nagelpflege und kosmetische Behandlungen dürfen wir im Moment nicht anbieten“, sagt Georgia Papazilaki. Die Betreiberin des „All about beauty“-Studios in Geretsried kann ihren Salon trotzdem öffnen – Fußpflege und Haarschnitte sind nämlich weiterhin erlaubt. Im Laden gilt Maskenpflicht, Kunden müssen einen Termin vereinbaren sowie ein negatives Schnelltest-Ergebnis vorweisen können.

Buchhandlungen

Buchhandlungen genießen seit einigen Tagen einen Sonderstatus. „Man braucht keinen Termin und kein Testergebnis, um bei uns einzukaufen“, sagt Melanie Kallweit. Es gelten – weil der Buchhandel als „Geschäft des täglichen Bedarfs“ eingestuft wurde – dieselben Regeln wie beispielsweise im Supermarkt. Die Filialleiterin bei Rupprecht in Bad Tölz bietet dennoch für vorsichtige Kunden einen Click & Collect-Service an: „Wer das lieber möchte, kann bei uns anrufen, die Bücher bestellen und wir bringen sie zum vereinbarten Termin vor die Ladentür.“ Selbiges Angebot gibt es auch in der Filiale am Obermarkt in Wolfratshausen. Die Regelungen für den Buchhandel sind unabhängig von der Sieben-Tage-Inzidenz.

Franziska Strobl, Inhaberin des Blumenladens „Stroblume“ in Geretsried

Blumenladen

Franziska Strobl, Inhaberin des Blumenladens „Stroblume“ in Geretsried, ist die Freude über die neuen Regelungen direkt anzuhören. Blumengeschäfte dürfen seit Mittwoch uneingeschränkt – also ohne vorherige Terminvereinbarung und Testpflicht – Kunden empfangen. „Für uns ist es eine Erleichterung“, sagt Strobl. Durch das Hin und Her der staatlichen Anordnungen in den vergangenen Wochen „kommen viele nicht hinterher, sich selbst zu informieren, weil gefühlt jede Woche etwas anderes gilt“, so die Floristikmeisterin im Gespräch mit unserer Zeitung. „Uns hat es wehgetan, wenn die Leute vor der Tür standen, wir sie aber wieder wegschicken mussten, weil sie nichts vorbestellt oder keinen Termin vereinbart hatten.“ Diese Szenen gehören im Blumenhandel aber vorerst der Vergangenheit an.  dst/sh

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