Eine historische Aufnahme aus dem Jahr 1926 vom Bau der Andreasbrücke
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Der Bau der Andreasbrücke: Das Bild entstand im Jahr 1926. 1928 war das Bauwerk fertig. Es verbindet den Untermarkt und die Bahnhofstraße.

Der Retter von Wolfratshausen

Er rettete zum Weltkriegsende viele Menschenleben

  • Volker Ufertinger
    vonVolker Ufertinger
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Zum Weltkriegsende herrschte Panik. In Wolfratshausen verhinderte ein Mann allerdings, dass noch mehr Menschen ihr Leben lassen mussten: Major Dr. Karl Luber.

Wolfratshausen – Die Stadt Wolfratshausen könnte in den nächsten Tagen einen Mann ehren, der am Ende des Zweiten Weltkriegs die friedliche Übergabe der Stadt an die anrückenden Amerikaner ermöglichte: Major Karl Luber, Wer war er? Woher kam er, und wie ging es mit ihm nach dem Krieg weiter? Hobby-Historiker Christian Steeb, der Luber sein Leben verdankt – bei der Ende April 1945 im letzten Moment verhinderten Sprengung der Andreasbrücke spielte Steeb als Bub wenige Meter entfernt im Garten – hat sich über viele Jahre hinweg sich auf die Spur jenes Mannes begeben, Archive ausgewertet und mit vielen Zeitzeugen gesprochen.

Darunter ist auch der 2014 verstorbene Stadtpfarrer Ulrich Wimmer, der Luber noch interviewt hatte. All das ist nachzulesen in Steebs Buch „Der erste und der letzte Tag des Dritten Reiches in Wolfratshausen“.

In Lubers Leben spiegelt sich die ganze Dramatik des 20. Jahrhunderts wider. Geboren wurde der „Retter von Wolfratshausen“ am 8. April 1896 in München als Sohn eines Bierbrauers. Am 28. Januar 1915 rückte er als Kriegsfreiwilliger ins Heer ein. Fast vier Jahre verbrachte er im Ersten Weltkrieg an der Westfront, unter anderem in Verdun. Auch mit Giftgas kam er in Kontakt, wobei seine linke Gesichtshälfte Verbrennungen erlitt. Zurück in der Heimat half er mit, die Münchner Räterepublik massiv zu bekämpfen. Von Mai bis Oktober 1919 gehörte er dem Freikorps des Generals von Epp an, das die Revolution blutig niederschlug. Im politischen Spektrum der damaligen Zeit stand Luber weit rechts.

Nach dem Hitlerputsch als Geisel in den Händen der Nazis

In den folgenden Jahren trat bei ihm offenbar ein Sinneswandel ein: Luber näherte sich der Sozialdemokratie an. 1923 heiratete er eine Tochter des SPD-Parteivorsitzenden Erhard Auer. Im Rückblick betonte er, dass zeitgleich Pöbeleien der Nazis gegen ihn einsetzten. Am Tag des Hitlerputsches am 8. November 1923 hielt er sich im Münchner Bürgerbräukeller auf. Weil die Nazis Auers nicht habhaft werden konnten, wurde Luber als Geisel festgenommen, bald danach aber wieder freigelassen. Bei der Machtübernahme der Nazis 1933 wurde Erhard Auer restlos enteignet. Nun war Luber, von Beruf Apotheker, gezwungen, die vielköpfige Familie seines Schwiegervaters allein zu ernähren. Dazu zählten auch einige Juden, die vom Berufsverbot bedroht waren.

Major Dr. Karl Luber in jungen Jahren

Der NSDAP trat Luber nicht bei. Im November 1933 schloss er sich dem „Stahlhelm“ an, einem Bund von Ex-Frontsoldaten, wohl, um sich der Bespitzelung durch die Nazis zu entziehen. 1934 wurde der „Stahlhelm“ in die Reserve der „Sturmabteilung“ (SA) überführt und diese 1937 in die Partei. Somit war Luber seit 1937 automatisch Mitglied der Partei.

Luber verhinderte den Mord an zwei Wolfratshausern - und die Sprengung der Andreasbrücke

Wie Luber im Jahr 1943 als Bataillonskommandeur der Landesschützen nach Wolfratshausen kam, ist nicht ganz eindeutig. Zeitzeugen berichten, dass er aus seiner Abneigung gegen die Nazis kein Hehl machte, auch oberen Rängen gegenüber nicht, denen er öfter über den Mund fuhr und sagte: „Erzählen Sie keine Märchen!“ Auch verweigerte er den Gruß „Heil Hitler“ und sagte stattdessen konsequent „Grüß Gott“. Und er war nicht gewillt, seinen Auftrag zu erfüllen, das Vordringen der Amerikaner um jeden Preis zu verhindern, wohl wissend, dass dies für ihn lebensgefährlich war. So rettete er am 30. April 1945 nicht nur das Leben von Karoline Engelhart und Ignaz Lebe, die zu früh die weiße Fahne am Kirchturm hissten und von der SS erschossen werden sollten. Er verhinderte auch den zweiten von zwei Versuchen, die Andreasbrücke zu sprengen.

Nach dem Krieg stellten alle Zeugen Luber ein gutes Zeugnis aus. Bei der Entnazifizierung wurde er freigesprochen. Laut Christian Steeb lebte er in München- Obermenzing und arbeitete als Oberregierungsrat bei der Bayerischen Ärzteversorgung.

Am 7. Februar 1977 starb Karl Luber. Jetzt soll auf Vorschlag von Christian Steeb und Hans Reiser mit einer Ehrentafel an der Andreasbrücke an ihn erinnert werden. Die Entscheidung, ob Luber 44 Jahre nach seinem Tod eine wie auch immer geartete posthume Ehrung durch die Stadt erfährt, treffen die Mitglieder des Kulturausschusses am, 4. März.

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