Stadtrat tagt.
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Der Beschluss steht: Mit 19:5 Stimmen votierte der Stadtrat Anfang 2020 für den Bau einer künstlichen Surfwelle in Wolfratshausen-Weidach.

Künstliche Surfwelle kostet 800.000 Euro

Corona und die Folgen: So steht‘s um die geplante Surfwelle in Wolfratshausen

  • Carl-Christian Eick
    vonCarl-Christian Eick
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Auch die Stadt Wolfratshausen spürt die wirtschaftlichen Folgen der Corona-Krise. Was heißt das für die 800.000 Euro teure geplante künstliche Surfwelle?

  • In Wolfratshausen-Weidach soll eine künstliche Surfwelle gebaut werden.
  • 800.000 Euro kostet das Vorhaben, 400.000 Euro hat die Stadt zugesagt.
  • Nun sinken aufgrund der Corona-Pandemie die Steuereinnahmen - hat das Folgen für das Projekt Surfwelle?

Wolfratshausen – Die Vorsitzenden der Stadtratsfraktionen sind sich angesichts der Corona-Pandemie und deren wirtschaftlichen Folgen für die Flößerstadt mehr oder minder einig: Nur Pflichtaufgaben – wie die Sanierung und Erweiterung der Grund- und Mittelschule am Hammerschmiedweg – stehen heuer ganz oben auf der Prioritätenliste. Wünsch-dir-was heiße es dagegen auf unbestimmte Zeit nicht. Was bedeutet das für das Surfwellen-Projekt?

Bürgermeister Klaus Heilinglechner (BVW), der ein bekennender Befürworter der in Weidach geplanten künstlichen Surfwelle ist, sieht das Ganze derzeit pragmatisch. Ja, die Auswirkungen der Corona-Pandemie werden Spuren im Stadtsäckel hinterlassen, die Steuereinnahmen werden definitiv sinken. Schon im Sommer vergangenen Jahres informierte Stadtkämmerer Peter Schöfmann den Stadtrat darüber, dass Ende 2020 gut eine Million Euro weniger Einkommensteueranteil sowie etwa eine Million Euro weniger Gewerbesteuer an die Kommune abgeführt werden als 2019. „Wir fahren weiter auf Sicht, alles andere wäre fahrlässig“, sagte Rathauschef Heilinglechner im Anschluss an eine Klausurtagung des Stadtrats. In der wurde der gesamte Investitionsplan der Kommune, konkret alle Projekte ab einer Größenordnung von 100 000 Euro unter die Lupe genommen. Ob Surfwelle, Rathauscafé-Sanierung, Aufwertung der Altstadt und neues Feuerwehrgerätehaus: „Gestrichen wurde nichts“, so Heilinglechner.

Die Bürgervereinigung steht nach wie vor geschlossen hinter dem Projekt.“

Bürgermeister Klaus Heilinglechner, Mitglied der Bürgervereinigung Wolfratshausen

Daran habe sich bis auf den Tag nichts geändert. Die künstliche Surfwelle stehe nach wie vor auf der Agenda, „das Geld dafür ist im Haushalt bereitgestellt“, betont der Bürgermeister. Am Zuge sei das Wasserwirtschaftsamt Weilheim, dort werde über die wasserrechtliche Genehmigung für das Vorhaben entschieden. „Das ist noch nicht geschehen“, sagt Heilinglechner. Seine persönliche Meinung sei unverändert, er halte am Surfwellen--Projekt fest. Dasselbe gelte für die Stadtratsfraktion der Bürgervereinigung, der der Weidacher angehört: „Die Bürgervereinigung steht nach wie vor geschlossen hinter dem Projekt.“

Surfer-Verein plant für den Tag X

Dass sich diese Frage für Stefanie Kastner, Vorsitzende des Vereins „Surfing Wolfratshausen“, nicht stellt, liegt auf der Hand. Auch sie und ihre Mitstreiter warten darauf, dass in Weilheim die Würfel fallen. „Aber natürlich blicken wir über diesen Tag X hinaus und arbeiten daran, wie der Betrieb der Surfwelle organisiert wird“, berichtet Kastner. Dass die Entscheidung der Fachbehörde negativ ausfallen kann, bereitet der Vereinsvorsitzenden keine schlaflosen Nächte: „Surfer sind fröhliche, positive Menschen.“ Während des Lockdowns bleiben Vorstand und Vereinsmitglieder per Videokonferenz, WhatsApp und Telefon verbunden. „Die Stimmung ist bei uns gut“, bilanziert Kastner.

Stadt investierte schon 180.000 Euro in das Projekt

Rund 800 000 Euro soll die künstliche Surfwelle wie berichtet kosten, die den Stadtrat seit gut sechs Jahren beschäftigt. Mehr als 120 000 Euro Spenden hat der Verein bislang gesammelt, gut 270 000 Euro legt die Europäische Union – Stichwort Leader-Programm – für das Vorhaben auf den Tisch. Weitere 400 000 Euro, so der Beschluss des Stadtrats, übernimmt die Kommune. Aber: Von dieser Summe sind bereits rund 180 000 Euro in das Projekt investiert worden. Dabei handelt es sich in erster Linie um Planungskosten. In einer nicht öffentlichen Sitzung, das berichten Teilnehmer, habe Bürgermeister Heilinglechner mit Nachdruck darauf hingewiesen, dass das bereits investierte Geld verloren wäre, sollte der Stadtrat das Projekt verwerfen. Darüber hinaus müsste die Kommune den Betreiber des Elektrizitätskraftwerks an der Weidachmühle für die Kosten entschädigen, die er im Zusammenhang mit der geplanten Surfwelle übernommen hat. Dem Vernehmen nach waren es bis Sommer 2020 knapp 20 000 Euro. (cce)

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