Ein Pieks, der Leben retten kann: In einigen Seniorenheimen im Landkreis liegt die Impfquote bei 90 Prozent.
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Ein Pieks, der Leben retten kann: In einigen Seniorenheimen im Landkreis liegt die Impfquote bei 90 Prozent.

Fragen nach der Impfpflicht werden lauter

Nach Corona-Ausbrüchen in Seniorenheimen: Wie hoch ist die Impfquote in der Pflege?

  • VonDominik Stallein
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Corona-Ausbrüche in zwei Seniorenheimen treiben die Inzidenz in die Höhe. Einige Senioren sind an der Erkrankung gestorben. Jetzt stellt sich erneut die Frage nach einer Impfpflicht für Pflege-Berufe.

Bad Tölz-Wolfratshausen – Weil sie zur größten Risikogruppe zählen, wurden sie als erstes geimpft: Senioren, die in Pflegeheimen leben. Viele erhielten bereits im vergangenen Jahr ihre zwei Piekse. Vor wenigen Tagen wurde aber bekannt: In gleich zwei Pflegeheimen im Landkreis – in Bad Tölz und Geretsried – ist das Coronavirus ausgebrochen. Unklar ist, wie das Virus in die Seniorenheime kommen konnte.

Corona-Ausbrüche in Seniorenheimen: So hoch ist die Impfquote in Pflegeberufen

Die Mitarbeiter in den meisten Einrichtungen im Landkreises sind zum Großteil geimpft – es gibt aber auch Ausnahmen. Die AWO betreibt in Wolfratshausen ein Seniorenheim. Probleme mit dem Virus gab es hier nicht – Einrichtungsleiter Frank Hörmann hat eine Vermutung, warum das so ist. „Wir haben eine sehr hohe Impfquote in der Einrichtung“, sagt er. Und das sowohl bei den Bewohnern als auch bei den 80 Mitarbeitern. Von letzteren seien um die 90 Prozent doppelt geimpft. Bei den Bewohnern würde diese Zahl auf einem ähnlich hohen Niveau liegen. Hörmann: „Es gab ein paar Einzelfälle, bei denen die Angehörigen nicht wollten, dass die Bewohner geimpft werden.“ Für sie bietet die Einrichtung regelmäßige Schnelltests an. Für das Personal, das keinen Impfschutz hat, sind zwei Abstriche pro Woche Pflicht.

Impfungen in Pflegeberufen: Landratsamt kennt keine Daten

„In unserem Landkreis besteht für die Beschäftigten dieser Einrichtungen die Möglichkeit, sich kostenlos testen zu lassen“, erklärt Marlies Peischer, Pressesprecherin des Landratsamts. Das sei aber nur im Testzentrum auf der Flinthöhe in Bad Tölz möglich. „Die Beschäftigten benötigen dafür einen Berechtigungsschein der Einrichtung, für die sie arbeiten“, so Peischer. Der Kreisbehörde – sie hat die Aufsicht über die Pflegeheime – liegen keine Daten vor, wie viele Bewohner beziehungsweise Pflegekräfte im Landkreis geimpft sind. Aber Arbeitgeber dürften in einigen Branchen den Impfstatus ihrer Mitarbeiter abfragen – dazu zählen auch Pflegeheime.

Corona in Altenheimen: Die Einrichtungen haben klare Regelungen

Benedikt Prölß, Assistent der Einrichtungs- und Pflegedienstleitung, hat einen guten Überblick über die Lage in den Pflegeheimen in Schlehdorf und Kochel am See. „Es lief ein bisschen unterschiedlich“, sagt er auf Nachfrage. In Schlehdorf gab es vor Monaten einen Corona-Ausbruch. „Die Mitarbeiter und auch die Bewohner sind seither noch vorsichtiger“, sagt er – und bereit, sich gegen das Virus impfen zu lassen. Im Pflegezentrum Rupert Mayer in Kochel lief das etwas schleppender. „Inzwischen sind wir aber hier auch auf einem hohen Niveau. Manche Mitarbeiter, die am Anfang skeptisch waren, haben sich jetzt auch impfen lassen, weil sie gesehen haben, dass es keine schweren Nebenwirkungen bei den Kollegen oder Bewohnern gab“, sagt Prölß. In den beiden Einrichtungen gebe es hausinterne Regeln, um dem Virus einen Riegel vorzuschieben. Ein Beispiel: „Wer aus dem Urlaub zurückkommt, muss sich dreimal testen lassen.“ Die meisten Kollegen würden das aber ohnehin von selber tun. „Sie gehen sehr verantwortungsbewusst damit um.“

Corona-Schutzimpfungen: In Pflegeheimen ist die Quote hoch

Darauf kann sich auch Robert Stapfer, Leiter des Senioren- und Pflegeheims Schwaigwall in Geretsried, verlassen. Von seinen über 50 Mitarbeitern „sind 90 Prozent durchgeimpft. Das ist eine sehr gute Quote.“ Trotzdem ist dem Einrichtungsleiter bewusst, dass das Virus grundsätzlich jede Einrichtung treffen kann. „Ich halte nichts davon, mit dem Finger auf die betroffenen Heime zu zeigen“, betont er. Schließlich könnten ja auch Angehörige die Krankheit in die Einrichtung mitbringen. Sie müssen für einen Verwandtenbesuch ein negatives Testergebnis vorlegen. „Bei manchen fehlt aber das Verständnis, dass man in der Pandemie eben besonders vorsichtig sein muss“, hat Stapfer beobachtet. Dabei handle es sich aber um ganz wenige Einzelfälle.

Impfpflicht für Pflegeberufe? Einige lehnen das ab

Immer wenn in Pflegeheimen Corona-Ausbrüche bekannt werden, gewinnt eine Diskussion an Fahrt: Einige fordern die Impfpflicht für gewisse Berufsgruppen. Stapfer hält das für den falschen Weg. „Es bringt mehr, den Menschen zu erklären, warum das Impfen sinnvoll ist“, sagt er. Eine Verpflichtung zum Pieks könnte in seinen Augen dazu führen, dass sich Mitarbeiter beruflich umorientieren – und das in einer Branche, die extrem unter Personalmangel leidet. Stapfer setzt auf Gespräche und seine Vorbildfunktion: „Ich bin geimpft, das ist für mich selbstverständlich.“ Inzwischen laufen in einigen Heimen bereits die Drittimpfungen. Die Schutzwirkung hat nämlich bei einigen Senioren nachgelassen.

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