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Darum geht‘s in der Wolfratshauser Altstadt jetzt hoch her

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Von: Carl-Christian Eick

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Baustelle
Mit Hilfe eines Autokrans wird der 30 Meter-Hochbaukran am Untermarkt in der Stadt Wolfratshausen Stück für Stück zusammengesetzt. © Sabine Hermsdorf-Hiss

An der Stelle des ehemaligen Isar-Kaufhauses in Wolfratshausen wächst ein neues Gebäude in die Höhe. Im Einsatz ist jetzt ein imposantes Arbeitsgerät.

Wolfratshausen – Der nächste Jahrestag ist nicht mehr fern. Ende 2012, vor knapp neun Jahren, sperrte Frederik Holthaus, Geschäftsführer des Isar-Kaufhauses in der Wolfratshauser Altstadt, die Türen des Gebäudes für immer ab. Vorausgegangen war ein öffentlicher Streit zwischen Mieter Holthaus und der damaligen Eigentümerin der Immobilie. Es folgte eine zähe Hängepartie, doch inzwischen ist das ehemalige Kaufhaus abgerissen, an der Stelle lässt die Untermarkt 7-11 GmbH aus Grünwald ein neues Geschäfts- und Wohnhauses errichten.

Wolfratshausen: Hochbaukran bleibt bis Sommer/Herbst 2022 stehen

Vom Fortgang der Arbeiten am Untermarkt zeugt jetzt ein 30 Meter hoher gelber Hochbaukran des Wolfratshauser Unternehmens Krämmel. An den Anblick des riesigen Arbeitsgeräts werden sich die Wolfratshauser gewöhnen müssen: „Der Baukran bleibt bis Sommer beziehungsweise Herbst nächsten Jahres stehen“, sagt Bauleiter Andreas Reiser von der Gleichauf GmbH in Wolfratshausen im Gespräch mit unserer Zeitung.

Was braucht man, um einen Hochbaukran aufzubauen? Antwort: Einen kräftigen Autokran. Den 80 Tonnen schweren, fünfachsigen Koloss steuert Andreas Winkler, seit 33 Jahren Mitarbeiter bei der Tölzer Firma Hölzl. Ausgerüstet mit 20 Tonnen Kontergewicht kann der Autokran maximal 130 Tonnen in bis zu 60 Meter Höhe heben, erklärt Winkler. Dass es auf der Wolfratshauser Marktstraße recht eng zugeht, sieht der Experte entspannt. „Alles ist gut, keine Probleme“, sagt Winkler am Dienstagmorgen vor Ort.

An der prominenten Baustelle geht‘s eng zu

Auch in den Augen von Bauleiter Reiser stellt der Aufbau des Krans auf dem massiven Drehkreuz, das auf der B 11 vor der Baugrube steht, keine große logistische Herausforderung dar. Die Enge sei „hinderlich“, aber kein unüberwindbares Hindernis. Schließlich räumt auch der Fahrer des kleinen Peugeots das Feld, der seinen Pkw unvorsichtigerweise in der Parkbucht gegenüber der Großbaustelle abgestellt hatte.

Der Hochbaukran mit einer Ausladung von 50 Metern, der bis dato auf einer Baustelle in Geretsried im Einsatz war, „wird zerlegt, mit fünf, sechs Lkw nach Wolfratshausen transportiert und hier wieder zusammengesetzt“, erläutert Winkler. Die Einfahrt zur Marktstraße ist aus diesem Grund am Reiser-Eck an diesem Mittwoch noch bis gegen 14 Uhr gesperrt.

1100 Quadratmeter große Bodenplatte wird in vier Tranchen gegossen

„Bis Weihnachten“, kündigt Bauleiter Reiser an, soll die Bodenplatte gegossen sein. Ist der Bewehrungsstahl eingebracht, werde die rund 1100 Quadratmeter große Fläche „in vier Tranchen betoniert“. Benötigt werden insgesamt zirka 800 Kubikmeter Beton. Wegen des viel zitierten Rohstoffmangels sorgt sich Reiser nicht: „Der Beton ist verfügbar, es gibt keine Lieferprobleme.“ Viergeschossig wird das neue Geschäfts- und Wohnhaus, das mache es mit Blick auf die Statik nötig, „dass die Bodenplatte an manchen Stellen 80 Zentimeter dick sein muss“, so der Bauleiter. Das Ziel, den der Stahlbeton-Untergrund bis zum Weihnachtsfest fertig zu gießen, sei „durchaus sportlich“, gibt Reiser zu, „doch wir schaffen das“.

Das Projekt ist erheblich teurer als ursprünglich angenommen.

Frank Maiberger, Projektleiter der Untermarkt 7-11 GmbH

Guten Mutes ist auch der Projektleiter der Untermarkt 7-11 GmbH: „Es läuft, wir sind sehr optimistisch“, sagt Frank Maiberger. Froh sei er vor allem, „dass wir jetzt einen sauberen Zeitplan haben“. Immerhin genehmigte das Landratsamt in Bad Tölz den Bauantrag bereits im Herbst 2018 – doch vor allem Streitigkeiten mit den mittelbaren Nachbarn sorgten ein ums andere Mal für Verzögerungen. So musste der bereits begonnene Abriss des ehemaligen Kaufhauses gestoppt werden, rund 15 Monate blieb eine Ruine auf dem Grundstück stehen. Zudem gab’s bei Bohrungen für den Baugrubenverbau eine böse Überraschung. Im Untergrund fand sich ein alter Öltank, der aufwendig geborgen und fachgerecht entsorgt werden musste. 3,50 Meter tief ist die Baugrube, denn angelegt wird eine Tiefgarage für rund zwei Dutzend Pkw – die Stellflächen sind jedoch laut Baugenehmigung der Kreisbehörde exklusiv den künftigen Wohnungsmietern vorbehalten.

Ankermieter für den Neubau ist bereits gefunden

Die Querelen mit den Nachbarn sind inzwischen gütlich beigelegt. Maiberger ist zuversichtlich, dass der Rohbau des neuen Gebäudekomplexes im Herbst nächsten Jahres steht. Mit der kompletten Fertigstellung des Objekts, dessen Außenoptik dem denkmalgeschützten Altstadt-Ensemble entsprechen muss, rechnet der Projektleiter im Frühjahr 2023.

Nichts geändert hat sich laut Maiberger trotz der vielen Widrigkeiten, was den sogenannten Ankermieter betrifft. Das wird die Drogeriemarktkette Müller. Das Unternehmen betreibt derzeit eine Filiale am Obermarkt. Diese soll geschlossen werden – Müller will am neuen Standort ein deutlich umfangreicheres Sortiment anbieten. Nach Worten von Dr. Harald Mosler, Geschäftsführer der Untermarkt 7-11 GmbH, hat man einen langfristigen Mietvertrag mit Müller abgeschlossen. Die Laufzeit beträgt zehn Jahre.

Projektleiter Maiberger macht kein Geheimnis aus der Tatsache, dass die Grünwalder GmbH seit 2018 sehr viel Geld in das Vorhaben investierte: „Das Projekt ist erheblich teurer als ursprünglich angenommen.“ (cce)

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