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Das neue Gesicht am Wolfratshauser Bahnhof: Die Schäftlarnerin Daniela David hat im vergangenen Oktober den Kiosk von Anneliese Gall übernommen. Der Job macht ihr sichtlich Spaß.

Tante-Emma-Laden als Option

Diese Frau führt den Wolfratshauser S-Bahn-Kiosk weiter 

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Im Kiosk am Wolfratshauser Bahnhof gibt es seit Kurzem ein neues Gesicht. Die Schäftlarnerin Danilea David hat ihn im Oktober von Anneliese Gall übernommen – mit vielen neuen Ideen.

Wolfratshausen – Innen, über dem Verkaufsfenster, hängt ein Schal der Geretsrieder River Rats. Ist Daniela David Eishockey-Fan? Das nicht, sagt die neue Pächterin des Kiosks am Wolfratshauser S-Bahnhof, „aber ein Ex-Arbeitskollege hat mich gefragt, ob ich nicht ein paar Fanartikel ins Sortiment aufnehmen will“. Sie tat es. „Ich finde, alles Lokale sollte man unterstützen. Warum also nicht auch die River Rats?“

Am 1. Oktober hat die 36-Jährige den Verkaufsstand übernommen, den ihre Vorgängerin Annelies Gall 29 Jahre lang geführt hatte. Ob’s bei ihr auch fast drei Jahrzehnte werden, weiß David nicht. Aber sie kann sich vorstellen, „es lange zu machen“. So lange, bis sich ein Plätzchen zum Leben findet, „an dem es wärmer ist“.

Die Schäftlarnerin kommt aus einer völlig anderen Branche: Sie ist gelernte Tierarzthelferin. Und das wäre sie auch gerne geblieben, „doch das ist leider brotlose Kunst“. Also arbeitete sie im Fachhandel für Heimtierbedarf, befuhr als Selbstständige einige Jahre Mittelalter-Märkte und arbeitete zuletzt fast zehn Jahre – zum Schluss als stellvertretende Leiterin – in einem Wolfratshauser Getränkemarkt. Was nicht schlecht ist für ihr aktuelles Geschäft: „50 Prozent meiner Kunden kenne ich von dort.“

Die S-Bahn fuhr ihr vor der Nase weg – so geriet sie an den Kiosk

An den Kiosk geriet sie durch Zufall. Eines schönen Tages fuhr die S-Bahn ihr und ihrem Lebengefährten vor der Nase davon. Als sich beide etwas zu trinken holten, erblickten sie ein bekanntes Gesicht hinterm Kioskfenster: die Tochter von Anneliese Gall, die ebenfalls in Schäftlarn wohnt und gerade aushalf. Von ihr erfuhr David, dass die Mutter sich zur Ruhe setzen möchte. „Dann fing es in meinem Kopf zu rattern an“, erzählt die 36-Jährige. Ergebnis: „Ich mach’s.“

Ihren neuen Arbeitsplatz will David „nach und nach“ umstrukturieren. Das fängt bei der Einrichtung an. Heller, freundlicher und offener gestaltet hat sie den Verkaufsraum schon. Zu mehr war in den zwei Wochen zwischen Schließung und Neueröffnung nicht Zeit. Eine neue kleine Küche soll noch kommen, ebenso ein zweiter Kühlschrank, besser nutzbare Regale und Schränke.

Die Öffnungszeiten änderten sich ebenfalls – notgedrungen, weil die Schäftlarnerin keinen Führerschein besitzt. Gall schloss um 5 Uhr auf, David tut dies um kurz nach sechs, da der erste Zug in Schäftlarn erst um 5.45 Uhr in Richtung Wolfratshausen abfährt. Die Pendler der ersten beiden Züge nach München kann sie so leider nicht bedienen. „Aber vielleicht finden wir dafür noch eine Lösung.“ Um 18 Uhr schließt sie, wird das im Sommer aber voraussichtlich „nach hinten verschieben“.

„Wo ist denn der nächste Supermarkt?“

Daniel David hat das Angebot an Zeitungen und Zeitschriften „extrem reduziert“ – von 80 Regalmeter auf 25. Wobei sie auf Bestellung gerne andere Titel besorgt. Neu offeriert sie abgepackte Wurst vom Metzger und Semmeln vom regionalen Bäcker, die sie mit Wurst, Käse und – ebenfalls auf Bestellung – sogar mit Sonderwünschen belegt. In diese Richtung möchte die 36-Jährige ihr Sortiment ausbauen. „Warum nicht mal ein kleiner Tante-Emma-Laden werden? Hier wohnen so viele alte Leute, Alleinstehende. Und wo ist denn der nächste Supermarkt?“ Gelegentlich füllt sie einigen dieser Menschen schon ein „Einkaufssackerl, „wenn ich zum Großhändler fahre“. Auch „zwei Stehtische und einen Sonnenschirm“ für die Handwerker, die sich nach ihrem Feierabend ein Paar Wiener schmecken lassen wollen, wünscht sich die 36-Jährige vor dem Kiosk, „weiß aber nicht, ob da die Stadt mitspielt“.

Mit ihren ersten Monaten am Bahnhof ist David zufrieden. Es laufe besser als erwartet, freut sie sich. Vom Geld ihres Partners müsse sie jedenfalls nicht leben. „Ich brauche mich also nicht zu fragen: Um Gottes Willen, was hast du da getan?“

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