Pressekonferenz im Freien: Die Stadträte der Grünen – (v. li.) Rudi Seibt, Annette Heinloth, Assunta Tammelleo, Jennifer Layton, Peter Lobenstein und Dr. Hans Schmidt – stellten am Sonntag ihre Ziele vor. Foto: Hans Lippert
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Pressekonferenz im Freien: Die Stadträte der Grünen – (v. li.) Rudi Seibt, Annette Heinloth, Assunta Tammelleo, Jennifer Layton, Peter Lobenstein und Dr. Hans Schmidt – stellten am Sonntag ihre Ziele vor.

Grüne stellen ihr Programm vor – Altstadt, Verkehr und Umwelt stehen im Fokus

„Die Pandemie ist auch eine Chance“

In einer Pressekonferenz - aufgrund der Pandemie im Freien - erläutern Wolfratshausens Grüne ihre Pläne.

Wolfratshausen – Seit Beginn der neuen Amtszeit in den Rathäusern im Mai dieses Jahres dreht sich fast alles um die Corona-Pandemie, deren Auswirkungen und den wirtschaftlichen Schaden, den die Stadt durch die Steuereinbußen erwartet. Die Wolfratshauser Grünen haben dennoch große Pläne, wie sie auf einer Pressekonferenz am Sonntagvormittag deutlich machten.

In der Pandemie sieht Fraktionssprecher Peter Lobenstein „gleichzeitig eine Chance, jetzt Veränderungen auf den Weg zu bringen“. Der derzeitige Lockdown „tut der Umwelt gut“, und auch nach dem Abklingen der Infektionswelle „dürfen wir nicht einfach so weitermachen wie davor“. Deshalb stemmt sich Lobenstein dagegen, potenzielle Prestige-Bringer hintenan zu stellen: „Den Rotstift bei großen Projekten anzusetzen und damit die Stadt in einen Lockdown zu versetzen, ist der falsche Weg.“

Die Grünen haben nach eigenen Worten „so viele Themen aus dem Wahlkampf mitgenommen“ und wollen diese „nun auch umsetzen“. Dabei stehen ihre klassischen Themen – Energie und Umweltschutz – im Fokus. Wie der Umweltreferent des Stadtrats, Dr. Hans Schmidt, erklärte, sei es der Partei ein Anliegen, den „ehrgeizigen“ Fahrplan umzusetzen, der mit dem Ausrufen des Klimanotstands im vergangenen Jahr einhergeht. Ihm schweben städtische Fördergelder für Photovoltaik-Anlagen, moderne Heizkonzepte und zukunftsträchtige Mobilitätsmodelle vor: „Wir müssen Anreize setzen, damit lokal etwas vorwärtsgeht.“ Außerdem plädiert der Umweltreferent dafür, Raser stärker zu kontrollieren und notfalls mit neuen Temporegelungen auf die Bremse zu drücken, um sowohl die Umwelt- als auch die Lärmbelastung maßgeblich zu senken.

Ein Bereich, in dem sich die Grünen einen verlangsamten Verkehr wünschen, ist die Altstadt. Hier plädieren die sechs Fraktionsmitglieder für baldige Veränderungen, um das Marktgeschehen zu beleben. „Wir haben dafür ein City-Management mit einigen Stellen geschaffen, das Gebäude am Untermarkt 10 wird saniert, und wir haben eine Bürgerbeteiligung zur Aufwertung der Altstadt gestartet“, erinnerte Dritte Bürgermeisterin Annette Heinloth an die Entscheidungen des Stadtrats. Sie befürchtet jedoch, „dass das alles etwas ins Stocken gerät“. Schließlich gebe es viele Fragezeichen: „Der Hatzplatz ist seit Jahren unverändert, wir haben keinen Plan dafür, was wir mit der Happ’schen Apotheke am Untermarkt machen, das Rathauscafé steht seit eineinhalb Jahren leer, und das Westufer soll seit Jahren umgestaltet werden.“

Trotz der Corona-Pandemie und der hohen Ausgaben, die mit der Sanierung der Grund- und Mittelschule einhergehen, dürfe es nicht dazu kommen, „dass die Ideen in Schubladen verschwinden“. Wie Assunta Tammelleo, Co-Fraktions-Chefin, anregte, soll es Bürgern und Vereinen erleichtert werden, sich in den Aufwertungsprozess der Altstadt einzubringen: „Es gibt hohe bürokratische Hindernisse, obwohl es das Beste ist, was der Stadt passieren kann, wenn sich Menschen für dieses große Anliegen einbringen wollen.“ Gerade Jugendliche hätten viele Ideen und Wünsche für die Gestaltung der gesamten Stadt.

Jugendreferentin Jennifer Layton möchte die jungen Wolfratshauser in den Prozess einbinden – und mit ihnen zusammen beispielsweise Holzbuden in allen Stadtteilen aufbauen, in denen sich die Heranwachsenden aufhalten können. Den Bau dieser Hütten wolle sie zeitnah bei der Stadt beantragen. Ein Anliegen ist der jungen Mutter, die im Mai neu in den Stadtrat eingezogen ist, auch die Sicherheit der jugendlichen Wolfratshauser im Verkehr: Wegen der Corona-Pandemie konnten die Fahrrad-Schulungen der Polizei an den Grundschulen nicht durchgeführt werden. Layton arbeitet an einer Lösung für die „rund 700 Zehn- bis Elfjährigen, die derzeit ohne Prüfung im Verkehr unterwegs sind“.

In der Pressekonferenz vermittelten die Grünen den Eindruck, dass sie sich durch die Corona-Krise nicht bremsen lassen wollen. „Wir möchten zeigen, dass wir diese Chancen nutzen wollen, die sich durch die Pandemie bieten“, betonte Fraktionschef-Lobenstein; „nutzen müssen“, fügte er hinzu.

dst

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