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„Ich habe gesagt: Ihre Art ist sehr streng. Mehr nicht“: Die skurrilsten Zitate aus dem Amtsgericht

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Unter den wachsamen Augen Justitias spielen sich in den Gerichtssälen teils abenteuerliche Szenen ab.
Unter den wachsamen Augen Justitias spielen sich in den Gerichtssälen teils abenteuerliche Szenen ab. © dpa

Man bekommt so einiges zu hören bei den Strafprozessen am Wolfratshauser Amtsgericht. Wir haben die besten Zitate von Richtern, Zeugen und Angeklagten gesammelt.

Wolfratshausen - „Sie dürfen mich nicht fragen. Ich frage Sie, und Sie antworten. So ist das Spiel hier.“ Der Richter erklärt dem Angeklagten die Spielregeln der Strafprozessordnung.

„Das ist doch strafbar“: Die lustigsten und skurrilsten Zitate aus dem Amtsgericht

„Ich habe es noch nicht gesehen, aber ich glaube, seit gut 20 Jahren muss ich ein Schild vor dem Kopf haben, auf dem steht: Der ist dumm wie Brot. Erzähl’ ihm einfach eine Geschichte, er glaubt’s schon.“ Der Richter gibt dem Angeklagten zu verstehen, dass er an seiner Einlassung erhebliche Zweifel hat.

„Mein Vorschlag: Ich bin unschuldig.“ Ein Angeklagter greift dem Richter bei der Urteilsfindung unter die Arme.

Jugendlicher rastet bei McDonalds aus - Jugendgerichtshilfe wird deutlich

„Das ist einfach kein Auftreten. Man geht nicht zu McDonalds, schreit und pöbelt rum, nur weil man gestresst ist. Dafür müssen Sie einen anderen Kanal finden.“ Die Jugendgerichtshelferin liest einem Angeklagten (20) die Leviten. Der junge Mann hatte in dem Schnellimbiss den Filialleiter beleidigt und ihm einen Becher Cola übers Hemd geschüttet (dies allerdings womöglich unabsichtlich).

„Sie sind jetzt bald 21. Dann wird es sehr schnell sehr teuer oder sehr schnell sehr eng – in der Zelle.“ Der Staatsanwalt erläutert einem Heranwachsenden bei dessen sechster Verhandlung vor dem Jugendgericht, was ihn erwartet, wenn er als Erwachsener weiterhin Straftaten begeht.

Kokain- und Cannabis-Problem? Nein, alles eine Frage des Timings

„Haben Sie ein Problem mit Cannabis und Kokain?“, fragt die Richterin den Angeklagten, bei dem Rückstände beider Drogen in einer Blutprobe festgestellt worden waren. „Nein“, antwortet der Angeklagte. „Ich würde sagen, das war schlechtes Timing, dass ich genau an dem Tag, an dem ich angehalten worden bin, vorher zwei Nasen genommen habe.“

„Ich mach’ demnächst die Meisterschule“, sagt der mehrfach vorbestrafte Angeklagte, als er aufzählt, was sich in seinem Leben alles zum Positiven gewandelt hat. „Wo? In Stadelheim? Dann haben Sie eine Unterkunft gleich dazu“, entgegnet der Richter, um dem Angeklagten zu verdeutlichen, dass es eigentlich nur einen Weg gibt, für jemanden, der unter einschlägiger offener Bewährung denselben „Sch…..“ wieder macht.

„Ich weiß, dass ich schlechte Karten habe, zumindest hier auf Erden. Aber ich weiß, dass mir irgendwann Recht gesprochen wird. Spätestens oben im Himmel.“ Eine Angeklagte in ihrem letzten Wort.

„Autos sind mein Leben“ - auch beim illegalen Rennen

„Wie sieht’s heute mit Drogen aus?“, fragt der Richter den mehrfach wegen Drogendelikten vorbestraften jungen Angeklagten. „Betäubungsmittel, das ist längst vorbei. Früher habe ich viel gekifft…“, entgegnet der Angeklagte. „Und Bier?“, hakt der Richter nach. „Direkter Überkonsum ist nicht mehr seit dem Vorfall“, erwidert der Angeklagte, noch immer peinlich berührt, weil er im Suff Naziparolen grölend durchs Dorf gezogen war, weshalb er sich unter anderem wegen Volksverhetzung verantworten muss.

„Ich liebe Autos. Autos sind mein Leben. Ich interessiere mich sehr für sie. Wenn ich eins länger kenne, brauche ich ein neues.“ Ein junger Angeklagter (19), der wegen eines verbotenen Autorennens angeklagt ist, macht keinen Hehl aus seiner Leidenschaft für Automobile.

„Er führt sich wie ein Schluck Cola in der Kurve“

„Ich mag auch nicht, wenn man mir sagt, wie blöd ich bin. Aber irgendwann muss man es mal hören“, sagt der Richter zum Angeklagten, der sich während der Urteilsbegründung mächtig aufregt.

„Er führt sich auf wie ein Schluck Cola in der Kurve.“ Einschätzung des Richters zum Verhalten eines Verkehrsteilnehmers, der auf dem Weg zur Blutentnahme drei Polizisten beleidigte.

„Er lebt in einem Weiler. Öffentliche Verkehrsmittel gibt es da nicht. Da läuft nix – außer Fuchs und Hase.“ Rechtsanwalt begründet, warum sein Mandant, der mit 1,5 Promille am Steuer erwischt wurde, dringend seinen Führerschein zurückbekommen sollte.

„Es ist ihre Entscheidung: Wenn Sie weiter rauchen, gehen sie in den Knast, mit eineinhalb Beinen stehen sie schon drin.“ Staatsanwalt erklärt dem zu 18 Monaten Gefängnis auf Bewährung verurteilten Angeklagten, welche Folgen es hat, wenn er gegen das als Auflage angeordnete Konsumverbot von illegalen Drogen verstößt.

Staatsanwältin wird festgenommen? Skurrile Szenen beim Amtsgericht

„Sie haben denkbar schlechte Karten mitgebracht, aber die Karten haben Sie sich selber zusammengemischt.“ Richter erklärt dem Angeklagten, der sich wegen Abgabe von Drogen an Minderjährige verantworten muss, welchen Eindruck es für das Schöffengericht gemacht hat, dass er a) zum Gerichtstermin nicht erschienen war, b) von der Polizei vorgeführt werden musste, c) die Polizisten beim Abholen in seiner Wohnung fünf Gramm Marihuana sowie eine erntereife Cannabispflanze vorgefunden hatten.

„Ich erkläre hiermit die Festnahme der Staatsanwältin wegen Mitgliedschaft in einer terroristischen Vereinigung.“ Ein wegen Beleidigung und Bedrohung vor Gericht stehender Angeklagter, nachdem die Staatsanwältin die Anklageschrift verlesen hat.

„Die Bilder sind sicher eklig. Aber mal ehrlich: Früher war das Egon Schiele, heute haben wir das.“ Eine Verteidigerin will die pornografischen Bilder, die ihr Mandant ungebeten einer Internet-Bekanntschaft gesendet hat, relativieren und bemüht dazu den Vergleich mit einem der bedeutendsten Maler des österreichischen Expressionismus.

„Es gibt schönere Ausblicke beim Feierabendbier im Garten. Es war der erste schöne Frühlingstag, und ich habe mich genau da hingestellt, wo ich ihm die Sonne wegnehme.“ Ein Geschädigter empfindet Mitgefühl mit dem Angeklagten. Dieser war verbal ausgerastet, weil der Nachbar ihm sein mächtiges Wohnmobil jahrelang penetrant vor den Gartenzaun gestellt hatte.

„Bei der Urinprobe bescheißen, das ist das Letzte“

„Ihr Verhalten bereitet Sorgen: Erst mal immer drauflos und dann nachdenken. Das zu ändern wird vielleicht eine Lebensaufgabe sein, es ist ein tief verwurzeltes Verhalten.“ Einschätzung des Staatsanwalts zu der 17-jährigen Angeklagten, die auch im Gerichtssaal durch ihr impulsives Verhalten und extreme Emotionsschwankungen auffällt.

„Bei der Therapie haben sie gleich kehrtgemacht. Das sieht nicht gut aus, die Kollegen am Berufungsgericht sind stocksauer. Und bei der Urinprobe bescheißen, das ist das Letzte.“ Die Richterin schimpft mit dem Angeklagten, der bei zweifach offener Bewährung mehrmals gegen Weisungen der Führungsaufsicht verstoßen hat, unter anderem indem er eine Urinprobe mittels einer Penisattrappe abgeben wollte.

„Einer sagt es so, ein anderer sagt’s anders. Na toll!“ Richter über die Krux von Aussage gegen Aussage.

„Es ist erschreckend, wenn jemand einen Strafbefehl erhält, und nicht einmal eine Woche später, säuft er sich die Hucke voll mit köstlichem Pflaumenschnaps und randaliert auf der Polizeiinspektion.“ Richter zeigt Unverständnis für einen Angeklagten. Wenige Tage nachdem er wegen fahrlässiger Körperverletzung verurteilt worden war, hat er mit 2,8 Promille Alkohol im Blut erst einen Verkehrsunfall gebaut und sich dann massiv dagegen gewehrt, in die Ausnüchterungszelle verfrachtet zu werden.

„Meine Güte. Ich werde irre. Was einem hier für Geschichten aufgetischt werden.“ Der Richter verzweifelt an der Kreativität, mit der der Angeklagte seine Einlassung garniert.

Nach dem Knast ist vor dem Knast: Junger Angeklagter ist Dauergast vor Gericht

„Ich habe nichts manipuliert. So blöd bin ich als Elektriker nicht. Das ist doch strafbar.“ Ein Angeklagter gibt sich entrüstet, weil man ihm bei seinem beruflichen Hintergrund zutraut, in der Notunterkunft, die ihm von der Stadt zur Verfügung gestellt worden war, drei Jahre lang Strom abgezapft zu haben.

„Sie entwickeln eine Lebenslinie nach dem Motto: Nach dem Knast ist vor dem Knast. Es wird ein Drama werden: Sie verlieren den Überblick, wofür sie gerade wieder in Haft sitzen.“ Jugendgerichtshelfer zum jungen Angeklagten, der trotz bereits abgesessener längerer Arreste, immer wieder straffällig wird.

„Ich kann mich schnell nicht mehr erinnern, wenn ich Alkohol getrunken habe“, erklärt ein jugendlicher Angeklagter, der mit 1,8 Promille Ausländer beleidigt hat und von der Polizei mit Handschellen gefesselt werden musste, weil er bei der Kontrolle völlig ausgerastet war.

Nicht betrunken - aber ganz schön besoffen

Angeklagter zum Richter: „Es tut mir leid.“ Richter zum Angeklagten: „Das ist schön, aber wir müssen Sie bestrafen.“

„Sie haben mich angefasst und das mag ich nicht. Sie haben mich angelogen, und das mag ich auch nicht“, rechtfertigt sich der Angeklagte, warum er Polizisten wüst beleidigt hat. Bei dem Beamten entschuldigt er sich im Gerichtssaal und empfiehlt: „Bitte das nächste Mal einfach sagen: Mitkommen! Aber nicht anfassen, das mag ich nicht.“

„Da schau’ ich mir lieber Battle of Britain an.“ Ein Angeklagter zeigt wenig Interesse an dem Video der Body-Cam-Aufzeichnung, die seine wüsten Aussetzer dokumentiert.

„Er war nicht betrunken, er war besoffen.“ Ein Verteidiger weist auf einen kleinen, aber entscheidenden Unterschied beim Zustand seines Mandanten zur Tatzeit hin.

„Ich kann mir die Beleidigungen nicht erklären. Ich habe mit Polizisten immer nur gute Erfahrungen gemacht. Aber jetzt sind neue Polizisten da, das ist wohl ein Problem.“ Der Angeklagte, der für die Polizei kein Unbekannter ist, rätselt, warum er gegenüber den Gesetzeshütern nach Jahren friedlichen Umgangs plötzlich ausgerastet war.

„Vor mir sitzt ein Häufchen Elend.“ Richter zeigt Mitgefühl für den vom Alkohol gezeichneten Angeklagten.

Augustiner-Bier statt Cannabis: Angeklagter zieht seine Schlüsse

„Solche Promille haben wir bei Jugendlichen selten. In der Rockmusik sagte man dazu früher Keith-Richards-Pegel.“ Jugendgerichtshelfer zu einem 19-jährigen Angeklagten, der mit 2,34 Promille am Steuer erwischt worden ist.

„Ich habe gesagt: Ihre Art ist sehr streng. Mehr nicht“, beteuert der Angeklagte, dem zur Last gelegt wird, die Mitarbeiterin einer Ausländerbehörde als „rassistische Person“ bezeichnet zu haben. Nach kurzem Überlegen ergänzt der Mann: „Sie ist schwanger, vielleicht hat sie es falsch gehört.“

„Ich habe mit Cannabis aufgehört. Zwei Augustiner tun es genauso.“ Angeklagter, der wegen Handelns mit und Besitzes von Betäubungsmitteln vor Gericht steht, beteuert, nur noch legale Drogen zu konsumieren.

„Man kann ihn schlichtweg in der Pfeife rauchen, diesen Zeugen. Er erzählt uns Räuberpistolen – ich weiß nur nicht, welche richtig ist.“ Richter zeigt sich ratlos, wovon der Angeklagte profitiert, der vom Vorwurf des Drogenhandels freigesprochen wird. Die Anklage basierte auf den Aussagen des Zeugen, der vor Gericht jedoch „einen großen Eiertanz“ hinlegte.

„Ich bin ein Schisser.“ Lautet die Antwort eines Zeugen, warum er nicht eingegriffen oder wenigstens sofort die Polizei gerufen hat, als seine Lebensgefährtin von deren Ex-Freund bedroht und gewürgt worden war.

„Man kann ablegen – vorerst nur die Masken.“ Richter lockert in der Sitzung die Corona-Regeln.

„Ich möchte mich entschuldigen. Was kann ich sonst tun, dass ich nicht eingesperrt werde?“, fragt der Angeklagte, als ihm zum letzten Mal das Wort erteilt wird. Er endet: „Herr Richter, bittschön, san’s nicht zu hart.“

„In Deutschland sagt man, er erzählt eine Geschichte vom toten Hund. Bitte übersetzen!“, fordert der Richter die Dolmetscherin auf, dem Angeklagten mitzuteilen, dass er ihn für unglaubwürdig hält.

„Kinder?“, fragt der Richter, als er die persönlichen Verhältnisse der betagten Angeklagten erörtert. Er bekommt ein entschiedenes „Nein“ zur Antwort. Und die Begründung: „Mein Mann hatte vier aus erster Ehe, da hab ich keine mehr drauf gebraucht.“

Der Richter stimmt die Personalien des Angeklagten ab. „Aus Schweinfurt, ein Franke?“, stellt er fest. „Ja“, antwortet der Mann. „Kann man nix dafür“, sagt der Richter. „Ne, kann man nix dafür“, erwidert der Angeklagte. „Es gibt Schlimmeres“, fährt der Richter fort: „Man könnte auch Rheinländer sein.“ Da fährt sich der Verteidiger schnaufend durch die Haare: „Ich hätte es mir denken können, dass so ein Spruch kommt.“

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