„Es geht zua wia d’Sau“: Camping-Plätze öffnen am Wochenende - Telefone stehen nicht mehr still
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„Ich bin gespannt, wie wir das hinkriegen“: 60 bis 70 Caravans und Wohnmobile erwartet Geschäftsführer Anton Egold am Wochenende auf dem Camping-Platz am Bibisee in Königsdorf. 

Die Camper-Karawane rollt an

„Es geht zua wia d’Sau“: Camping-Plätze öffnen am Wochenende - Telefone stehen nicht mehr still

  • vonRudi Stallein
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Ab diesem Wochenende dürfen die Camping-Plätze in Bayern trotz Corona-Krise wieder Touristen beherbergen. Seit der Bekanntgabe des Termins stehen die Telefone nicht mehr still. 

  • Das Coronavirus* beherrscht weiter das Leben in Bayern.
  • Ein Eilentscheid hat jetzt die längere Öffnung von Biergärten genehmigt.
  • Ab diesem Wochenende dürfen die Camping-Plätze in Bayern wieder Touristen beherbergen.
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Bad Tölz-Wolfratshausen „Es geht zua wia d’Sau“, platzt es aus Anton Egold heraus. „So ein verrücktes Jahr hatten wir überhaupt noch nicht“, sagt der Geschäftsführer des Camping-Platzes am Bibisee. Zirka 60 bis 70 Caravans und Wohnmobile erwarte er am Wochenende. Dazu Dauercamper, die mit ihren Pkw auf die Anlage drängen. „Ich bin gespannt, wie wir das hinkriegen.“

Corona in Bayern: Campingbetreiber erwartet bis 70 Wohnmobile und Caravans am Wochenende

Die Anlage bei Königsdorf ist die größte im Landkreis. Auf 86 000 Quadratmetern verteilen sich 300 von Dauercampern belegte Einheiten, daneben gibt es 90 Touristenplätze. Das Waschgebäude hat eine Fläche von 560 Quadratmetern und sei „eines der modernsten in Deutschland, wenn nicht in Europa“, schwärmt der Geschäftsführer. „Wir sind sehr gut aufgestellt.“ Dennoch hätten die Camping-Plätze „die Auflage bekommen, nur Urlauber anzunehmen, die in Bezug auf Sanitäranlagen autark sind“. Das bedeutet: „Zelte müssen wir abweisen.“ Einige Tage seien bereits ausgebucht, wer noch buchen möchte, dem empfiehlt Egold: „Anfragen per Mail schicken und ein paar Tage Geduld haben.“

Corona in Bayern: Campingplätze öffnen - „Nichts geht mehr“

Nichts geht mehr“, heißt es schon zu Saisonbeginn auf dem Camping-Platz am Walchensee. „Wir nehmen keine Reservierungen mehr an“, teilt Betreiber Berndt Pangerl auf der Internetseite mit. Der Grund: „Alle Reservierungsplätze vom 30. Mai bis zum 15. September sind bereits vergeben.“

Über „sehr großen Andrang“ freut sich das Team vom Lenggrieser Bergcamping. „E-Mail-Anfragen kommen im Minutentakt“, sagt Hans Probst. Den Ernstfall habe man „ein paar Mal getestet“. Um die Abstandsregeln auch draußen einhalten zu können, wurde ein Parkplan erstellt, mit sechs Metern Luft zwischen den Stellplätzen. Zudem gibt es ein detailliertes Hygienekonzept.

Campingplätze öffnen in Corona-Zeiten: „Wir nehmen keine Reservierungen mehr an.“

Besonderes Augenmerk gilt den Sanitärräumen. Nach jeder Benutzung werde gereinigt und desinfiziert. „Vorher darf es von keinem anderen Gast benutzt werden“ – so steht es fett gedruckt im Konzept. Dafür seien nun zwei Putzfrauen ganztags auf der Anlage. Wegen des erhöhten Aufwands, und um die Abläufe zu vereinfachen, wird eine Strom-/Wasser-/Hygiene-Pauschale von fünf Euro pro Tag berechnet. „Ob alles funktioniert, liegt letztlich auch am Besucher“, sagt Probst und kündigt an: „Wer sich nicht an die Regeln hält, muss abreisen.“

Corona: Campingplätze mit großem Andrang - „Aufgeregt und vorfreudig“

Trotz der „erheblichen Info-Lücken“, was die Sanitäranlagen angeht, blickt Henning Dürr der nun endlich beginnenden Saison „eher positiv“ entgegen. „Es ist unsere erste Saison, da sind wir aufgeregt und vorfreudig“, sagt der neue Inhaber des Camping-Platzes in Ambach am Starnberger See. Erst im vorigen Sommer hatte Dürr das Areal übernommen und mit großem Aufwand renoviert. „Blöder kann’s nicht kommen, das Ostergeschäft ist komplett weggebrochen“, sagt er angesichts der durch die Pandemie bedingten vorübergehenden Schließung. Deshalb freue er sich über die augenblicklich rege Nachfrage. Neben 240 Dauercamper-Plätzen verfügt die Anlage über 66 touristische Parzellen. Für Urlauber gibt es sieben buchbare Wohnwagen. Dann ist da noch eine große Zeltwiese, die dem Campingplatzbesitzer wegen der unklaren Situation mit Duschen und Toiletten („Es gibt keine eindeutigen Vorgaben“) derzeit am meisten Kopfzerbrechen bereitet. „Einige Urlauber mit Zelt haben schon gebucht, vielleicht müssen wir denen wieder absagen“, sagt Dürr.

Corona in Bayern: Camp-Office in Wolfratshausen

Aus demselben Grund nimmt der Camping-Platz Wolfratshausen im Augenblick keine Zelte an. Die Duschen seien derzeit ausschließlich für Dauercamper reserviert. „Neue Gäste können nur kommen, wenn ihr Wohnmobil eine Dusche hat“, bekräftigt Inhaber Michael Kramer, der seinen Platz frühestens am 15. Juni öffnen möchte. „Ich will den Leuten Ruhe und Erholung gewährleisten“, sagt Kramer. Deshalb habe er sich entschlossen, die Öffnung lieber zwei Wochen hinauszuzögern. „Fehler können wir uns nicht erlauben, sonst wird der Platz geschlossen. Ich bin jetzt 23 Jahre hier und habe keine Lust, die kleine Insel in Gefahr zu bringen“, begründet der 48-Jährige das behutsame Re-opening. Für den Sommer, so ist der Plan, möchte er durch den Anbau von mobilen Duschen, eine Basis schaffen, um auch Camper mit Zelt aufnehmen zu können.

Bis dahin nutzt Michael Kramer die Zeltwiese für eine neue Geschäftsidee: das Camp-Office – sechs farbenfrohe Miet-Pavillons, jeweils sparsam möbliert mit Gartentisch und Gartenstuhl, Herdplatte, Wasserkessel, zwei Tassen, Liegestuhl und Wlan – bietet allen eine originelle Alternative, denen im Homeoffice zwischendurch die Decke auf den Kopf fällt. (siehe Kasten unten).

Corona in Bayern: Campingplätze öffnen - Camp-Office im Grünen

Ein Freund habe Schuld. Der sei total gestresst und genervt vom Alltag im Homeoffice zwischen Arbeit und Online-Schule des Sohnes gewesen, trotz eigenen Gartens, erzählt Michael Kramer, wie er auf seine neueste Geschäftsidee gekommen ist: das Camp-Office. Ein Büro im Grünen, auf der Zeltwiese des Wolfratshauser Camping-Platzes. Sechs farbenfrohe, gelb- und orange-leuchtende Miet-Zelte sind dort ab dem 3. Juni buchbar. Jedes „Büro“ ist ausgestattet mit Gartentisch und Gartenstuhl, einem kleinen Beistelltisch mit Herdplatte und Wasserkessel, zwei Tassen sowie Stromanschluss und Wlan. „Das ist spartanisch, aber ausreichend“, meint Kramer. „Mittagessen können sich die Mieter mitbringen und hier warm machen.“ Und wem der Gartenstuhl zu unbequem erscheint, der darf seinen eigenen Stuhl mitbringen. „Bürozeit“ ist von 8 bis 19 Uhr, danach werden die Pavillons für den nächsten Tag desinfiziert. „Von der Idee bis zur Umsetzung hat es nur zehn Tage gedauert“, erzählt Kramer. Buchbar sind die Office-Tents für 25 Euro pro Tag – inklusive Strom, Wlan und Liegestuhl für die schöpferische Pause zwischendurch.

rst

Wer Plastikmüll vermeiden will, kauft gerne in einem Unverpackt-Laden ein. Doch das Coronavirus hatten Händler und umweltbewusste Kunden nicht auf der Rechnung. Die Volkshochschulen hingegen haben sie keine konkrete Perspektive, wann sie nach der Corona-Zwangspause ihren Betrieb wieder aufnehmen können. Die Volkshochschulen in Wolfratshausen und Geretsried bringt dies unterschiedlich in Bedrängnis.

*Merkur.de ist Teil des bundesweiten Ippen-Digital-Redaktionsnetzwerks.

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