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Ein Herz für Tiere: Emel Mert in dem Tierasyl in Bartin. Im Hintergrund die Hütten der Hunde.

Tierrettung in der Türkei

Emel Mert sammelt für herrenlose Hunde in der Türkei - ihr Besuch entwickelt sich zum Abenteuer

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Aus Tierliebe startete Emel Mert eine Spendenaktion für herrenlose Hunde in der Türkei. Die Hilfsmittel brachte sie persönlich zum Zielort.

Update, 13. Februar:  Die Reise war ein Abenteuer: Emel Mert und ihr Lebensgefährte Emrah Güc reisten in die Türkei, um dort die Spenden abzugeben, die die Friseurmeisterin zuvor in ihrem Geschäft gesammelt hatte. Ihr Ziel war Bartin in der Schwarzmeer-Region. Hier versucht Sevim Arkan, eine 42-jährige Türkin, mit aller Kraft das Los der Straßentiere ein wenig zu lindern. 

„Ich denke, ich war es meinen Kunden schuldig, das mir anvertraute Geld und die Sachspenden persönlich hinzubringen“, sagt Emel Mert. Zusammen mit ihrem Freund Güc flog die Wolfratshauserin bis Istanbul und machte sich in einem Leihwagen auf den Weg in das rund 500 Kilometer entfernte Städtchen Bartin. 

„Es war eisigkalt, auf den Straßen überall Schnee und Eisplatten“, erzählt Güc. Die Qualität des Leihwagens ließ auch zu wünschen übrig: „Er hatte nur vorne zwei Winterreifen.“ Der Weg führte über das Gebirge. „Wir sind die Straßen mehr hinuntergerutscht als gefahren – ein Schlenker, und wir wären im Abgrund gelandet.“ 

Doch die Ankunft in Bartin machte diese Schwierigkeiten wieder wett: Die beiden Wolfratshauser und Sevim Arkan verstanden sich auf Anhieb – als ob sie sich bereits ein Leben lang kennen würden. Die 42-Jährige führte ihre Besucher über ihr Tierasyl neben der Müllhalde, auf der sie oft genug ihre Schützlinge einsammelt: Aus Holz und Planen gezimmerte einfache Hütten bieten den halb verhungerten und oft kranken Tieren ein bisschen Schutz. In einem extra Verschlag können Hündinnen ihre Welpen in Sicherheit auf die Welt bringen. 

Und die Tiere ahnten irgendwie, dass der Besuch nicht nur zum Schauen gekommen war, sondern auch Futter, Decken und finanzielle Unterstützung für Tierarztbesuche im Gepäck hatte: „Sie rannten auf uns zu und drückten sich an uns“, erzählt Güc. „Sie versuchten regelrecht, dich zu umarmen.“ Die Tiere genießen jede Streicheleinheit, die sie bekommen können. Mert: „Sie schließen die Augen, wollen einfach nur Liebe.“ 

Sie und ihr Freund begleiteten Arkan auch bei einer Rettungsaktion. „Eine Frau rief an und erzählte von einem Tier, das in einem erbärmlichen Zustand durch ein Nachbardorf irrt“, erinnert sich Mert. Hautnah erlebte sie dann, wie viel Geduld es braucht, um ein völlig verängstigtes Tier einzufangen. 

Auch in Zukunft möchte Emel Mert versuchen, die türkische Hunderetterin zu unterstützen. „Für die etwa 300 Tiere, die momentan bei ihr leben, braucht sie am Tag rund 15 Kilo Trockenfutter“, rechnet die 41-Jährige vor. „Und dabei streckt sie es schon mit gekochten Nudeln, weil es sonst nicht reicht.“ Auch für die Kastrationen werden weiterhin Gelder benötigt. „Mein letzter Besuch“, sagt Mert, „war das garantiert nicht.“

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Haben ein Herz für Tiere: Emel Mert und Emrah Güc bringen die Sachspenden persönlich in die Türkei. 

„Da kommen mir die Tränen“: Deshalb unterstützt Wolfratshauserin mit Spendenaktion herrenlose Tieren in der Türkei


Wolfratshausen/Bartin –Ein Herz für Tiere bewies die Wolfratshauserin Emel Mert. Sie sammelte Hilfsgüter, um so eine Freundin in ihrer türkischen Heimat zu unterstützen, die sich unermüdlich um Straßenhunde kümmert. Damit die Sachen auch wirklich dort ankommen, hat die 41-Jährige beschlossen, sich in diesen Tagen selbst auf den Weg vor Ort zu machen.

Eine Mülldeponie am Rande von Bartin in der Schwarzmeerregion: Ein Hund, verletzt und abgemagert bis auf die Knochen, wankt durch den Unrat, sucht verzweifelt zwischen verrosteten Metalldosen, zerrissenen Plastiktüten und Glasscherben nach Futter. „Wenn ich das sehe“, sagt Emel Mert und deutet auf das Video auf ihrem Handy, „kommen mir die Tränen.“ Die 41-jährige Friseurmeisterin ist selbst durch Zufall „auf den Hund gekommen“, wie sie sagt: „Meine Tochter hat mich vor die Wahl gestellt: entweder ein Geschwisterchen oder einen Hund.“ Der Familienrat entschied sich für den Vierbeiner – kurz darauf zog „Prince“ zu der Wolfratshauserin und eroberte im Sturm alle Herzen im Hause Mert.

Sevim Arkan kümmert sich in der Stadt Bartin um herrenlose Hunde und Katzen. 

Aus dieser Tierliebe heraus begann die Friseurmeisterin im Internet zu recherchieren. „Ich weiß, dass in meiner Heimat, der Türkei, Hunde oft ein schlechtes Los haben. Ich wollte sehen, ob ich nicht irgendwie helfen kann.“ Über das soziale Netzwerk Facebook stieß sie auf Sevim Arkan. Die 42-Jährige aus Bartin kümmert sich seit Jahren um Straßenhunde und -katzen. Sie rettet die Tiere von der Mülldeponie, lässt sie ärztlich behandeln und sorgt dafür, dass die Tiere kastriert werden. „Ich habe mit ihr Kontakt aufgenommen und mir von ihrer Arbeit berichten lassen.“

Schnell merkte die Wolfratshauserin, dass es bei Sevim Arkan an allen Ecken fehlt. „Futter, Geld für den Tierarzt, Medikamente, Decken.“ Emel Mert rief in ihrem Friseursalon „Vier Haareszeiten“ eine Spendenaktion ins Leben und schrieb zusätzlich Freunde an. Schnell stapelten sich Säcke mit Hilfsmitteln in ihrem Keller. „Ich freue mich, dass so viele geholfen haben.“

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Aber wie bringt man all die Sachen in den 2300 Kilometer entfernten Zielort? Ein Landsmann der 41-Jährigen übernimmt die Transportkosten, Emel Mert und ihr Lebensgefährte Emrah Güc wollen bis Istanbul fliegen und sich dort ein Auto mieten. „Dann wird umgepackt, und wir bringen Sevim alles direkt nach Bartin.“ Dass sie dafür nochmal rund 1000 Kilometer hin und zurück auf sich nimmt, ist für die Wolfratshauserin Nebensache. „Für mich zählt nur, dass ich ein klein wenig helfen kann“, sagt sie und streichelt dabei ihren Hund.

sh

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