Ein Golfspieler
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Dr. Josef Hingerl (72), Geschäftsführer und Präsident des Golfclubs Bergkramerhof in Wolfratshausen, bekam am Dienstag laut Landratsamt zwei Bußgeldbescheide ausgehändigt.

Anlage Bergkramerhof in Wolfratshausen

Trotz Lockdown-Verbot geöffnet: Landratsamt verhängt saftige Geldbuße - Golfplatz-Betreiber bleibt stur

  • Carl-Christian Eick
    vonCarl-Christian Eick
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Trotz Verbot aufgrund der Corona-Pandemie öffnete der Geschäftsführer den Golfplatz in Wolfratshausen. Die Quittung dafür hält er jetzt in seinen Händen.

Update vom 4. März 2021: Zweimal beging Dr. Josef Hingerl, Geschäftsführer des Golfclubs Bergkramerhof, nach eigenen Worten einen „formalen Rechtsbruch“. Zweimal öffnete er trotz Verbots die Golfanlage in Wolfratshausen – und das tat der 72-Jährige jeweils bewusst. Denn das Schließungsgebot aufgrund der Corona-Pandemie sei verfassungswidrig, so der Rechtsanwalt. In der Folge stellte ihm das Landratsamt zwei Bußgeldbescheide zu: 5000 sowie 10.000 Euro muss Hingerl bezahlen, wie jetzt bekannt wurde. Wer ihn kennt, der weiß, dass er die 15.000 Euro nicht widerspruchslos an die Kreisbehörde überweisen wird. Für Hingerl sind die Bußgeldbescheide rechtlich nicht haltbar, er hat gegenüber der lokalen Tageszeitung Isar-Loisachboten bereits angekündigt, beim Amtsgericht in Wolfratshausen Einspruch gegen die Bescheide einzulegen. Darüber hinaus habe er bereits per Eilantrag beim bayerischen Verwaltungsgerichtshof darauf gepocht, dass das Golfspielen auf den Plätzen im Freistaat „insbesondere am Bergkramerhof“ wieder zugelassen wird.

Parallel schrieb der 72-Jährige dem Verwaltungsgericht München. Dort habe er per einstweiliger Verfügung beantragt, „dass der Polizei verboten wird, auf dem Bergkramerhof zu erscheinen und Ordnungswidrigkeitenverfahren gegen die Golfer einzuleiten“. Offiziell ist die Anlage seit Sonntag geschlossen. Hingerl selbst stellt zum Status quo fest: Das Gelände stehe „als Teil der freien Natur“ der Allgemeinheit zur Verfügung, sodass Fußgänger, Mountainbiker und Golfer „dort ihre Gesundheit stärken können“. cce

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Originalmeldung vom 2. März 2021

Wolfratshausen/Bad Tölz – Nun ging alles ganz schnell: Nachdem Dr. Josef Hingerl, Geschäftsführer des Golfclubs Bergkramerhof, am Wochenende erneut bewusst gegen die bayerische Infektionsschutzmaßnahmenverordnung verstoßen hat, reagierte das Landratsamt: „Ein Abteilungsleiter des Landratsamtes hat heute gegen Mittag Herrn Dr. Hingerl zwei Bußgeldbescheide ausgehändigt“, berichtete die Sprecherin der Kreisbehörde in Bad Tölz, Sabine Schmid, am Dienstag auf Nachfrage unserer Zeitung.

Corona in Bayern: Golfplatz öffnet trotz Verbot - Bußgeldbescheide vom Landratsamt

Zwei Bußgeldbescheide, weil Hingerl den Golfplatz über den Dächern Wolfratshausens bereits im ersten Lockdown am 4. Mai vergangenen Jahres trotz Verbot geöffnet hatte. Zur Höhe der Bußgelder machte Schmid keine Angaben.

Ich fordere Herrn Söder auf, juristisch mit mir zu fechten. Es geht hier um Grundrechte, die Gesundheit der Bevölkerung in allen Sportbereichen, die Zerstörung unserer Wirtschaft und auch um das gesellschaftliche Wohlbefinden.“

Dr. Josef Hingerl, Geschäftsführer und Präsident des Golfclubs Bergkramerhof

Der 72-jährige promovierte Jurist hält das Schließungsgebot von Golfanlagen wie mehrfach berichtet für verfassungswidrig. In einer „Eilinformation“, die er am Montag verbreitet hatte, forderte Hingerl Bayerns Ministerpräsident Markus Söder auf, „juristisch mit mir zu fechten“. Zuvor habe er die Bitte: „Schicken Sie mir doch endlich die angekündigten Bußgeldbescheide.“ Denn diese, so der Golfclub-Päsident, werde er vor Gericht anfechten.

Golfplatz im Lockdown zweimal geöffnet: Bisher keine Bußgeldbescheide - Betreiber vermutete „Tipp“ von „höherer Stelle“

Bis dato vermutete Hingerl nach eigenen Worten, dass „von höherer Stelle“ dem Landratsamt „der Tipp gegeben wurde, die Bußgeldbescheide doch liegenzulassen“. Jetzt hält er sie in seinen Händen – und wird mit hoher Voraussicht beim Amtsgericht in Wolfratshausen Einspruch dagegen einlegen.

Hingerls Standpunkt: „Der Amtsrichter in Wolfratshausen hat das Problem, dass Ministerpräsident Markus Söder am 5. Mai 2020 um 12.07 Uhr vor laufenden Kameras erklärte, die Einschränkung der Grundrechte sei in dieser Form jetzt nicht mehr gerechtfertigt - und nannte als erste Lockerung das Golf spielen.

Corona in Bayern: Betreiber sieht Schließung von Golfplätzen als verfassungswidrig

Der Richter in Wolfratshausen müsste also zu dem Ergebnis kommen, dass vier Stunden vorher, als mir der Schließungsbescheid zugestellt wurde, die Schließung der Golfplätze noch nicht verfassungswidrig war.“ Eine solche „totale Veränderung“ der Rechtslage innerhalb von vier Stunden wäre nach Meinung des 72-Jährigen „schwer zu begründen“. Hingerls Prognose: Das Amtsgericht komme zu dem Ergebnis, dass die Schließung der Golfanlagen „bereits am 4. Mai 2020 verfassungswidrig war“.

Wegen einem Impfstoffmangel gibt es im Landkreis Bad Tölz-Wolfratshausen 14 Tage lang keine Corona-Erstimpfungen - jetzt äußert sich der Landrat. Er ist von der Politik bitter enttäuscht. Übrigens: Alles aus der Region gibt‘s jetzt auch in unserem neuen, regelmäßigen Wolfratshausen-Geretsried-Newsletter.

(cce)

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