Schwarzenberg bei Hundham, Sonnenaufgang
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Auf dem Schwarzenberg bei Sonnenaufgang: Am Horizont sind der links der Sims- und rechts der Chiemsee zu sehen.

Serie Oberlandtouren

Der Schwarzenberg - ein vielseitiger Voralpenbuckel

  • vonPeter Borchers
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Wer auf einem Berg stehen und die Aussicht genießen will, ohne dass dabei viel Zeit drauf geht, der sollte vielleicht einen Abstecher ins Leitzachtal wagen.

Bad Tölz-Wolfratshausen/Fischbachau – Klettermaxe, Bergfexe und Hochalpinisten mögen ihn belächeln, ihn als unscheinbaren Buckel im Voralpenland abtun. Der bewaldete Schwarzenberg oberhalb von Hundham im Leitzachtal ist jedoch alles andere als ein fades Abfallprodukt des Crashs zwischen dem europäischen und dem afrikanischen Kontinent vor 25 Millionen Jahren. Micky Pause, als langjähriger Moderator des BR-Magazins „Bergauf-Bergab“ in vielen Teilen der Erde unterwegs gewesen, adelte ihn sogar, indem er im Jahr 2018 in seiner allerletzten Sendung auf eben diesem Hügel den Staffelstab an seinen Nachfolger Michael Düchs weiterreichte.

Ein paar Stunden Zeit genügen vollkommen

Vorhut: Der Schwarzenberg ist von Nordwesten aus gesehen der erste Voralpenbuckel.

Dem damals vor dem Fernseher sitzenden Autor dieser Zeilen ist das deshalb nicht verborgen geblieben, weil er selbst schon zigmal auf dem Schwarzenberg stand und das grandiose Panorama – Richtung Südosten hinüber zu den großen Brüdern Wendel- und Breitenstein, auf der gegenüberliegenden Seite in Richtung Münchner Schotterebene, Simssee, Chiemsee und Kampenwand – genießen durfte. Und das bei Sonnenauf- und -untergang, bei blauem Himmel, Nebel, Regen, Schnee, Frost und an den Hundstagen.

Beinahe sämtliche Spielarten des Alpinismus möglich

Sorgenlose Skitour: Wegen der sanften Neigung der Hänge im Süden besteht im Winter so gut wie keine Lawinengefahr. Solo-Tourengeher und Anfänger wissen das zu schätzen.

Der Schwarzenberg ist 1187 Meter niedrig – und das ist vielleicht seine größte Stärke. Wer samstags seinen Haushalt erledigen oder sonntags endlich mal auspennen möchte und trotzdem Lust auf frische Luft und Aussicht hat, sollte ihn als Ziel wählen. Ein paar Stunden Zeit genügen vollkommen. Fitte sind auf der kürzesten Aufstiegsvariante in knapp 60 Minuten oben, mit Kindern dauert’s etwas länger.

Die großen Brüder: Blick vom Gipfelkreuz hinüber zu Wendel- (Mi.) und Breitenstein (re.).

Zwei Wege hinauf bieten sich besonders an: der eine direkt von Hundham aus auf einer meist durch Wald führenden, zwischendurch recht steilen Teerstraße, die übrigens bei ausreichend Schnee im Winter eine klasse Rodelbahn hergibt. Wer’s lieber sanfter und weitläufiger mag, wählt als Talort das Dorf Elbach etwa zwei Kilometer weiter in Richtung Fischbachau, und steigt von dort zunächst durch Wald, bald aber schon auf einem Pfad mitten durch Almwiesen auf. Dort, wo sich beide Wege treffen, folgt man der Straße etwa 50 Meter nach rechts bis zu einem weißen Trafohäuschen. Hier kann man sich entscheiden, ob man kommod (über geteerte Serpentinen) oder keuchend (über einen steilen Steig) zu dem auf dem Sattel platzierten Schullandheim weitergeht. Letzteres gehörte bis 1973 der Stadt München, heute ist es im Besitz des Vereins für Jugend- und Familienhilfen. Von den Gebäuden sind es nochmals 50, 60 steile Höhenmeter im Zickzack über einen Steig bis zum Gipfelkreuz. Das steht auf einem schönen Plateau, das Wanderern ein paar Bänke, aber auch sonst genügend Platz bietet, um ihre Brotzeit – in Pandemiezeiten mit genügend Abstand – genießen zu können.

Der Schwarzenberg ist jedoch nicht nur deshalb interessant, weil ein Sprung hinauf keinen Tagesausflug erfordert. Er lässt sich vielmehr in beinahe sämtlichen Spielarten des Alpinismus erkunden: per pedes, mit genügend Schmalz in den Schenkeln auf dem Mountainbike (der Gipfelsteig ist für Fahrräder allerdings tabu), auf Schneeschuhen und mit Tourenskiern. Die letzten beiden Varianten dürfen sogar Anfänger wagen: Zu sanft sind die Hänge des Schwarzenbergs geneigt, als dass er dem Tourengeher großartige Skills in Lawinenkunde und Skitechnik abverlangt.

Der Landwirt, der die Almwiesen oben bewirtschaftet, ein netter Mann, hat neben dem Schullandheim einen Aufenthalts- und Schutzraum eingerichtet. Dort können sich Wanderer, die spontan und ohne Verpflegung aufgebrochen sind, aus einem Kühlschrank erfrischende Getränke nehmen oder sich aus einer Teebeutelbox bedienen und per bereitstehendem Wasserkocher etwas Wärmendes brauen. Bezahlen lässt sich der freundliche Bauer diesen feinen Service in eine aufgestellte Kasse – auf der Basis von Gottvertrauen. Das ist auf dem Berg offensichtlich berechtigt. „Die Leute sind ehrlich“, meinte er kürzlich bei einem Plausch. Übrigens: Wer zu viel getrunken hat, kann Überschüssiges auch wieder umweltfreundlich loswerden: Eine Toilette beherbergt der Raum ebenfalls.

Hinter dem Schullandheim geht’s weiter in Richtung Bad Feilnbach.

Wanderung in Richtung Osten erweiterbar

Wem die genannten Möglichkeiten noch nicht reichen, wem die Tour zu mickrig ist, der kann sie gerne erweitern. Vom Schullandheim aus in östlicher Richtung durchziehen endlose Forstwege und Wurzelpfade den Bergrücken hinüber nach Bad Feilnbach. Nach etwa einer Stunde stößt man auf die beliebte Tregler Alm. Wer dort einkehrt, sollte Trubel allerdings mögen. Ruhiger wird’s wieder im Jenbachtal. Dort verteilen sich die Leut’. Eine Wanderung entlang des Kühle spendenden Jenbachs und später einen Steig durch den Wald hinauf zur Wirtsalm im Schatten des Wendelsteins lohnt insbesondere bei heißen Temperaturen.

Zurück zum Schwarzenberg: Der Autor hat dort sogar schon biwakiert – und feststellen müssen, dass er am Gipfel weder spät – zwei ihr Feierabendbier trinkenden Mädels sei Dank – noch nach dem Aufwachen – gegrüßt seien alle frühmorgendlichen Sonnenanbeter – alleine ist. Der unscheinbare Buckel im Voralpenland ist eben beliebt. Was beweist: Es müssen nicht immer die hohen Gipfel sein, um in den Bergen Spaß zu haben.

peb

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