Christian Horak mit dem Plan in der Hand in der Altstadt
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„Es ist ein ganz wunderbarer Plan“: Christian Horak ist von der Visualisierung der Altstadt-Aufwertung begeistert. Mehr Raum für Fußgänger, mehr Grün und dafür weniger Verkehr sind Kern des Entwurfs.

Bürgerbeteiligung

Die Marktstraße soll umgestaltet werden: Das sagen die Wolfratshauser zu den Plänen

  • VonDominik Stallein
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Raus mit den Autos, rein mit den Menschen: Die Vorentwürfe für die Altstadt-Aufwertung liegen auf dem Tisch und werden kontrovers diskutiert. Unsere Zeitung hat einige von denen nach ihrer Meinung gefragt, für die der Plan erstellt wurde: die Passanten in der Marktstraße.

Wolfratshausen – Die beiden Radfahrer, die am Marienplatz ihre Pause im Schatten der Platanen genießen, hören das Plätschern des Brunnens nicht. Der Lärm eines anfahrenden Autos stört die idyllische Ruhe. Alle Stellplätze am Rand der Markstraße sind an diesem Vormittag belegt. Ein paar Fußgänger sind am Ober- und Untermarkt unterwegs. Die Passanten, die man vom Marienplatz aus sieht, lassen sich an zwei Händen abzählen – immerhin. Die Händler wünschen sich aber deutlich mehr Kunden. Auch der Stadtrat will mit der Altstadt-Aufwertung die Besucherfrequenz erhöhen.

Stadtrat hat grünes Licht für das Projekt gegeben

Mehr Menschen, mehr Grün, weniger Autos: Die Attraktivitätssteigerung der Innenstadt geht in die nächste Runde. Das Büro Mahl-Gebhard-Konzepte (mgk) präsentierte dem Stadtrat in seiner jüngsten Sitzung einen Vorentwurf. Das Gremium war größtenteils angetan von der Idee. Mit 19:3 entschied der Rat, dass diese Pläne die Grundlage für das weitere Vorgehen sein sollen. In Stein gemeißelt ist noch nichts: Die Bürger können sich weiterhin in den laufenden Prozess einschalten.

Grüne Akzente sorgen für Begeisterung: „Ich wünsche mir schon lange mehr Bäume“

Mit der von mgk erstellten Visualisierung des Vorhabens hat unsere Zeitung am Marienplatz Passanten konfrontiert: „Ich finde das toll“, sagt Christian Horak. „Es ist ein ganz wunderbarer Plan.“ Statt Hochbord-Gehwegen und Pkw-Parkplätzen sollen tiefe, breite Bürgersteige Platz für einen gemütlichen Einkaufsbummel bieten. Der Diakon des Stadtkirche Wolfratshausen kommt aus dem Schwärmen kaum heraus: „Die Straße mit den vielen kleinen Läden ist ja eigentlich dafür prädestiniert, dass man ausgiebig bummeln kann.“ Auch wenn ein angedachter, gänzlich höhengleicher Ausbau mit identischem Bodenbelag für Fußweg und B11 wie berichtet nicht möglich ist („was natürlich die optimale Lösung wäre“), sieht Horak in dem Grobkonzept „eine echte Aufwertung“. Die grünen Akzente, die die Architekten in ihren Zeichnungen berücksichtigt haben, freuen ihn besonders: „Ich wünsche mir schon lange mehr Bäume.“

Einige Händler sehen den Plan äußerst skeptisch - und fürchten, dass weniger Kunden kommen

Dafür müssten allerdings Pkw-Stellplätze weichen. Einigen Gewerbetreibenden gefällt das ganz und gar nicht. Die Fraktion der Wolfratshauser Liste sieht manche Ideen gar als „Schnapsidee einiger weniger“. Nekibe Mustafa hält das aber für eine gute Idee. Die Wolfratshauserin gibt jedoch zu bedenken: „Die Leute müssen trotzdem irgendwo parken.“ Zwar gebe es auf dem Hatzplatz und vor der Loisachhalle oft freie Stellplätze – aber eben nicht immer. Zum Beispiel, wenn freitags die Verkaufswagen des Grünen Markts vor der Loisachhalle stehen.

Die junge Mutter spaziert häufig mit dem Kinderwagen durch die Innenstadt. „Das geht jetzt schon gut, dafür brauche ich keinen breiteren Gehweg“, meint Mustafa. Die Absenkungen, die etwa alle 15 Meter im Trottoir eingelassen sind, würden ebenfalls ausreichen, um die Markstraße mit dem Buggy gefahrlos überqueren zu können. Einen aufwendigen Umbau der Altstadt hält sie daher nicht für zwingend notwendig.

Gerhard Neumann der Koblenzer ist gerne zu Gast in Wolfratshausen.

Anwohner aus den umliegenden Ortsteilen fürchten den Verkehrsinfarkt

Wenig begeistert von den Entwürfen ist ein Ehepaar, das an der Schießstättstraße lebt. Die Rentner, die mit ihrer Enkelin in der Stadt unterwegs sind, möchten ihren Namen nicht in der Zeitung lesen – wohl aber diese Feststellung: „Alles, was im Markt weniger an Verkehr wird, wird auf den umliegenden Straßen mehr.“ Auch wenn an der Einbahnregelung zwischen Reiser- und Schwankl-Eck laut Straßenbauamt Weilheim nicht mehr gerüttelt wird, gehen die beiden Wolfratshauser davon aus, dass Autofahrer die Altstadt nach dem Umbau meiden werden. „Wir wären ja grundsätzlich für eine Verschönerung – aber eben nur, wenn die Verkehrssituation auch passt.“

Für die Besucher ist es auf jeden Fall angenehmer, wenn nicht alles zugeparkt ist. Man könnte in Wolfratshausen richtig schön flanieren

Gerhard Neumann

Gerhard Neumann kennt diese Diskussionen. Der Rentner lebt in Koblenz, ist aber regelmäßig zu Gast in der Flößerstadt. „Es ist eine richtig schöne Marktstraße“, sagt er. Den Entwurf des Büros mgk findet er „attraktiv“. An einer reibungslosen Umsetzung der Pläne hegt er aber Zweifel: „Es wird spannend, wie das politisch debattiert wird.“ Denn die Diskussion über Parkplätze im Stadtzentrum „ist überall schwierig“, auch in seiner Heimatstadt. Der Tourist aus dem Mittelrheintal ist der Meinung: „Für die Besucher ist es auf jeden Fall angenehmer, wenn nicht alles zugeparkt ist. Man könnte in Wolfratshausen richtig schön flanieren.“

Ingrid Kursawe findet das Parken in Geretsried unkomplizierter.

Aufenthaltsqualität ist die eine Seite der Medaille – mögliche Schwierigkeiten bei der Parkplatzsuche die andere. „In Geretsried finde ich das Parken unkomplizierter“, sagt Ingrid Kursawe. Wenn die Pkw-Stellflächen aus der Altstadt verbannt würden, würden sich Auswärtige vielleicht zweimal überlegen, ob sie wirklich nach Wolfratshausen fahren. „Selbst wenn es ohne die Autos am Straßenrand schöner wäre“, räumt Kursawe ein.

Bürgerbeteiligung geht weiter - erst dann entscheidet der Stadtrat

Am Bürgerbeteiligungsprozess zur Altstadt-Aufwertung hat sich die Wolfratshauserin nicht beteiligt. Die Chance besteht aber noch: Im September sind die Entwurfspläne auf der Homepage der Stadt zu sehen, am 5. Oktober findet eine öffentliche Info-Veranstaltung in der Loisachhalle statt. Erst im Spätherbst beziehungsweise Winter soll der Stadtrat Entscheidungen treffen. Einen Zeitplan für die Umbaumaßnahmen gibt’s noch nicht. Horak: „Ich bin gespannt, ob wir die Umsetzung der Pläne noch erleben werden.“ Er würde es sich wünschen. „Dann könnte die Altstadt wieder zu einem Lebenszentrum werden.“

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