+
Persönliche Infos im Netz: Datenschützer fordern mehr Aufklärung in den Schulen. Wie sieht das im Landkreis Bad Tölz-Wolfratshausen aus? 

Medienkompetenz an Schulen 

Datenschutz im Internet: Wie aufgeklärt sind die Schüler im Landkreis?

  • schließen

Kinder und Jugendliche gehen zu sorglos mit persönlichen Informationen im Internet um, warnen Datenschützer immer wieder – und fordern mehr Aufklärung im Unterricht. Wie sieht es damit in den Schulen des Landkreises aus?

Bad Tölz-Wolfratshausen – Ein freizügiges Foto, dem Freund schnell per Kurznachrichtendienst aufs Handy geschickt: Das kann nach dem Beziehungs-Aus leicht zum unkontrollierbaren Bumerang werden. „Solche Fälle von Cyber-Mobbing, bei denen das Vertrauen der Kinder zutiefst verletzt wird, passieren praktisch jede Woche“, sagt Magdalena Singer, Schulleiterin der Geretsrieder Mittelschule. Und das, obwohl das Thema Medienkompetenz und Datensicherheit in ihrer Schule systematisch behandelt wird: In der fünften Klasse machen die Kinder einen Medienführerschein, den die Caritas anbietet. Ab der siebten Klasse gehört der Datenschutz im Fach Wirtschaft zum Lehrplan.

Auch sonst sprechen Klassleiter das Thema immer wieder an, oft in Zusammenarbeit mit dem Schulsozialarbeiter oder Medienpädagogen, erklärt Singer. Ihrer Meinung nach ist das Problem aber nicht allein durch Aufklärung zu lösen: „Es geht auch um die persönliche Reife. Wir versuchen Kinder stark zu machen, damit sie es nicht nötig haben, zu viele Details von sich im Internet zu präsentieren.“

Erhebliche Defizite im Bereich Medienkompetenz sieht Dr. Hermann Deger ebenfalls bei den Lehrern. „Wir kennen uns da selbst zu wenig aus“, räumt der Rektor des Gymnasiums Geretsried selbstkritisch ein. Unterstützung erhofft er sich vom Projekt „Bayern digital“ des Wirtschaftsministeriums, das künftig die Medienkompetenz der Schulen stärken soll. Bislang gebe es kaum entsprechende Fortbildungen fürs Kollegium, so seine Erfahrung. Auch im Fach Informatik komme der Bereich Datensicherheit zu wenig zur Sprache.

Sicherheitstraining und Medien-Scouts

Einige Schulen setzen deshalb auf externe Experten. Das Tölzer Gabriel-von-Seidl-Gymnasium bietet Schülern und Eltern jedes Jahr ein spezielles Medien-Sicherheitstraining an. In getrennten Veranstaltungen konfrontiert ein IT-Spezialist sie mit den schockierenden Folgen, die der sorglose Umgang mit persönlichen Daten haben kann. Offenbar mit Erfolg: „Mobbing in sozialen Netzwerken ist bei uns kein größeres Problem“, erklärt Thomas Zimmermann, der im Schulleitungsteam für Mediendidaktik zuständig ist. Auch im Unterricht werde die Datensicherheit fächerübergreifend wiederholt thematisiert.

Ein anderes Konzept fährt die Montessori-Schule in Dietramszell: Hier kommen seit Beginn dieses Schuljahres sogenannte Medien-Scouts zum Einsatz. Das seien Schüler und Schülerinnen, die ihren Altersgenossen den verantwortlichen Umgang mit dem Handy und sozialen Netzwerken nahebringen sollen, erklärt Rektor Dr. Michael Rettinger. Die Idee: In wöchentlichen Treffen mit der Beratungslehrerin und einem Sozialpädagogen erfahren die Medien-Scouts alles Wichtige zum Umgang mit sozialen Medien. Dies tragen sie als Multiplikatoren in die Jahrgangsstufen weiter. Auf der anderen Seite profitieren die Lehrer auch von den Schülern, gibt der Schulleiter zu: „Die wissen oft besser, welche Kanäle wie genutzt werden.“

Info-Abende für Eltern nur „dünn besucht“

In der Realschule Geretsried lernen alle Schüler ab der sechsten Klasse im Fach Informationstechnologie den sicheren Umgang mit IT-Programmen und dem Internet. „Dazu gehört der Datenschutz“, betont Schulleiter Christian Zingler. Er ist überzeugt, dass das Thema Medienkompetenz im Unterricht seines Hauses gut abgedeckt ist. Aber: „Inwieweit die Schüler das dann umsetzen, ist manchmal dürftig.“ Um die Eltern mit ins Boot zu holen, bietet die Schule regelmäßig Info-Veranstaltungen am Abend an. „Leider sind diese Termine meistens relativ dünn besucht“, klagt Zingler.

„Wenn die Eltern nicht mitspielen, ist das alles vergebliche Mühe“, sagt auch die Rektorin der Dietramszeller Grund- und Mittelschule, Marianne Leubner. Bereits in den Grundschulklassen betreiben die Lehrer zusammen mit externen Experten „Aufklärung ohne Ende“, in den höheren Jahrgangsstufen sei in den Fächern Wirtschaft und Informatik die Medienkompetenz fest verankert. Dennoch hält sie es für erschreckend, welch große Lücke zwischen Theorie und Praxis klaffe. „Was die Kinder dann privat zu Hause machen, darauf haben wir keinen Einfluss.“

Auch interessant

Meistgelesene Artikel

XXXLutz: Möbel-Mahler-Schriftzug ist weg – und es passiert noch mehr
Rund um das ehemalige Möbel Mahler-Gebäude in Wolfratshausen wird fleißig gearbeitet. Der alte Schriftzug schon wurde abgenommen. Sprecher Volker Michels berichtet, wie …
XXXLutz: Möbel-Mahler-Schriftzug ist weg – und es passiert noch mehr
Egerländer Gmoi hat heuer viel vor: Nächster Termin ist die Maifeier
Die Egerländer Gmoi aus Geretsried ist eine der aktivsten in ganz Deutschland. Auch in diesem Jahr stehen viele Termine an. 
Egerländer Gmoi hat heuer viel vor: Nächster Termin ist die Maifeier
So feiert Wolfratshausen den Welttag der Partnerstädte am Wochenende 
Am Wochenende erlebt Wolfratshausen eine Premiere: Am Sonntag, 29. April, ist der „Internationale Tag der Partnerstädte“. Für die Bürger ist einiges geboten.
So feiert Wolfratshausen den Welttag der Partnerstädte am Wochenende 
Sekundenschlaf: Frau (29) prallt gegen Baum
Gottlob hatte eine Dietramszellerin (29) ihr zweijähriges Kind ordnungsgemäß gesichert. Sie fiel am Steuer ihres Wagens in Sekundenschlaf prallte gegen einen Baum.
Sekundenschlaf: Frau (29) prallt gegen Baum

Kommentare