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Immer mehr Menschen lassen sich impfen - Auch Skeptiker in der Warteschlange

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Von: Dominik Stallein

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Warteschlange am Impfzentrum
Impfen in Wolfratshausen: Die Bereitschaft steigt, die Warteschlange wächst. © Sabine Hermsdorf-Hiss

2G gilt in vielen Einrichtungen, die Inzidenz ist hoch wie nie: Im Landkreis steigt die Impfbereitschaft. Am Impfzentrum in Wolfratshausen gibt es großen Zulauf. Restlos überzeugt sind nicht alle Besucher.

Wolfratshausen – Eigentlich wollte sich die junge Frau lieber gar nicht impfen lassen. „Ich hatte Bedenken“, sagt die 21-Jährige. Am Donnerstagmittag betritt sie dennoch das Impfzentrum an der Gebhardtstraße, um ihren zweiten Pieks abzuholen. „Ich habe in meiner Arbeit viel Kundenkontakt“, erklärt die Gastronomie-Angestellte, die anonym bleiben möchte. Ihr habe ihr Arbeitgeber mit Nachdruck geraten, sich impfen zu lassen. Ihre Angst vor der Impfung hat sich nicht bestätigt: „Nach der ersten Spritze ging es mir gut, nur mein Arm hat wehgetan.“

Corona in Wolfratshausen: Immer mehr Menschen lassen sich impfen - Warteschlangen am Impfzentrum

Die 21-Jährige hat Glück und muss am Donnerstag nicht lange warten. Das ist oft anders – gerade vormittags wartet man lange auf die Immunisierung im Zentrum, das die Aicher Group betreibt. „Ich war heute früh schon hier, da habe ich aber schnell wieder umgedreht, weil 70 Leute in der Schlange standen“, sagt Romano Zannantonio, der sich gerade mit einem frischen Impfschutz auf sein Fahrrad schwingt.

Für den 68-Jährigen war klar, dass er mittags wiederkommt: „Ich finde es besser, geimpft zu sein, und es war Zeit für meine dritte Spritze.“ Viele ältere Menschen scheinen es ähnlich zu sehen: Beim Besuch unserer Zeitung stehen 15 Personen in der Warteschlange. Der absolute Großteil davon ist bereits im gesetzten Alter und hat schon im Frühjahr eine Bestätigung über die Immunisierung in den Impfpass kleben dürfen.

Booster, Erst- und Zweitimpfungen sind gefragt: Impfzentrum erlebt Ansturm

„Die meisten, die kommen, holen sich ihre Booster-Impfung ab“, bestätigt Heike Niefer, die in der Einrichtung arbeitet. „Aber es gibt auch immer mehr Erstimpfungen“, sagt sie. Am Mittwoch beispielsweise seien 160 Impfwillige zum ersten Pieks gekommen. Ein junges Ehepaar aus dem Nordlandkreis möchte das am Donnerstag auch. Beide machen aber deutlich, dass sie eigentlich keine Fans der Idee sind, sich gegen das Coronavirus impfen zu lassen.

„Es geht mir um unsere Eltern“, sagt Susanne W. Die würden häufig auf die Enkelkinder aufpassen. Mit der Impfung will das Paar das Sicherheitsgefühl der Senioren erhöhen. „Außerdem möchten wir mit unseren Kindern wieder mehr unternehmen dürfen“, erklärt W. Mit den Kleinen – beide sind zu jung für eine Impfung, „und das würden wir für sie sowieso nicht wollen“ – dürften die ungeimpften Eltern nicht ins Schwimmbad oder zu Veranstaltungen gehen.

Impf-Diskussion um Joshua Kimmich: „Nicht mit dem Finger zeigen“, fordert Wolfratshauserin

Auch Michael W. stellt klar, dass er die Impfung nicht für sich selbst macht: „Ich halte mich für gesund.“ Es sei aber schwer, anderen Menschen diese Einstellung zu erklären. „Viele haben Angst vor dem Virus, da kann man nicht mehr wirklich argumentieren“, sagt er. Seine Frau sieht’s ähnlich: „Man sollte aufhören, mit dem Finger auf andere zu zeigen“, sagt sie mit Blick zum Beispiel auf den ungeimpften Bayern-Kicker Joshua Kimmich.

Christoph Kessler und Gattin Susanne Kessler
„Die Impfgegner haben keine Argumente, sondern nebulöse Vermutungen“, sagt Dr. Christoph Kessler © Sabine Hermsdorf-Hiss

Impfgegner „haben keine Argumente“, sagt Wolfratshauser - Drittimpfung absolviert

Für Dr. Christoph Kessler (72) und seine Gattin Susanne (73) gab es nie einen Zweifel, sich gegen das Coronavirus impfen zu lassen. Am Donnerstag haben beide ihre Auffrischung erhalten. „Ich teile die Sorgen von einigen Menschen ganz und gar nicht“, sagt er. Die ganze Diskussion um Wirksamkeit und befürchtete Nebenwirkungen der Vakzine könne er nicht verstehen. „Die Impfgegner haben keine Argumente, sondern nebulöse Vermutungen“, sagt er. Er sei froh, dass das Wolfratshauser Impfzentrum – anders als das Pendant in Bad Tölz – noch nicht geschlossen wurde und der Andrang so groß ist.

Warteschlangen am Impfzentrum: Nebenwirkungen sind sehr selten

Verglichen mit den vergangenen Monaten ist der Zulauf gewaltig: „Wir impfen pro Tag inzwischen mehr Menschen als im Sommer in einer ganzen Woche“, sagt Niefer. Rund 300 Impfwillige kämen täglich zur Gebhardstraße, zum Impfbus noch bis zu 150 weitere. Fast alle gehen ohne Komplikationen wieder nach Hause: „Die Fälle, bei denen der Kreislauf kurz in die Knie geht, sind die absolute Ausnahme“, sagt sie „und meistens sind das Menschen, die sich selbst Panik machen“.

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