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Einen runden und schönen Konzertabend bescherten die vier jungen Streicher vom Delian-Quartett ihrem Publikum in der Loisachhalle.

Schwere Kost, hervorragend zubereitet

Delian-Quartett spielte in der Loisachhalle

Wolfratshausen – Das bekannte Delian-Quartett machte Station in der Loisachhalle. Die Musiker schickten die Zuhörer auf eine musikalische Reise.

Wiener Klassik, dazu eine Reise vom Barock über die Romantik bis nach Russland – das Abendständchen zum Muttertagsausklang in der Loisachhalle hätte nicht schöner sein können. Leider blieben wieder einmal einige Plätze leer, obwohl der Konzertverein Isartal für die vier Ausnahmemusiker des Delian-Quartetts kräftig die Werbetrommel gerührt hatte.

Nicht nur der Kritiker, auch die Besucher und nicht zuletzt die Künstler erfreuten sich wieder einmal am fantastischen Programmheft von Reinhard Szyszka: Knapp, aber fundiert und verständlich führte er durch den Dschungel der Fakten. Vier Werke standen auf der „Playlist“, zu Beginn Joseph Haydns Streich-quartett h-Moll. Zu Recht gelten die sechs Streichquartette als ein Meilenstein der Musikgeschichte und der Wiener Klassik. 1781 erschienen, schlägt Haydn am Vorabend der Französischen Revolution schon den Bogen ins 19. Jahrhundert. Adrian Pinzaru und Andreas Moscho (Violine), Georgy Kovalev (Viola) und Miriam Prandi (Violoncello) interpretierten einfühlsam und strichsicher die vier Sätze und wanderten auf schmalem Grat zwischen Frühling im Prater und Wiener Morbidität. Ein Blick in die Mienen der vier jungen Streicher, und man wusste, dass klassische Musik glücklich machen kann.

Die zweite Pretiose vor der Pause war die Theater-Suite für Streichquartett von Dmitri Schostakowitsch „Wir fanden diese Schätze in Moskauer Archiven, als Beleg, was aus diesem Russen hätte werden können, wäre er in einem anderen System groß geworden“, erzählte Andreas Moscho. Das Quartett bot Kompositionsbeispiele für eine „Hamlet“-Inszenierung, die 1932 für einen handfesten Moskauer Theaterskandal gesorgt hatte. Die Musik von Schostakowitsch war am Skandal aber nicht beteiligt, und als er für Molières Romanzyklus „Die Menschliche Komödie“ Kompositionen beisteuerte, feierten die Moskauer diesen Tonsetzer überschwänglich.

Die Interpretation des Delian-Quartetts war mal zart schmeichelnd, mal berauschend heftig, und nicht zuletzt die Schlusswendung zu Shakespeares „Hamlet“ setzte grandiose Akzente: Der Dialog zwischen Rosencrantz und Guildenstern sowie die Pantomime der Schauspieler gehörten mit zum Schönsten, was dieses Konzert dem Publikum zu bieten hatte.

Nach der Pause ging’s zurück in den Barock: „Die Kunst der Fuge“, das letzte Werk Johann Sebastian Bachs, thematisierte in fünf von 18 Einzelsätzen das drei- bis vierstimmig geschriebene Werk. „Trotz aller Theorie bleibt es großartige Musik, und wir hoffen, dass Ihnen unsere Auswahl gefällt“, so Moscho. Daran bestand kein Zweifel, der Applaus war höchster Lohn für schwere Kost, die aber hervorragend zubereitet gereicht wurde: vom Delian-Quartett hoch konzentriert gespielt und meisterhaft interpretiert.

Den Schlusspunkt setzte das kaum gespielte Streichquartett Nr. 4 C-Dur von Franz Schubert. Er hatte es in fünf Tagen für den Hausgebrauch geschrieben. Ein Jahr zuvor hatte Schubert mit dem Kontrapunkt-Unterricht bei Antonio Salieri begonnen, und hier setzte er das Gelernte durchaus gekonnt um, mit einer eigenwilligen Mischung aus Sonaten- und Fugenform. Voller jugendlicher Lebensfreude, manche Passage recht leichtsinnig, doch ist durchgängig Schuberts Leidenschaft zu spüren. Und es drängt sich eine Parallele zu Schostakowitsch auf: Was hätte dieser Franz Schubert noch alles komponieren können, wäre ihm ein längeres Leben beschert gewesen? Ein runder und schöner Konzertabend.

von Dieter Klug

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