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Glanzrolle: Diana Körner (li.) als Paulette im gleichnamigen Theaterstück. 

Theater

Diana Körner glänzt in der Wolfratshauser Loisachhalle - und nur wenige sehen‘s

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Münchner a.gon Theater zeigt mit erstklassigem Ensemble ein sozialkritisches Bühnenstück in der Loisachhalle. Doch viele Sitze bleiben leer.  

Wolfratshausen – „Vater Baptiste, ich habe gesündigt und Schaben ins Bett der Nachbarn gelegt.“ Wenn das nur alles gewesen wäre. Aber Paulette treibt’s toller, nachdem sich der rote Bühnenvorhang am Donnerstagabend in der Loisachhalle lüftete.

„Paulette – eine Oma zieht durch“ ist der Titel einer Komödie von Anna Bechstein nach dem gleichnamigen französischen Kinofilm von Jérome Enrico, inszeniert vom a.gon Theater München mit erstklassigen Schauspielern. Die Handlung spielt in den heruntergekommenen Banlieues von Paris, wo Kriminalität, Drogenhandel und Rassismus zu Hause sind. Paulette lebt in Altersarmut. Nach dem Tod ihres Mannes hat sie ihr florierendes Restaurant aufgeben müssen und damit ihr Auskommen verloren. Asiaten führen heute ihr ehemaliges Lokal. Einsamkeit, Frust und Boshaftigkeit bestimmen ihr Handeln. An Kraftausdrücken und Fäkalsprache spart sie nicht: „Verpiss Dich, Alter!“ Menschen mit anderer Hautfarbe sind für sie „Neger“. Nur der farbige Priester Ousmane (Hans-Jürgen Helsig), den sie gelegentlich um Gottes Hilfe bittet, „hätte es verdient, weiß zu sein“. Ihr dunkelhäutiger Enkel (Vicco Farah) ist für Paulette nur das Kind ihrer Tochter.

Ein Bühnenstück, dass Altersarmut, Intoleranz und Rassismus nicht ins Lächerliche zieht, aber mit humorvollen Dialogen und überzeichneter Bühnendarstellung unterhaltsam und kurzweilig in den Mittelpunkt der Handlung stellt. Nur schade, dass wenige Theaterfreunde in die Loisachhalle kamen. Die Sitzreihen waren spärlich besetzt.

Paulette (Diana Körner) lebt in einem mit Graffiti beschmierten Container – eine symbolische Darstellung einfachster Lebensverhältnisse. Sie kann ihre Rechnungen nicht zahlen, der Gerichtsvollzieher (Lutz Bembenneck) pfändet alles. Paulette bleiben nur Tisch und Stuhl. Gleich daneben in einem zweiten Container haust Gangster-Boss Vito (Ricardo Angelini). Später wird Paulette mit ihm in dubiose Machenschaften verstrickt, denn sie erkennt einen Ausweg aus ihrer aussichtslosen Notlage. Die vermeintlich harmlose Oma beginnt, mit Drogen zu dealen.

Schließlich kommt ihr eine geniale Geschäftsidee: Sie bäckt Haschisch-Plätzchen. Das Geschäft läuft, die Entwicklungen geraten zusehends außer Kontrolle. In diesem Bühnenstück werden auf skurril humorige Weise die politischen und sozialen Probleme unseres Nachbarstaates deutlich. Eine bittersüße Groteske – der Realität völlig fremd, der Problematik aber sehr nahekommend.

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