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Gelebte Nachbarschaftshilfe: Das Netzwerk „Miteinander – Füreinander“ hilft Menschen, die wegen der Corona-Pandemie ihren Alltag nicht mehr bewältigen können. Dazu gehört zum Beispiel der Einkauf.

Selbsthilfe in Zeiten von Corona

Nachbarschaftshilfe: Die Wolfratshauser stehen in der Krise zusammen

Das Netzwerk „Miteinander – Füreinander“ hilft Menschen, die wegen der Corona-Pandemie ihren Alltag nicht mehr bewältigen können

Wolfratshausen Einkaufen, Apothekengänge, Gassi-Gehen: „Die Wolfratshauser halten in der Krise zusammen“, freut sich Michael Winterholler. Diesen Rückschluss lässt das ehrenamtliche Engagement zu, mit dem viele Bürger in Zeiten der Ausgangsbeschränkungen ihren Großeltern, Nachbarn oder sogar bis dato gänzlich Fremden unter die Arme greifen wollen. Die Stadt Wolfratshausen und die Nachbarschaftshilfe „Bürger für Bürger“ haben binnen weniger Tage ein Netzwerk geknüpft, in das sich viele Freiwillige einbringen möchten. Den Anstoß dazu gab der Wolfratshauser Michael Winterholler.

Michael WinterhollerDer Wolfratshauser stieß die Initiative an – und löste eine Welle der Hilfsbereitschaft aus.

„Ich habe von vielen privaten Hilfsangeboten mitbekommen“, sagt Winterholler im Gespräch mit unserer Zeitung. Privatleute, die vor allem älteren oder kranken Wolfratshausern anboten, für sie Erledigungen zu übernehmen, damit diese nicht während der Corona-Pandemie das Haus verlassen müssen. Besonders im sozialen Netzwerk Facebook sei eine riesige Welle der Hilfsbereitschaft entstanden. „Vieles davon ist aber in der Fülle an Informationen untergegangen“, sagt Winterholler. Er gründete daraufhin die Gruppe „WOR Miteinander – Füreinander“.

Es sei der Versuch „alle Fäden zusammenzuführen“, erklärt Winterholler. Über die Plattform sollen schnell und sicher Einkäufer, Gassi-Geher oder Apotheken-Gänger an den Mann oder die Frau gebracht werden. Die virtuelle Gemeinschaft füllte sich rasant: Mehr als 230 Wolfratshauser haben sich schon zusammengeschlossen. Über 30 davon haben sich bei den Initiatoren der Hilfsaktion als aktive Freiwillige registrieren lassen. „Diese Ehrenamtlichen stehen Gewehr bei Fuß“, betont Winterholler.

Dass seine Aktion auf so einen Widerhall stößt, freut ihn: „Es ist wirklich schön zu sehen, dass Wolfratshausen zusammenhält, wenn es darauf ankommt.“ Die Nachbarschaftshilfe Bürger für Bürger schloss sich der Aktion an. „Es ist eine tolle Initiative“, stellt der Vorsitzende Peter Lobenstein mit Blick auf die allgemeine Begeisterung für die Hilfsaktion fest. Gerade innerhalb des Netzwerks, das sein Verein im Seniorenbereich geknüpft hat, „versuchen wir, für die Aktion zu werben“. Denn: „Die wenigsten Senioren, die jetzt Hilfe gebrauchen können, sind auf Facebook aktiv.“

Um Hilfsbedürftige anzusprechen, wurden Flyer mit allen Informationen in Läden, Apotheken und bei Ärzten verteilt. „Die Helfer sind bereit“, sagt Lobenstein – viele Hilfsgesuche haben die Initiatoren allerdings noch nicht erreicht. Durch die verstärkte Außenwerbung hofft Lobenstein, konkret die Wolfratshauser zu erreichen, die jetzt Unterstützung brauchen, weil sie sich in Zeiten des grassierenden Coronavirus’ nicht zum Einkaufen oder zur Apotheke begeben wollen.

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Franz Gehring, ehemaliger Hauptamtsleiter im Wolfratshauser Rathaus, koordiniert die Helfer-Einsätze. „Wer etwas braucht, kann sich ganz einfach bei uns melden und wir reagieren so schnell es geht.“ Da bereits über 30 Helfer ihre Hände ausgestreckt hätten, „können wir für jeden sorgen und flott unterstützen“, berichtet Gehring. Viele Senioren oder Vorerkrankte, die derzeit persönliche Kontakte zu anderen Menschen meiden, „werden schon von ihrer Familie oder von Nachbarn unterstützt“, lobt Gehring die Hilfsbereitschaft innerhalb der Loisachstadt. Das Angebot, das „Miteinander – Füreinander“ geschaffen hat, sei „eine Ergänzung“ dazu. Denn Gehring weiß, dass nicht jeder Senior auf Familienmitglieder setzen kann – „und genau für diese Personen engagieren wir uns.“

Nicht nur für die: Das Angebot soll noch ausgeweitet werden. Auch für Polizisten, Pflegedienst- oder Krankenhausmitarbeiter sowie Verkäuferinnen, die derzeit im Dauerstress sind, wollen die Ehrenamtlichen Erledigungen des täglichen Lebens übernehmen. „Wenn es dort wegen der Arbeitszeiten einen Hilfsbedarf gibt, unterstützen wir gerne“, sagt Gehring.

Einige Gruppenmitglieder haben in den vergangenen Tagen die Ausgangsbeschränkung genutzt, um wiederverwendbaren Mundschutz zu nähen, die an Wolfratshauser auf Bestellung geliefert werden.

Kontakt

Wer Hilfe beim Einkaufen, beim Apothekengang oder beim Gassi-Gehen benötigt, meldet sich bei Agnes Zanein (Verein „Bürger für Bürger“) unter Ruf 01 76/34 85 40 80 oder Franz Gehring unter Ruf 01 79/2 95 16 70. Auch eine Anfrage per Mail ist möglich: wor.miteinander.fuereinander@kabelmail.de

dst

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