Ein Mann auf einem Dach.
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Ein Blick vom Dach des Merkur-Gebäudes an der Pfaffenrieder Straße über das Gewerbegebiet in Richtung Bergwald. Bei einem Redaktionsbesuch erläuterte Wirtschaftsreferent Helmut Forster (73) seinen Vorschlag.

Helmut Forster: „Solidarität leben“

Corona-Folgen: Wolfratshauser Wirtschaftsreferent schlägt Hilfsfonds vor

  • Carl-Christian Eick
    vonCarl-Christian Eick
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Der Wolfratshauser Wirtschaftsreferent schlägt die Gründung eines Corona-Hilfsfonds vor. Zugute kommen soll das Geld unter anderem Gewerbetreibenden, die besonders von den Folgen der Pandemie betroffen sind.

Wolfratshausen – Kurzarbeit, Umsatzausfall wegen staatlich angeordneter Geschäftsschließung, kaum finanzielle Hilfen für Kulturschaffende: Die wirtschaftlichen Folgen der Corona-Pandemie treffen viele Menschen hart. Doch eine Krise bringt neben Verlierern auch Gewinner hervor. An Letztere appelliert jetzt Helmut Forster (Liste WOR), Ex-Bürgermeister und langjähriger Wirtschaftsreferent des Stadtrats. Unternehmen, die von der Pandemie profitierten, „sollten sich solidarisch zeigen“. Das heißt konkret: Über die Gewerbesteuer hinaus freiwillig einen Betrag in einen noch zu gründenden Hilfsfonds einzahlen. „Man darf nicht nur von Solidarität reden, sondern muss sie auch leben“, so der 73-Jährige.

Einige Unternehmen haben von der Pandemie profitiert

Laut Rathauschef Klaus Heilinglechner (BVW) ist Wolfratshausen bis dato mit einem blauen Auge davon gekommen, doch gänzlich ungeschoren blieb die Loisachstadt nicht. Zehn Millionen Euro Gewerbesteuer gab’s im vergangenen Jahr, heuer rechnet Stadtkämmerer Peter Schöfmann mit nur 8,5 Millionen Euro. Auch die Einkommensteuer, von der die Kommune einen Anteil erhält, fließt spärlicher als 2020. Nicht zu vergessen: Bürgermeister Heilinglechner fürchtet, dass die Pandemie „Spätfolgen“ haben wird. Er erinnert in diesem Zusammenhang an die Terroranschläge vom 11. September 2001 in Amerika und die Pleite der US-Investmentbank Lehmann Brothers im September 2008. Noch jeweils ein, zwei Jahre danach habe die Weltwirtschaft die Ausläufer gespürt.

Ich bitte einfach nur jeden darüber nachzudenken, ob er nicht in der Lage ist, in dieser außergewöhnlichen Situation denjenigen zu unterstützen, der quasi unverschuldet in große Not geraten ist.“

Helmut Forster, Wirtschaftsreferent des Wolfratshauser Stadtrats

Forster, seit 2014 Wirtschaftsreferent des Stadtrats, ist bewusst, dass der eine oder andere Unternehmer mit Sorgen in die Zukunft blickt. Doch er weiß auch, dass einige Auftragsbücher randvoll sind und sehr kräftig Umsatz generiert wird. In einigen Branchen lässt sich das mittelbar auf die Corona-Pandemie zurückführen. Sein Vorschlag: Die Stadt legt einen Sondertopf an, „in den der Starke freiwillig einzahlt“ – und mit dem Geld werden zweckgebunden („nach objektiver Prüfung des Falls“) gezielt die unterstützt, die aufgrund der Pandemie „schwer gebeutelt sind“.

Forster räumt ein, dass das Anlegen des besagten Corona-Fonds nicht zuletzt aus steuerrechtlicher Sicht kein Kinderspiel wird. Doch wenn die Wirtschaft „ein positives Signal setzen will“, dürfe das Vorhaben nicht scheitern, „nur weil damit Arbeit verbunden ist“. Die Kommune könne mutmaßlich vom Fachwissen des Bayerischen Gemeindetags partizipieren.

Wirtschaftsreferent Forster will nicht missverstanden werden

Die, die trotz oder gerade wegen der Corona-Krise auf Erfolgskurs sind, bittet der Wirtschaftsreferent um „das Bekenntnis, um das klare Zeichen, dass man zusammenhalten muss“, so Forster im Gespräch mit unserer Zeitung. Er stehe persönlich jederzeit für Gespräche zur Verfügung – und wolle sobald es die Hygieneschutzbestimmungen zulassen mit Stadtmanager Dr. Stefan Werner zu einem runden Tisch einladen, um die Details zu erörtern. Vorausgesetzt, dass in Frage kommende Unternehmer zeitnah erklären: Ja, ich trage meinen Teil zur Solidaritätsaktion bei. Forster will nicht missverstanden werden. „Ich möchte, dass unsere hier ansässigen Firmen gutes Geld verdienen“ und es liege ihm fern, die Pandemie-Profiteure an den Pranger zu stellen oder sie zu einer zusätzlichen Abgabe zu zwingen. „Ich bitte einfach nur jeden darüber nachzudenken, ob er nicht in der Lage ist, in dieser außergewöhnlichen Situation denjenigen zu unterstützen, der quasi unverschuldet in große Not geraten ist.“ Der 73-Jährige verweist in diesem Zusammenhang lobend auf Firmen und Privatpersonen, die sich bereits in den vergangenen Monaten zum Wohl der Allgemeinheit engagiert haben. Als Beispiel nennt er er die Spender von Schutzmasken und Tausenden Litern Desinfektionsmittel sowie die Vermieter von Gewerbeobjekten, von denen der eine oder andere seinen unter Druck geratenen Mietern großzügig entgegengekommen sei.

Forster stimmen diese Erfahrungen zuversichtlich: „Ich gehe davon aus, dass so etwas klappen kann“, meint er mit Blick auf seine Hilfsfonds-Idee. Es wäre nicht das erste Mal, dass Wolfratshausen zeigen könne, „dass wir hier zusammenstehen“.

Kontakt: Der Wirtschaftsreferent des Stadtrats, Helmut Forster, ist per E-Mail erreichbar unter helmut.forster@wolfratshausen.de.

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