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Corona: Senioren scheitern bei Impftermin-Anmeldung - „Einige weinen aus Verzweiflung“

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Eine Frau impft eine Seniorin gegen Corona
Menschen ab 80 können sich derzeit als erste gegen Corona impfen lassen. Doch die Registrierung stellt viele Senioren vor große Probleme. © Soeren Stache

Die Online-Anmeldung zur Corona-Impfung bereitet vielen Senioren Probleme. Hilfs-Initiativen berichten von einem unerwarteten Ansturm. Die Verzweiflung ist groß.

Bad Tölz-Wolfratshausen – Die Freiwilligen werden von der Flut der Anfragen überschwemmt: Weil die Anmeldung für die Corona-Impftermine viele Senioren vor große Probleme stellt, haben mehrere ehrenamtliche Initiativen im Landkreis ihre Hilfe angeboten. Welcher Ansturm die Vereinsmitglieder in der Folge überrollen wird, war den Freiwilligen im Vorfeld nicht klar.

Bad Tölz-Wolfratshausen: Corona-Impfung stellt Senioren vor große Probleme - Initiativen versuchen zu helfen

„60, 70 Telefonate täglich“ führt Eva-Maria Rühling vom Wolfratshauser Nachbarschaftshilfe-Verein Bürger für Bürger nach eigenen Angaben. Seit dem Wochenende haben sich „Hunderte verzweifelte Menschen bei mir gemeldet“. Ähnliches berichtet Hans Lincke von den Computersenioren Bad Tölz-Wolfratshausen. „Von Samstag bis Montag habe ich 140 Anfragen beantwortet“, sagt der Tölzer im Gespräch mit unserer Zeitung.

Eva-Maria Rühling
von Bürger für Bürger
Eva-Maria Rühling von Bürger für Bürger © Archiv

Corona-Impfung in Bad Tölz-Wolfratshausen: Telefon-Hotlines überlastet - „Programm wahnsinnig fehlerhaft“

Wie berichtet besteht seit einigen Tagen für Senioren ab 80 Jahren die Möglichkeit, sich für Impftermine anzumelden. Das Problem: „Die Telefon-Hotlines sind durchgehend überlastet, und es gibt fast kein Durchkommen“, stellt Rühling fest. „Die Online-Anmeldung ist für viele ältere Menschen ohnehin schon schwierig“, ergänzt Lincke, „zudem ist das Programm wahnsinnig fehlerhaft“. Die Senioren müssten beispielsweise sowohl eine Handy-Nummer als auch eine E-Mail-Adresse angeben – „manche haben weder das eine noch das andere“.

Dazu kommt: Einige bestehende Adressen „werden vom System gar nicht akzeptiert“, hat Lincke beobachtet. Ein Anrufer sei abgewiesen worden, „weil das Programm den Wohnort Greiling nicht angenommen hat“. Die Konsequenz: „Von 20 Versuchen können wir teilweise nur fünf abschließen, weil das Online-Programm nicht funktioniert“. Linckes Fazit: „Die Organisation hat total versagt.“

Hans Lincke
von den Computersenioren
Hans Lincke von den Computersenioren © Archiv

Der Leiter der Computersenioren-Initiative hat inzwischen eine Schritt-für-Schritt-Anleitung für die Online-Anmeldung auf der Internetseite des Vereins eingestellt, „Die Seite wird aber nicht allzu oft aufgerufen“, sagt er. Eva-Maria Rühling hat in Zusammenarbeit mit dem Wolfratshauser Impfzentrum eine andere Möglichkeit gefunden, die Senioren für die Impfung zu registrieren: Rühling fertigt Tag für Tag eine Liste mit allen Anrufern und deren Telefonnummern an.

Lockdown in Bad Tölz-Wolfratshausen: Helfer organisieren Transport-Service für Senioren zum Impftermin

Abends übergibt sie diese an eine Mitarbeiterin des Impfzentrums an der Wolfratshauser Kreisklinik. „Dann werden die Rentner kontaktiert und können einen Termin vereinbaren.“ Eine ähnliche Lösung möchte auch Lincke schaffen: „Ich habe beim Landratsamt nachgefragt, ob man so etwas nicht auch für den Südlandkreis einrichten und mit Mitarbeitern des Landratsamts besetzen kann.“ Bislang sei sein Vorstoß nicht von Erfolg gekrönt gewesen.

Wenn die Registrierung funktioniert hat, ist für einige Senioren nur die erste Hürde auf dem Weg zur Corona-Impfung genommen: „Ältere Menschen, die nicht mobil sind, wissen nicht, wie sie überhaupt zum Impftermin kommen sollen“, berichtet Eva-Maria Rühling weiter. Für Betroffene aus dem Bereich zwischen Geretsried und Icking könne der Verein Bürger für Bürger in Kooperation mit der Deutschen Lebensrettungsgesellschaft (DLRG) einen Transport-Service organisieren. „Wir kriegen aber schon Anfragen vom Walchensee und aus Gaißach – das können wir im Moment nicht leisten.“

Corona-Impfung: „Einige weinen aus Verzweiflung und haben große Sorge, dass sie nicht geimpft werden“

Die Senioren „sind teilweise völlig verzweifelt“, bestätigt Lincke, der im Rahmen seines ehrenamtlichen Telefondienstes nicht bloß bei der Terminvergabe helfen, sondern auch viele Anrufer trösten muss: „Einige weinen aus Verzweiflung und haben die große Sorge, dass sie nicht geimpft werden.“ Rühling und Lincke betonen unisono: „Wir machen diese Arbeit gerne und sind froh, wenn wir helfen können.“ Dass es überhaupt nötig ist, dass sich Ehrenamtliche so engagieren, „ist aber sehr, sehr traurig“, sagt der Tölzer.

Seit 1963 ist die Textilreinigung Sindermann in Wolfratshausen ein fester Begriff. Doch jetzt sind mit der Corona-Pandemie düstere Wolken über dem Familienbetrieb aufgezogen. Auch die Floßsaison 2020 fiel der Corona-Pandemie zum Opfer. Derzeit geht Floßmeister Josef Seitner nicht davon aus, dass heuer am 1. Mai - dem traditionellen Starttermin - ein Holzgefährt ablegen wird.

(Von Dominik Stallein)

Kontakt

Eva-Maria Rühling, Telefonnummer 0 81 71/9 19 34 20
Hans Lincke, Telefonnummer 0 80 41/13 95.

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