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Unerwartet in die Höhe gestiegen sind die Kosten für das Flussfestival 2017. Bei den Akrobatikkünstlern der „The African Night“ war die Luftnummer geplant. 

Kulturmanagerin erklärt Ausgaben

Defizit ist „viel zu hoch“: 220.000 Euro Steuergeld für Flussfestival

Das Wolfratshauser Flussfestival 2017 kostet die Steuerzahler 220.000 Euro. Ein Defizit war zwar erwartet worden, doch von der Höhe war auch die Kulturmanagerin überrascht – und versuchte, die Summe zu erklären.

Wolfratshausen – 18 Konzerte- und Theater-Aufführungen begeisterten unterm Strich über 6500 Zuschauer. Das Flussfestival 2017 war das größte der bislang drei – und das mit Abstand teuerste. Summa summarum beträgt das Defizit für die Stadt 216.926 Euro. In der Sitzung des Ausschusses für Kultur, Jugend, Sport und Soziales erklärte Kulturmanagerin Marion Klement am Donnerstagabend, wie das Minus zustande kam.

Kulturmanagerin: „Ich war auch überrascht“

Die Stadt machte sich im Vorfeld keine falschen Hoffnungen und plante ein Defizit ein. Kulturmanagerin Klement hatte allerdings damit gerechnet, „unter den 160.000 Euro Defizit des Flussfestivals 2015 zu bleiben“. Dieses Ziel sei erreicht worden, mutmaßte Bürgermeister Klaus Heilinglechner noch im Juli vergangenen Jahres kurz nach Abschluss des Festivals. Das Rechnungsergebnis spricht eine deutlich andere Sprache. „Ich war davon auch überrascht“, räumte Klement in der Sitzung des Fachausschusses am Donnerstag ein. Diverse „unerwartete Ausgaben“ hätten das Defizit in die Höhe getrieben. Und: Bekannte Künstler wie Rainhard Fendrich, der zum Auftakt des Festes spielte, würden eben höhere Kosten mit sich bringen.

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Ein Beispiel: Bei früheren Auflagen des Festivals nutzten die Künstler die sanitären Einrichtungen im Wirtshaus Flößerei oder die bereitgestellten mobilen Toiletten für das Publikum an der alten Floßlände. „Dieses Mal mussten wir einen eigenen Sanitärbereich einrichten.“ Da an der alten Floßlände kein Wasseranschluss zur Verfügung steht, musste eine schwimmende Wasserleitung durch die Loisach angelegt werden. „Solche unerwarteten Dinge verursachen hohe Ausgaben“, sagte Klement. Auch die Kosten für das Personal, für den Bauhof, die Bühnentechnik und für Werbung waren höher als bei den ersten beiden Festivals. Nichtsdestotrotz sei die Veranstaltungsreihe ein Erfolg gewesen, betonte die Kulturmanagerin. „Das ist ein großartiges Festival, das in Wolfratshausen und über die Stadtgrenzen hinaus große Anerkennung genießt.“

Bürgermeister: „Das Defizit ist zu hoch“

Die Mitglieder des Kulturausschusses widersprachen Klement in diesem Punkt nicht. Rathauschef Klaus Heilinglechner betonte aber: „Wir sind uns alle einig: Das Defizit ist zu hoch.“ Dass die Stadträte grundsätzlich ein Minus einplanen, „ist nicht unbedingt das, wonach ich strebe“, sagte CSU-Stadtrat Peter Plößl. Er erhoffe sich beim Flussfestival 2019 höhere Einnahmen und ein geringeres Defizit. Plößl schlug daher vor, mehr Plätze für Zuschauer zu schaffen, um mehr Eintrittsgelder einzuspielen. Das regte auch SPD-Rätin Roswitha Beyer an. „Das sollte organisatorisch möglich sein.“ Das Defizit ist in Beyers Augen „viel zu hoch. Ich fürchte mich jetzt schon vor 2019, wenn wir nichts ändern.“

Eine solche Angst treibt Kulturmanagerin Klement nicht um: „Das Festival wird nicht weiter wachsen. Die Ausgaben werden also nicht mehr dramatisch steigen.“ Sie plant, auf „heftige Sponsorensuche“ zu gehen. Außerdem denkt Klement darüber nach, „etwas an den Eintrittspreisen zu machen“. Eine Ticketpreiserhöhung könnte das Minus reduzieren.

Einig war sich das Gremium, das Flussfestival weiterzuführen. „Wir hängen daran und wollen das behalten“, betonte Kulturreferent Alfred Fraas (CSU). Auch Bürgermeister Heilinglechner möchte an der Veranstaltungsreihe festhalten. „Auch wenn wir damit vermutlich immer im Defizit bleiben werden.“

Dominik Stallein

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