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Das war’s: An diesem Mittwoch heißt es zum letzten Mal „Familienkino“ in Wolfratshausen. Nach mehr als 25 Jahren wird die Veranstaltungsreihe eingestellt, das Interesse hat stark nachgelassen.

Letzte Vorstellung am Mittwoch

Darum fällt im „Guck mal...Familienkino“ nach 25 Jahren der Vorhang

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Der Vorhang fällt: Nach 25 Jahren ist Schluss mit dem „Guck mal...Familienkino“. Veranstalterin Andrea Poloczek verrät warum und denkt etwas wehmütig an alte Zeiten zurück.

Wolfratshausen – Mehr als 25 Jahre lang hatte das „Guck mal…. Familienkino“ seinen festen Platz im monatlichen Veranstaltungsprogramm der Stadt Wolfratshausen. Nun ist Schluss. Mit der Neuverfilmung von „Robbi, Tobbi und das Fliewatüüt“ flimmert an diesem Mittwoch der letzte Streifen der Reihe über die Leinwand des Kinocenters an der Bahnhofstraße.

„Es gibt keine Nachfrage mehr“, nennt Projektleiterin Andrea Poloczek als Grund. „Es sind schleichend immer weniger Zuschauer gekommen.“ Zuletzt seinen manchmal nur eine Mutter oder ein Großvater und eine Handvoll Kinder im Kino gesessen: „Da muss man sich fragen, ob es noch Sinn macht.“ Die Frage haben die Verantwortlichen nun mit „Nein“ beantwortet.

Der „Räuber Hotzenplotz“ fesselte 200 Kinder

Poloczek denkt mit ein bisschen Wehmut an die Anfangszeit. Am 22. September 1993 lockte die „Guck mal…“-Premiere in Wolfratshausen fast 60 Mädchen und Buben und sechs Erwachsene ins Kino. Auf dem Programm stand der Film „Echt tu matsch“ von Klaus Strigel und Bertram Verhaag. Zuvor, von Oktober 1992 bis Mai 1993, lief die in Zusammenarbeit mit dem Kreisbildungswerk gestartete Reihe in Bad Tölz. „Wir wollten Kindern besondere Filme zugänglich machen. Sie wegholen vom Mainstream“, sagt Poloczek zur Entstehung des Familienkinos der besonderen Art. Der Film als gemeinsames Erlebnis von Vätern, Müttern und ihren Kindern, inklusive anschließender Besprechung, manchmal sogar mit den Regisseuren oder Autoren.

Das Konzept ging auf. Die vor zwei Jahren verstorbene Kinderbuchautorin Sigrid Heuck diskutierte in der Loisachstadt mit den Kindern über die Verfilmung ihres preisgekrönten Abenteuerromans „Mondjäger“. 1993 präsentierte der Münchner Regisseur Gernot Krää seinen Kinder-Krimi „Die Distel“. Als der Trickfilmer Curt Linda zur Vorführung der „Konferenz der Tiere“ nach Wolfratshausen kam, konnte er 214 Zuschauer begrüßen. „Da haben wir beide Kinosäle benötigt“, erinnert sich Poloczek.

„Räuber Hotzenplotz“ und „Zauberflöte“ fesselten 200 Kinder

Weitere Publikumsmagneten waren die „Zauberflöte“ mit 200 Kindern und der „Räuber Hotzenplotz“. Als dessen Geschichte an der Bahnhofstraße über die Leinwand flimmerte, fieberten fast 200 junge Zuschauer mit. Insgesamt rund 330 Filme präsentierte das Familienkino im Laufe eines Vierteljahrhunderts. Dazu gab es zahlreiche weitere Projekte wie rund 30 Trickfilmworkshops an Schulen im Landkreis. Bei den Wolfratshauser Kulturtagen organisierte Poloczek mit ihrem Team ein Filmfestival mit fünf Spielfilmen. Ein weiterer Höhepunkt waren im Jahr 2002 die „Kinderfilmtage“ im alten Wasserreservoir im Wolfratshauser Bergwald.

„Es hat alles seine Zeit“, sagt Andrea Poloczek im Gespräch mit unserer Zeitung. Ihr fallen viele Gründe ein, warum das Angebot nicht mehr in die Zeit passt. „Die Kinder sind im Freizeitstress, die Mütter sind meist berufstätig.“ Zudem habe beispielsweise beim Kinderhort das Interesse ebenso nachgelassen wie bei den Schulen, die schon lange keine Workshops mehr anfragen würden.

Abschlussvorstellung am Mittwoch

„Das Freizeitverhalten und die Sehgewohnheiten haben sich verändert. Wir fügen uns dem Publikumswillen.“ Bei fixen Kosten von mindestens 150 Euro pro Veranstaltung zuzüglich Film- und Frachtkosten sei das Projekt Familienkino unrentabel geworden. „Das ist dann einfach echt too much“, sagt die Projektleiterin und muss für einen Moment schmunzeln.

Zum Abschluss des „Guck mal… Familienkinos“ gibt es am kommenden Mittwoch, 26. Juli, „Robbi, Tobbi und das Fliewatüüt“ zu sehen. Der Film startet um 16 Uhr im Kinocenter Wolfratshausen an der Bahnhofstraße.

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