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„Das ist Sprachverhunzung“: Geltinger ärgert sich über Werbeslogan der Raiffeisenbank

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Von: Franziska Konrad

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Mann schaut auf Werbeplakat der Raiffeisenbank.
„Shop it like it’s hot“: Ein Kunde betrachtet das Plakat vor der Raiffeisenbank Isar-Loisachtal in Wolfratshausen, mit dem die Genossenschaftsbank derzeit für das flexible Bezahlen mit der Kreditkarte wirbt.  © Sabine Hermsdorf-Hiss

Englischsprachige Werbung ist in Deutschland schon lange nichts Neues mehr. Trotzdem bringt ein Werbeslogan der Raiffeisenbank Isar-Loisachtal einen Geltinger in Rage - und das gleich aus mehreren Gründen. Die Bank bezieht Stellung zu den Vorwürfen.

Bad Tölz-Wolfratshausen – „Shop it like it’s hot“: Mit diesem Slogan in großen pinken Lettern auf grellgelben Hintergrund wirbt die Raiffeisenbank Isar-Loisachtal derzeit für das Zahlen mit Kreditkarte. Englischsprachige Werbung ist in Deutschland längst nichts Neues mehr. Doch als Dieter Weckerle (81) beim Geldabheben das Plakat entdeckte, ging dem Geltinger die Hutschnur hoch – und das aus mehreren Gründen.

Ich finde das schlichtweg unmöglich.

Dieter Weckerle, Bankkunde aus Gelting

„Ich finde das schlichtweg unmöglich“, beschwert sich der 81-Jährige gegenüber unserer Zeitung. In seinen Augen stellt die Werbung eine eindeutige „Sprachverhunzung“ dar. Das Unternehmen sei schließlich eine überwiegend im ländlichen Raum etablierte Genossenschaftsbank, so Weckerle. Er ist sich sicher: „Für solch’ einen Spruch finden sich doch auch deutsche Begriffe.“

Außerdem gibt der Ingenieur zu bedenken, dass längst nicht jeder gut Englisch spreche. Diese Menschen stünden vor dem Problem, den Slogan überhaupt zu verstehen. „Das ist doch alles wichtigtuerisch. Nur damit man sagen kann: ,Schaut her, wir werben auf Englisch‘“, macht Weckerle seinem Ärger Luft. Er empfindet die farbenfrohe Aktion daher als „Anbiederung, Wichtigtuerei und Arroganz“ seitens der Bank.

Geltinger empfindet Werbeaktion der Bank als „Anbiederung, Wichtigtuerei und Arroganz“

Dieter Weckerle
Dieter Weckerle, Raiffeisenbankkunde aus Gelting. © Privat

Warum dem 81-Jährigen die Sache so nahe geht, ist schnell erklärt. „Ich liebe einfach die deutsche Sprache“, sagt Weckerle. Aus diesem Grund trat er vor einem Jahr dem Verein der Deutschen Sprache bei. Dieser setzt sich unter anderem für die deutsche Sprache in Politik, Medien und Wissenschaft ein.

In Prinzip sei er ja sehr zufrieden mit seinem Geldinstitut, sagt der Geltinger. Schon seit 50 Jahren ist er dort Mitglied, seit 40 Jahren hält er Anteile an der Genossenschaft. Umso mehr hofft er, dass seine Botschaft ankommt – und die Bank englische Slogans künftig unterlässt. „Sonst werde ich weiter intervenieren“, kündigt Weckerle an. Denn: „Über so etwas darf man sich nicht nur ärgern, sondern muss etwas dagegen tun. Sonst schreitet das immer weiter voran.“ Seinen Standpunkt hat er der Bank per E-Mail mitgeteilt. Eine Antwort darauf erhielt Weckerle bislang – Stand Dienstag – nicht.

Von unserer Zeitung mit den Vorwürfen konfrontiert, reagiert die Raiffeisenbank zurückhaltend. Andreas Pentenrieder, Leiter der Marketing- und Öffentlichkeitsarbeit, betont jedoch: Die aktuelle Kampagne sei bayernweit bei allen Volks- und Raiffeisenbanken zu sehen – ergo auch bei der Raiffeisenbank Isar-Loisachtal. Im Internet spielt die Raiffeisenbank die Trumpfkarte aus, seit 120 Jahren in der Region verwurzelt zu sein – das steht aus Sicht Pentenrieders nicht im Widerspruch zu englischsprachiger Werbung.

Werbeslogan in allen bayerischen Volks-und Raiffeisenbanken zu sehen

Zwar halte die Raiffeisenbank bayerische Werte und Traditionen hoch, „gleichzeitig müssen wir aber den Zeitgeist treffen“, so Pentenrieder. „In unserer Regionalbank sprechen wir schließlich auch kein tiefstes Oberbayerisch“, fügt er an. Zudem sei die Raiffeisenbank darauf bedacht, mit ihrer Werbung eine breite Öffentlichkeit anzusprechen. Bei jungen Menschen seien Anglizismen inzwischen „Standard“, so der Marketingchef.

Andreas Pentenrieder
Andreas Pentenrieder von der Raiffeisenbank Isar-Loisachtal. © Archiv

Raiffeisenbank Isar-Loisachtal: Bayerische Werte halten und gleichzeitig den Zeitgeist treffen

Spontan übersetzen möchte er den Werbespruch „Shop it like it’s hot“ nicht – und verweist stattdessen auf den Genossenschaftsverband. Die E-Mail von Weckerle sei „nach oben“ weitergeleitet. worden: „Ich gehe davon aus, dass darauf reagiert wird.“ Eine letzte Bemerkung kann sich Pentenrieder – mit einem Augenzwinkern –nicht verkneifen: „Werbung soll ja immer Aufmerksamkeit erzeugen. Zumindest das haben wir geschafft.“

Und was sagt uns der Slogan nun? Nutzt man ein Übersetzungsprogramm im Internet, dann heißt der Satz „Shop it like it’s hot“ auf Deutsch: „Kauf es ein, als wäre es heiß.“

Sicherheitsabstand, abgesagte Termine und kein Händeschütteln: Seit der Coronakrise stehen die Banken im Landkreis unter neuen Herausforderungen.

kof

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