Ein Mann mit einem Golfschläger
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Wiederholungstäter: Dr. Josef Hingerl (72), Geschäftsführer des Golfclubs Bergkramerhof in Wolfratshausen, will den Golfplatz trotz Verbots erneut öffnen.

Rechtsanwalt scheut juristische „Eskalation“ nicht

Er tut‘s wieder: Golfplatz-Betreiber öffnet Anlage trotz Lockdown - Polizei schreitet ein

  • Carl-Christian Eick
    vonCarl-Christian Eick
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Trotz Verbots aufgrund der Corona-Pandemie wird Golfclub Bergkramerhof nun öffnen - wie schon im ersten Lockdown. Das rief jetzt die Polizei auf den Plan.

  • Der Geschäftsführer hält die angeordnete Schließung des Golfclubs Bergkramerhof für verfassungswidrig.
  • Nun kündigt Hingerl an: Am Samstag wird er den Golfplatz erneut öffnen.
  • Daraus wurde aber wohl nichts. Lediglich die Polizei schaute vorbei. (Update vom 27. Februar, 16.16 Uhr)

Update vom 27. Februar, 16.16 Uhr: Nun scheint es erst einmal wieder vorbei zu sein mit dem Golfen am Bergkramerhof. Gegen 7.30 Uhr am Samstagmorgen kam Wolfratshausens Polizeichef Andreas Czerweny persönlich vorbei, um mit Chef Josef Hingerl zu sprechen. Nach knapp 30 Minuten stand dann fest - der Golfplatz bleibt geschlossen. Die Polizei warnte anschließend: Jeder beim Golfspielen erwischt werde, dem drohe ein Ordnungswidrigkeitsverfahren. Einfach ausgedrückt, es droht eine Anzeige.

Corona: Golfsport diene der Gesundheitsvorsorge

Update vom 26. Februar, 17.39 Uhr: Der Streit um den Golfplatz Bergkramerhof geht weiter. Nun argumentiert Hingerl: Klubhaus und Umkleiden blieben versperrt, nur die Spielfläche werde er zur Verfügung stellen. Auf dem weitläufigen Areal ist die Infektionsgefahr in seinen Augen gleich Null. Zwischen den Spielern, die in sogenannten Zweier-Flights unterwegs seien, beträgt der Abstand laut dem Klub-Geschäftsführer jeweils rund 300 Meter. Hingerl verweist in diesem Zusammenhang auf Supermarkt-Parkplätze, auf denen es deutlich enger zugehe. In einem Brief an Bayerns Ministerpräsident Markus Söder, der unserer Zeitung vorliegt, betont der 72-jährige Jurist mehrfach, dass Golfsport der Gesundheitsvorsorge diene und er bei der beabsichtigten Öffnung des Bergkramerhofs nicht zuletzt die „Volksgesundheit“ im Blick habe.

Im Mai vergangenen Jahres reichten die Reaktionen auf Hingerls Vorstoß von Beifall bis zu beißender Kritik. Werner Proebstl, Präsident des Golfclubs Starnberg, ließ seinen Sportsfreund in Wolfratshausen wissen: „Sie sind dabei, viel Porzellan zu zerschlagen, und niemandem, aber auch wirklich gar niemandem dabei zu helfen.“ Auch die erneute Ankündigung des Rechtsanwalts, dass ab sofort am Bergkramerhof die Schläger geschwungen werden dürfen, löst beim Bayerischen Golfverband Kopfschütteln aus. „Gut finden wir das nicht“, sagt Pressesprecher Tobias Hennecke gegenüber unserer Zeitung. Hingerl „beschädigt damit das Image unserer Sportart“.

Corona: Golfplatz Bergkramerhof in Bayern will öffnen - so soll es jetzt weitergehen

In der Kreisbehörde hat man Hingerls Ankündigung zur Kenntnis genommen. „Sollte der Golfplatz Bergkramerhof am Samstag öffnen, begeht Herr Dr. Hingerl ganz klar eine Ordnungswidrigkeit, weil nach der derzeit gültigen Infektionsschutzmaßnahmenverordnung die Öffnung eines Golfplatzes und das Golfspielen dort nicht erlaubt ist“, erklärt die Pressesprecherin des Landratsamts, Sabine Schmid. Landrat Josef Niedermaier sagt auf Nachfrage: „Ich empfinde es als zutiefst unsolidarisch gegenüber allen anderen Bürgerinnen und Bürgern, die sich ebenfalls unter Schmerzen an die verschiedensten Auflagen aus der Verordnung halten. Das ist eine Missachtung des Rechtsstaats und muss Konsequenzen haben.“ Dem Golfclub-Geschäftsführer, so Niedermaier weiter, „stehen Rechtsmittel gegen die Verordnung jederzeit offen, als Rechtsanwalt müsste er das wissen – und sollte das schon im Sinne seines Berufsstandes auch beachten“.

Wie geht‘s nun weiter? „Wir stehen mit der Polizei in enger Abstimmung über das weitere Vorgehen“, berichtet Schmidt. Das bestätigt Polizeihauptkommissar Steffen Frühauf, Pressesprecher der Wolfratshauser Inspektion: „In Abstimmung mit dem Landratsamt werden wir vor Ort kontrollieren und Verstöße zur Anzeige bringen.“

Schmid räumt ein, dass der Bußgeldbescheid, der im Mai vergangenen Jahres vom Landratsamt gegen Hingerl erlassen worden sei, „aktuell noch nicht auf den Weg gebracht worden ist“. Die Behördensprecherin gibt zu bedenken, dass in der Kreisbehörde sanktionierte „Verstöße zur Infektionsschutzmaßnahmenverordnung im vierstelligen Bereich liegen“. Diese würden sukzessiv abgearbeitet.

Erstmeldung vom 25. Februar 2021

Wolfratshausen – In einem mehrseitigen Schreiben an Bayerns Ministerpräsident Markus Söder hatte Dr. Josef Hingerl, Betreiber des Golfplatzes Bergkramerhof, es vor wenigen Tagen bereits angekündigt. Nun macht Hingerl Nägel mit Köpfen, er öffnet am Samstag die 70 Hektar große Spielstätte über den Dächern Wolfratshausens. Sehr wohl wissend, dass er damit gegen die Infektionsschutzmaßnahmenverordnung, konkret das Schließungsgebot für Sportstätten verstößt. Dies tat der Golfclub-Geschäftsführer wie berichtet bereits am 4. Mai vergangenen Jahres.

Die Konsequenz seines damaligen Handelns: Der 72-Jährige musste die Golfanlage sofort wieder absperren, gegen ihn wurde ein Ordnungswidrigkeitenverfahren eingeleitet. „Bis heute habe ich keinen Bußgeldbescheid erhalten“, stellt Hingerl fest. Das hat für ihn einen simplen Grund: Das Verbot, unter freiem Himmel den Golfschläger zu schwingen, sei verfassungswidrig – ergo entbehre ein Bußgeldbescheid jeder Rechtsgrundlage.

Am besten wäre es natürlich, wenn Sie das Landratsamt Bad Tölz-Wolfratshausen anweisen würden, dass mir die angekündigte Eröffnung verboten wird.“ 

Dr. Josef Hingerl in seinem Brief an Ministerpräsident Markus Söder

Von den Aktiven will Hingerl am kommenden Samstag „einen Obolus nehmen“, weil „die Golfanlage auch jetzt schon gepflegt werden muss und das alles Geld kostet“. Offenbar sucht der Rechtsanwalt die direkte Konfrontation, denn er schreibt Söder: „Am besten wäre es natürlich, wenn Sie das Landratsamt Bad Tölz-Wolfratshausen anweisen würden, dass mir die angekündigte Eröffnung verboten wird.“ Denn dann, so Hingerl, „könnte ich noch rechtzeitig beim Verwaltungsgericht München durch Einreichung eines Eilantrags eine Klärung herbeiführen“. Der 72-Jährige steht bekanntlich auf dem Standpunkt, dass Golfsport – nicht nur in Pandemie-Zeiten – der Gesundheitsvorsorge dient.

Corona in Bayern: Golfclub öffnet trotz Lockdown - Betreiber provoziert Söder mit Brief

Hingerl stellt sich das am Samstag so vor: Das Kassieren der Spielgebühr, in einschlägigen Kreisen Greenfee genannt, erfolgt „to go“ am Fenster des Klubbüros. „In der Regel werden also zwei Personen in einem Auto ankommen“, alle acht Minuten dürfe das Duo zum Abschlag schreiten. Das bedeute: Der Abstand zwischen den sogenannten Zweier-Flights betrage jeweils rund 300 Meter. „Ich gehe davon aus, dass sich maximal 70 Spieler pro Tag über den Golfplatz bewegen werden.“ Jeder Spieler sei „nachverfolgbar“, ergänzt Hingerl mit Blick auf einen eventuellen Corona-Fall.

Golfclub Bergkramerhof: Wolfratshauser Betreiber will öffnen - trotz Lockdown

Neben ausführlichen juristischen Querverweisen, mit denen der Rechtsanwalt die Öffnung seines Golfplatzes zu untermauern versucht, nimmt er das Grundgesetz zur Hand: In Artikel 12 sei die Freiheit der Berufsausübung garantiert. „Jede Golfanlage vermarket als Hauptprodukt die Gesundheit“, betont der 72-Jährige – und schlägt einen Bogen zum Profifußball. Auch der Bundesligist FC Bayern München berufe sich auf die Berufsfreiheit, und die Kicker des deutschen Rekordmeisters hätten sogar „viel Spaß“ beim Rasensport. Hingerl: „Im Vergleich dazu haben die klein- und mittelständischen Unternehmerinnen und Unternehmer weder Spaß noch Geld. Ihre Berufung auf die Berufsfreiheit geht derzeit ins Leere.“

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Hingerl räumt ohne Umschweife ein, dass er juristisch betrachtet vor einer „Eskalation“ nicht zurückschrecke. Golfanlagen seien allesamt mittelständische Unternehmen in einem Umsatzbereich zwischen 500 000 Euro bis etwa drei Millionen Euro. Das Verbot, die Golfplätze zu nutzen, seien nicht nur hinsichtlich besagter Gesundheitsprävention „völlig unlogisch“, sondern auch aufgrund der wirtschaftlichen Folgen für die Betreiber nicht hinnehmbar. Es verstehe niemand, lässt Hingerl den Ministerpräsidenten wissen, „dass Sie Blumenläden und Friseurläden öffnen lassen und den Golfern die Gesundheitsvorsorge verwehren“.

Dass dem Wolfratshauser Golfclub-Geschäftsführer bis dato noch kein Bußgeldbescheid zugestellt worden ist, erklärt Sabine Schmid, Pressesprecherin des Landratsamts in Bad Tölz, so: Es habe seit Ausbruch der Pandemie vor gut einem Jahr sehr viele Verstöße gegen die bayerische Infektionsschutzmaßnahmenverordnung gegeben. Die Kreisbehörde arbeite diese Fälle sukzessive ab. „Auf jeden Fall“, so Schmid, werde auch Hingerl einen Bußgeldbescheid bekommen. Und am Samstag mit hoher Voraussicht erneut Besuch von der Polizei. (cce)

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