Ein Luftbild von Wolfratshausen.
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Ein teures Pflaster: Die Immobilienpreise in der Stadt Wolfratshausen sind nach wie vor hoch. Wer eine Bestandsdoppelhaushälfte erwerben möchte, muss durchschnittlich 700 000 bis 900 000 Euro auf den Tisch legen.

Experte hat den Immobilienmarkt untersucht

Corona-Pandemie: Purzeln jetzt die Immobilienpreise im Kreis Bad Tölz-Wolfratshausen?

  • Carl-Christian Eick
    vonCarl-Christian Eick
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Die Corona-Pandemie hat weitreichende Folgen. Auch für den Immobilienmarkt im Landkreis Bad Tölz-Wolfratshausen? Jein, antwortet der Immobilienexperte Peter Schneider (47).

  • Wer von den eigenen vier Wänden träumt, braucht im Landkreis Bad Tölz-Wolfratshausen viel Geld.
  • Werden die Immobilienpreise in Folge der Corona-Pandemie nun purzeln?
  • Unsere Zeitung sprach mit dem Immobilienexperten Peter Schneider aus Wolfratshausen.

Bad Tölz-Wolfratshausen – Die Corona-Pandemie hat für viele Wirtschaftszweige, für viele Menschen gravierende Folgen. Der Immobilienmarkt im Landkreis allerdings erweist sich bis dato „als weitestgehend Virus-resistent“, stellt Peter Schneider fest. Der 47-Jährige ist Geschäftsführer der Schneider und Prell Immobilientreuhand AG in Wolfratshausen und seit vielen Jahren Mitglied des Gutachterausschusses des Landkreises Bad Tölz-Wolfratshausen. Wer von den eigenen vier Wänden träumt und glaubt, dass das Coronavirus die Kaufpreise drücken wird, den muss Schneider enttäuschen: „Die Immobilienpreise werden nicht purzeln.“

Die Parameter, an denen der Immobilienexperte diese Prognose festmacht, sind bekannt: Das Angebot im Landkreis ist spärlich, die Nachfrage riesig. Schneider rechnet jedoch damit, dass die Immobilienumsätze im Kreis heuer im Vergleich zum Vorjahr leicht sinken werden. Bayernweit ist das nicht so. Im Gegenteil: Der Immobilienverband Deutschland (IVD) berichtet, dass die Immobilienumsätze im Freistaat bis Ende 2020 auf voraussichtlich 62,4 Milliarden Euro steigen werden. Schon jetzt, nach den ersten drei Quartalen, kletterten die Umsätze im Vergleich zum Vorjahreszeitraum laut IVD um etwa zehn Prozent.

Eine Immobilienblase kann Schneider nicht ausmachen

Das Gros derer, die sich zwischen Icking und Jachenau eine Wohnung oder ein Haus kaufen, sind Eigennutzer, berichtet Schneider im Gespräch mit unserer Zeitung. „In unserer Region wird mit Immobilien nicht spekuliert.“ Er räumt mit Blick auf die exorbitanten Kaufpreise ein, dass „die Situation überhitzt ist“. Die Gefahr einer Immobilienblase kann er aber im Landkreis nicht ausmachen. „Wir haben quasi keinen Leerstand, die Finanzierung durch die Banken erfolgt sehr konservativ“, betont der 47-Jährige. Und: Trotz der Corona-Krise sei die Nachfrage sehr hoch, nur wenige Menschen in der Region seien durch die Pandemie in eine akute wirtschaftliche Schieflage geraten.

Riesige Nachfrage, spärliches Angebot

Schneider macht Nägel mit Köpfen, als Beispiel wählt er eine Bestandsdoppelhaushälfte: Die kostet in Geretsried im Durchschnitt zwischen 600 000 und 850 000 Euro, in Toplage „um die 900 000 Euro“. Ähnlich sieht’s in Bad Tölz aus: Der Durchschnittspreis in der Kreisstadt beträgt für eine bestehende Doppelhaushälfte 600 000 bis 850 000 Euro, in bester Lage sollte man mit mindestens 900 000 Euro kalkulieren. Und in Wolfratshausen? „Hier liegt der durchschnittliche Kaufpreis bei 700 000 bis 900 000 Euro“, antwortet Schneider. Wer eine Bestandsdoppelhaushälfte in Toplage erwerben möchte, sollte eine gute Million Euro zusammenkratzen. Dazu muss mann wissen: Angeboten werden solche Immobilien nur ab und zu, heuer sogar noch seltener als im vergangenen Jahr. In Bad Tölz, Geretsried und Wolfratshausen zusammengerechnet „sind’s maximal zwei, die pro Monat das erste Mal auf dem Immobilienmarkt auftauchen“.

Die Wohnimmobilie ist und bleibt die beste Anlageform, das hat sich gerade in Krisenzeiten immer wieder bewahrheitet.“

Peter Schneider, Geschäftsführer der Schneider und Prell Immobilientreuhand und Mitglied des Gutachterausschusses im Landkreis.

Wie schaut’s mit Eigentumswohnungen aus? „Laut den bis einschließlich August vom Gutachterausschuss Bad Tölz-Wolfratshausen ermittelten Kaufpreisen kostete der Quadratmeter Wohnfläche im Neubau 2020 im Schnitt 5790 Euro; im Bestand 4615 Euro“, berichtet der 47-Jährige. Im Vergleich zum Vorjahr sei dies eine Preissteigerung von knapp sechs Prozent. „Im Zehnjahresvergleich sind es sogar fast 87 Prozent“, so Schneider.

Immobilienforum am 19. November - heuer digital

Das 24. Immobilienforum findet aufgrund der Corona-Pandemie digital statt. Teilnehmen kann am Donnerstag, 19. November, um 18 Uhr jedermann. „Mit dem eigenen Laptop, PC oder Tablet ganz bequem von Zuhause aus – oder im Büro“, sagt Peter Schneider, Geschäftsführer der Schneider und Prell Immobilientreuhand AG und Mitglied im Gutachterausschuss des Landkreises Bad Tölz-Wolfratshausen. Interessenten können sich per E-Mail an immobilienforum@schneider-prell.de oder telefonisch (0 81 71/42 99 90) anmelden. „Sie bekommen dann vor der Veranstaltung den Zugangs-Link gemailt“, erklärt Schneider. Die Kamerafunktion ist ausgeschaltet, das heißt, zu sehen ist nur die Expertenrunde – nicht die Teilnehmer. Die allerdings können während des Immobilienforums Fragen stellen.

Schneider und sein Kollege Helmut Lischewski informieren zu Beginn ausführlich über den Immobilienmarkt im Landkreis – und die Folgen der Corona-Krise auf den hiesigen Immobilienmarkt: Was ist meine Immobilie aktuell wert? Wie haben sich Preise, Angebot und Nachfrage verändert? Welche neuen Trends gibt es? Der Rechtsanwalt Sven Johns beleuchtet im Anschluss die neuen gesetzlichen Regelungen, die Immobilieneigentümer beachten müssen. Dazu zählen unter anderem die Reform des Wohnungseigentumsgesetzes, die Einführung des Gebäudeenergiegesetzes sowie das Gesetz über die Verteilung der Maklerkosten. Nicht zu vergessen: „Mieterschutz in Pandemiezeiten“, ergänzt Schneider.

Das 24. Immobilienforum wird unterstützt von Isar-Loisachbote und Geretsrieder Merkur. Die Teilnahme ist kostenfrei. (cce)

Nicht nur in den drei Städten, sondern auch in den Gemeinden im Landkreis sei die Nachfrage ungebrochen hoch. „Baugrund ist absolute Mangelware“, gibt Schneider zu bedenken. Zu den Gemeinden mit den höchsten Immobilienpreisen zählen neben Icking und Münsing auch Benediktbeuern und Lenggries. Tendenziell seien die Preise im Nordlandkreis höher als im Süden. Dieses Gefälle werde beim Blick auf Doppelhaushälften sichtbar: „Im Südlandkreis sind einige wenige Angebote zwischen 500 000 und 800 000 Euro zu finden. In besonders attraktiven Lagen, zum Beispiel in Lenggries, kommen Objekte für bis zu einer Million Euro auf den Markt. Im Nordlandkreis starten die Preise erst bei 700 000 Euro, die meisten Angebote liegen über einer Million Euro.“

Die Entwicklung des Immobilienmarktes im Landkreis sieht Schneider positiv: „Wertverluste haben Immobilieneigentümer nicht zu befürchten.“ Allerdings werde die Corona-Pandemie den jahrelang zu beobachtenden Aufwärtstrend der Kaufpreise mutmaßlich etwas dämpfen: „Käufer werden nicht mehr jeden Preis akzeptieren.“ Der Immobilienwirt geht von einer „Stagnation auf hohem Niveau“ aus. (cce)

Lesen Sie auch: Das will die Baugenossenschaft gegen die Wohnungsnot in Wolfratshausen unternehmen.

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