Stecken hinter dem „Tagesticket“-Konzept: (v. li.) Robert Klingel, Ines Lobenstein, Dr. Ulrike Krischke und Annette Heinloth. Vorne li.: Assunta Tammelleo, Vorsitzende des Kulturvereins Isar-Loisach.
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Stecken hinter dem „Tagesticket“-Konzept: (v. li.) Robert Klingel, Ines Lobenstein, Dr. Ulrike Krischke und Annette Heinloth. Vorne li.: Assunta Tammelleo, Vorsitzende des Kulturvereins Isar-Loisach, der für den guten Zweck seinen Raum am Schwankl-Eck bereitstellt.

das Einkaufen und Biergartenbesuch erlauben soll

Corona-Schnelltests: Ehrenamtliche konzipieren Tagesticket

  • Carl-Christian Eick
    vonCarl-Christian Eick
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In Wolfratshausen soll das Corona-Schnelltest-Angebot massiv ausgebaut werden - auch um Einzelhandel, Gastronomie und Kulturveranstaltern unter die Arme zu greifen. Das Konzept liegt Ministerpräsident Markus Söder zur Genehmigung vor.

Wolfratshausen – Die Ehrenamtlichen, die kurz vor Weihnachten in der Altstadt mit einem Kraftakt eine Corona-Teststation aus dem Boden gestampft haben, wollen nicht länger warten. Weil „die große Politik“ immer noch nicht pragmatisch vorgehe, so die Seniorenreferentin des Stadtrats, Dr. Ulrike Krischke, springen die Freiwilligen erneut in die Bresche.

Ministerpräsident muss Pilotprojekt genehmigen

Das Schnelltest-Angebot soll zeitnah massiv ausgebaut werden – nicht zuletzt, um dem Einzelhandel, der Gastronomie und Kulturveranstaltern unter die Arme zu greifen. Das detaillierte Konzept mit dem Namen „Tagesticket WOR“ liegt Bayerns Ministerpräsident Markus Söder mit der dringenden Bitte um Genehmigung vor.

Seit 22. Dezember wird in den Räumen des Kulturvereins Isar-Loisach (KIL) am Schwankl-Eck wie berichtet getestet. Bislang nahmen rund 1500 Bürger das kostenlose Angebot wahr. Viele von ihnen, um nach einem negativen Ergebnis Angehörige in Alten- und Pflegeeinrichtungen besuchen zu können. „Wir haben reichlich Erfahrung und Routine und verfügen inzwischen über ein engmaschiges Netzwerk“, betont Krischke im Gespräch mit unserer Zeitung. Gemeinsam mit Dritter Bürgermeisterin Annette Heinloth, Ines Lobenstein (hauptberuflich Leiterin der Caritas-Wohnungslosenhilfe) sowie dem Vorsitzenden der DLRG Schäftlarn-Wolfratshausen, Robert Klingel, hat Krischke in den vergangenen Tagen und Nächten viel Arbeit und Herzblut ins neue Projekt investiert. Das Ziel des Quartetts und seiner Mitstreiter: die bestehende Infrastruktur erweitern und die Testkapazität „vervielfachen“. Angedacht sind zusätzliche Teststationen am Wolfratshauser Untermarkt, in den Stadtteilen Farchet und Waldram sowie – bei Bedarf – eine „mobile Teststation“. Diese könnte zum Beispiel bei Kulturveranstaltungen zum Einsatz kommen, erklärt Krischke.

Wir möchten mit unserem Projekt sowohl den Gewerbetreibenden in Handel, Gastronomie und Kultur als auch den Bürgerinnen und Bürgern eine Perspektive aufzeigen und gleichzeitig eine kontrollierte Öffnungsstrategie verfolgen.

Dr. Ulrike Krischke

„Wir möchten mit unserem Projekt sowohl den Gewerbetreibenden in Handel, Gastronomie und Kultur als auch den Bürgerinnen und Bürgern eine Perspektive aufzeigen und gleichzeitig eine kontrollierte Öffnungsstrategie verfolgen“, haben Krischke, Heinloth, Lobenstein und Klingel Bayerns Ministerpräsident wissen lassen. „Wir sind Stand-by“, sagt die Seniorenreferentin. Söder müsse jetzt nur noch auf den Knopf drücken.

Die Ehrenamtlichen, deren Zahl laut Krischke von Stunde zu Stunde steigt, wünschen sich zunächst die Genehmigung für ein vier- bis sechswöchiges Pilotprojekt. In dieser Zeit soll das „Tagesticket WOR“ – der digitale Nachweis über einen tagesaktuellen negativen Corona- Schnelltest – „auf sichere Art und Weise dazu beitragen, die Pandemie zu bekämpfen und die derzeit Not leidenden Kultur- und Wirtschaftsbetriebe zu unterstützen“, so die vier Initiatoren. Dank des „Tagesticket WOR“ sollen in der Loisachstadt der Einzelhandel, die Außengastronomie sowie Kunst- und Kultureinrichtungen und das Kino wieder für den Publikumsverkehr öffnen dürfen. Das ist die Bitte an Söder. Krischke legt Wert auf die Feststellung: „Das Tagesticket gilt ausdrücklich nicht für private Treffen und Feierlichkeiten.“ Und: Die Ergebnisse von Selbsttests werden nach ihren Worten nicht akzeptiert.

Auch die ausgeweitete Testung – zum Einsatz kommen „Point-Of-Care-Tests“ – würde wie bisher unter medizinischer Aufsicht beziehungsweise durch medizinisch geschultes Personen erfolgen. Der Abstrich könnte laut Krischke auch durch den Hausarzt erfolgen, nach Vorlage der Bescheinigung über das negative Ergebnis würden die Ehrenamtlichen ein digitales Tagesticket ausstellen. Das wäre – wie der Name sagt – 24 Stunden gültig. In das Konzept eingearbeitet haben Krischke, Heinloth, Lobenstein und Klingel eine „Abbruchklausel“. Die greift bei Überschreitung einer noch zu definierenden Inzidenz oder bei gravierenden organisatorischen Problemen.

Das Konzept kann sofort in die Tat umgesetzt werden

Primär im Auge haben die Initiatoren „alle Geschäfte des Einzelhandels, die Außengastronomie und Kultureinrichtungen im gesamten Stadtgebiet, die während der Projektphase zusätzlich öffnen dürften“. Also jene Betriebe, die wie derzeit bei einer Sieben-Tage-Inzidenz über 50 geschlossen bleiben müssen beziehungsweise nur nach Terminvereinbarung betreten werden dürfen. Die Erlaubnis für einen spontanen Einkaufsbummel oder einen Biergartenbesuch würde künftig das Tagesticket darstellen – die Betriebe wären allerdings verpflichtet, den Testnachweis ihrer Kunden zu überprüfen.

„Das Tagesticket WOR kann sofort umgesetzt werden, alle Voraussetzungen sind geschaffen“, sagt Krischke. Seit Mittwoch liege der Ball beim bayerischen Ministerpräsidenten. Eine Antwort haben die Ehrenamtlichen noch nicht, „aber ich bin guten Mutes“, meint die Seniorenreferentin.

Überwältigt haben sie und ihre Mitstreiter die zahlreichen helfenden Hände, die gereicht werden. Der CSU-Stimmkreisabgeordnete Martin Bachhuber, Landrat Josef Niedermaier und der Wolfratshauser Rathauschef Klaus Heilinglechner hätten die Unterstützung des Pilotprojekts signalisiert. Angesichts der Pleiten, Pech und Pannen, die in den vergangenen Wochen die Pandemiebekämpfung prägten, stellt Krischke fest: „Jetzt muss etwas passieren.“

Das komplette Konzept zum „Tagesticket WOR“ und alle Infos gibt’s auf der Homepage der Stadt unter www.wolfratshausen.de.

cce

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