Ein Mann vor Regalen.
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Nudeln, Toilettenpapier und Liköre: Johannes Woll, Betreiber des Modegeschäfts „redstone“ am Wolfratshauser Untermarkt, hat sein Angebot kurzerhand erweitert.

Das „redstone“ in Wolfratshausen

Dem Lockdown entgehen: Wolfratshauser Modegeschäft ist nun Gemischtwarenladen

Das Modegeschäft „redstone“ in Wolfratshausen hat sein Sortiment erweitert. So entgeht Betreiber Johannes Woll dem Lockdown. Dafür muss sich der 50-Jährige Kritik gefallen lassen.

  • Bekleidungsgeschäfte sind derzeit wegen der Infektionsschutzbestimmungen geschlossen.
  • Das „redstone“ in Wolfratshausen hat kurzfristig sein Sortiment erweitert - und ist offen.
  • Betreiber Johannes Woll sieht sich im Recht, muss sich aber Kritik gefallen lassen.

Wolfratshausen – Modegeschäfte sind aufgrund der verschärften Lockdown-Bestimmungen geschlossen. Eigentlich. Denn Johannes Woll, der sich Mitte dieses Jahres mit der Eröffnung des „redstone“ am Untermarkt einen Traum erfüllte, hat seinen Laden wieder aufgesperrt. Neben Hoodies, Jeans und T-Shirts liegt nun Toilettenpapier im Regal. Nudeln, Snacks, Wein und Liköre gehören ebenfalls zum Angebot. Woll sieht sich im Recht, aber auch mit massiver Kritik konfrontiert.

Woll bezeichnet es als einen Überlebenskampf. Denn: Fast alle Einzelhändler, die von der staatlich angeordneten Zwangsschließung betroffen sind, würden mit Überbrückungshilfen finanziell unterstützt. Teilweise richten sich diese im Einzelhandel nach den Umsätzen des Vorjahres – „da gab es unseren Laden aber noch nicht“, sagt Woll. Weil das „redstone“, das er zusammen mit Geschäftspartnerin Martina Petz führt, nicht als GmbH, sondern als Gesellschaft bürgerlichen Rechts (GbR) angemeldet wurde, bleiben Woll und Petz nach eigenen Angaben Finanzspritzen verwehrt. „In einer GmbH könnten wir uns unsere Fixkosten zum Teil ausbezahlen lassen. Unsere Gehälter würden mit einberechnet – davon sehen wir aber aktuell gar nichts“, erläutert der 50-Jährige. Bei all den Unterstützungsangeboten „fallen wir als Gründer mit unserem Geschäft durch alle Raster“.

Wie lange ein Unternehmer komplett ohne Einnahmen, aber mit laufenden Kosten, bestellten Waren und ohne Rücklagen aus langjährigem Betrieb überleben kann? Woll hatte kein Interesse daran, es auszuprobieren. „Ich hätte mich darüber beschweren können, wie es läuft, oder ich werde halt kreativ“, stellt er im Gespräch mit unserer Zeitung. fest

In sozialen Netzwerken wird Kritik laut

Was er als Kreativität bezeichnet, beurteilen manche Zeitgenossen in sozialen Netzwerken wie Facebook als „Unterlaufen der Maßnahmen“, „Schlupfloch“ oder schlicht und einfach als „nicht in Ordnung“. Woll sieht das anders: Dass er Lebensmittel in seinem Geschäft anbieten dürfe, habe er bereits bei der Gewerbeanmeldung Ende März 2020 sichergestellt. Snacks, Schutzmasken und Kosmetikartikel hatte er bereits vor dem zweiten Lockdown in seinem Sortiment. Mit regionalen Produkten erweiterte Woll das „redstone“-Sortiment. Zwei Anwälte hätten das Vorhaben geprüft, die Stadt, konkret das Gewerbe- und Ordnungsamt sowie das Landratsamt in Bad Tölz hat Woll nach eigenen Worten ebenfalls konsultiert. Einsprüche habe es nicht gegeben, ergo setze er seinen Plan in die Tat um.

Wir müssen nach jedem Strohhalm greifen, sonst gibt es uns nach dem Lockdown nicht mehr.“

Johannes Woll, Betreiber des „redstone“ in Wolfratshausen

„Wir halten uns an alle Vorgaben“, beteuert er. Seine Ladenöffnung sei, weil das „redstone“ eine „Gemischtwarenhandlung“ sei, aus juristischer Sicht in Ordnung – und für ihn und seine Geschäftspartnerin Petz überlebensnotwendig: „Wir müssen nach jedem Strohhalm greifen, sonst gibt es uns nach dem Lockdown nicht mehr.“

Der Geschäftsgründer weiß, dass es mehreren Unternehmern so geht wie ihm – und er setzt auf Solidarität: „Ich könnte mir vorstellen, bestellte Waren von anderen Geschäften in meinem Laden abholen zu lassen“, sagt er. Aufpreise würde er von seinen Kollegen dafür nicht verlangen. Woll: „Es geht doch auch darum, dass wir alle es gemeinsam durch die Krise schaffen.“ Eine weitere Idee des Münsingers: „Die geöffneten Geschäfte könnten Gutscheine für die Geschlossenen verkaufen, um sie zu unterstützen.“ (dst)

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