Auszubildende Marina Walz und Mitgesellschafter Daniel Lipp vom Reisebüro „Wolf Travel“ in Wolfratshausen.
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Italien, Griechenland und Spanien sind derzeit gefragt: Auszubildende Marina Walz und Mitgesellschafter Daniel Lipp vom Reisebüro „Wolf Travel“ in Wolfratshausen.

Lockerungen machen Reisen möglich

Die Lust auf Urlaub wächst: Griechenland, Italien und Kroatien gefragte Ziele

  • VonRudi Stallein
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Aufatmen in den Reisebüros: Sinkende Inzidenzen und europaweite Lockerungen der Corona-Einschränkungen wecken bei vielen Menschen die Lust auf Urlaub.

Bad Tölz-Wolfratshausen – Vor allem die Klassiker unter den Urlaubsländern wie Griechenland, Italien und Kroatien sind gefragt. Für die Reiseverkäufer ist der Beratungsaufwand deutlich gestiegen.

Ziele mit Eigenanreise

Es tut sich endlich was. Seit drei, vier Wochen gebe es „einen Schub“, stellt Ralf Hecher, Inhaber des Reisebüros Hecher mit Filialen in Geretsried und Wolfratshausen, fest. Und die Erleichterung darüber ist hörbar, wenngleich in seiner Stimme auch noch ein wenig Skepsis mitschwingt. Derzeit sei „viel mit Eigenanreise“ gefragt: Also Autourlaub in Kroatien, Italien und innerhalb Deutschlands. Bei den Flugreisen würden vor allem Griechenland, Spanien und dort besonders die Kanarischen Inseln nachgefragt.

Noch verhalten sei das Interesse an den Urlaubsregionen in der Türkei und in Ägypten, Länder, für die das Auswärtige Amt noch immer eine Reisewarnung ausspricht. Auch Fernreisen seien derzeit die absolute Ausnahme. „Die meisten Kunden haben schon klare Vorstellungen und sind gut vorbereitet, wenn sie ins Reisebüro kommen“ hat der Reiseexperte festgestellt. Wer hinsichtlich des Urlaubsziels unschlüssig sei, den beschäftige vor allem eine Frage: „Wohin kann man ohne Quarantäne?“

„Mehrwertpaket“ eingeführt

Reisen nach Griechenland, Spanien und vor allem Italien gehen derzeit im Wolfratshauser Reisebüro „Wolf Travel“ über den Ladentisch, erklärt Mitgesellschafter Daniel Lipp. „Hauptsächlich Pauschalurlaube, auch weil die da am besten abgesichert sind“, so der USA-Experte, dessen Spezialgebiet derzeit bei der Kundennachfrage keine Rolle spielt. Dass die Branche, auch wenn es spürbar anziehe, noch lange nicht auf dem Stand vor Corona ist, führt Lipp darauf zurück, dass „für die Kunden viel mehr zu tun ist. Sie müssen sich mit PCR-Tests und QR-Codes auseinandersetzen, mehr Formulare ausfüllen. Ich glaube, deshalb sind viele ein bisschen zurückhal-tend.“ Um sich vor „Fake-Anfragen“ zu schützen, habe man seit neuestem ein sogenanntes „Mehrwertpaket“ eingeführt. Je nach Aufwand müssen Kunden, die sich im Reisebüro nur beraten lassen, 30 bis 60 Euro bezahlen. Damit reagiere man auf „Beratungsklau“, also sich im Reisebüro zu informieren, und anschließend im Internet zu buchen. „Das wurde schon vor der Corona-Pandemie in der Branche diskutiert. Wir probieren es jetzt mal aus“, sagt Lipp.

Die Leute sind reisewillig, aber vorsichtiger. Viele nehmen die Reisewarnungen des RKI offenbar ernster.

Geschäftsführer Nikolaus Würmseer

„Es ist eine Aufbruchstimmung zu spüren. Man merkt, dass die Leute nach der langen Zeit raus wollen“, sagt Anna Maria Scheitterer vom AS-Reisecenter in Bad Tölz. Allerdings müssen Kunden derzeit etwas mehr Geduld mitbringen als vor der Pandemie. „Der Beratungsaufwand ist deutlich höher“, sagt die Reiseverkäuferin. „Man muss sich sehr genau informieren und die Leute gut über Einreisebedingungen aufklären.“ Hinzu kommt, dass sie diesen Aufwand derzeit alleine bewältigen muss. Wegen Corona steht sie ohne Mitarbeiter da, deshalb sucht sie nach einer Teilzeitkraft. Derzeit rät sie Kunden, für Beratungsge-spräche vorab einen Termin zu vereinbaren. Vor allem montags, dem „stärksten Tag“ in der Woche. „Dann ist viel los, weil die Leute am Wochenende Zeit hatten, sich mit ihrem Urlaub zu beschäftigen.“

Noch ist die Auswahl gut

Auch wenn die Buchungen deutlich steigen – vor allem für Spanien, Griechenland und Italien –, müsse niemand Angst haben, nichts mehr zu kriegen. „Die Auswahl ist augenblicklich gut, auch wenn die Reiseveranstalter ihre Kontingente zurückgefahren haben“, sagt Scheitterer. „Aber wenn man ein bisschen flexibel ist, geht schon noch was.“ Außer an der deutschen Ostsee: „Da wird es knapp mit Zimmern“, so die Reiseexpertin. „Aber das ist bei uns hier im Süden ja nicht so stark gefragt.“

Italien, Kroatien und „mehrheitlich Deutschland, der Norden, mit Eigenanreise, auf Nummer sicher“, werde derzeit beim Reisebüro Schöffmann/Tölzer Autoreisen nachgefragt. „Spanien eher weniger“, sagt Geschäftsführer Nikolaus Würmseer. Flug- und Urlaubsreisen anderer Anbieter, die übers Reisebüro verkauft werden, beziffert er mit rund zehn Prozent. Den Rest machen die eigenen Busreisen aus. Er habe jedoch eine deutliche Verhaltensänderung bei den Kunden festgestellt. „Voriges Jahr, nach dem ersten Lockdown, haben viele gedacht: Super, alles wieder wunderbar. Dann gab es die zweite und die dritte Welle“, erzählt Würmseer. Jetzt habe er den Eindruck: „Die Leute sind reisewillig, aber vorsichtiger. Viele nehmen die Reisewarnungen des RKI offenbar ernster.“

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