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Mit 89 ist noch lange nicht Schluss: Die Wolfratshauserin Christina Bergmann will weiter Spenden für die Kinderkrebsforschung sammeln.  

„Ein Fulltime-Job“

Diese Frau hat 1,5 Millionen Euro für krebskranke Kinder gesammelt

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Christina Bergmann ist 89 Jahre alt - und Zeit ihres Lebens hat sie eine Mission. Sie sammelt unermüdlich Geld für die Kinderkrebsforschung. Mit ihrer guten Idee hat sie bereits 1,5 Millionen Euro zusammenbekommen.

Wolfratshausen– Ihr Name ist mit der Kinderkrebsforschung untrennbar verbunden: Christina Bergmann aus Wolfratshausen sammelt seit 25 Jahren Geld für Forschungszwecke. Durch den Verkauf von Kalendern hat sie bisher die unglaubliche Summe von 1,5 Millionen Euro an die Verantwortlichen in der Haunerschen Kinderklinik, dem Klinikum Großhadern und der Aktion Knochenmarkspende Bayern (AKB) übergeben. „Ich feiere sozusagen gerade Silberhochzeit“, sagt Bergmann und lacht. Ans Aufhören denkt die 89-Jährige noch lange nicht: „Solange der Herrgott mich lässt, mache ich weiter.“

Der Anlass, sich für die Forschung stark zu machen, war ein trauriger: Die ehemalige Lehrerin hatte kurz vor ihrer Pensionierung ein Kind mit Leukämie an ihrer Schule. „So kam der Kontakt mit der Haunerschen Kinderklinik zustande“, berichtet Bergmann. Eigentlich wollte sich die Wolfratshauserin nur genauer über das Krankheitsbild informieren und fragen, wie man helfen kann. „Doch dann habe ich gesehen, wie schwer es ist, an Gelder für die Forschung zu kommen.“ Sie beschloss, zu sammeln – aber eben nicht für Spielzeug. „Den betroffenen Kindern hilft es doch viel mehr, wenn vielleicht ein Ansatz gefunden wird, um die Krankheit besiegen zu können“, war sie sich schon damals sicher.

Nur, wie sollte man die Leute zum Spenden bewegen? Die Lösung lag in Bergmanns Schulklasse. Diese hatte bei einem Malwettbewerb den ersten Preis gewonnen. „Und die Bilder waren viel zu schön, um auf Nimmerwiedersehen zu verschwinden.“ Also beschloss die Lehrerin, einen Kalender daraus zu fertigen – nichts ahnend, dass sich im Laufe der Jahre noch Geschenkpapier, Adressbücher und Weihnachtskarten dazu gesellen sollten. Die Aktion „Kinder für Kinder“ war geboren. „Ich hab’ das Auto bis obenhin mit Kalendern vollgepackt und habe sie in allen möglichen Firmen angeboten“, erinnert sich die rührige Seniorin. Bereits im ersten Jahr konnte sie 90.000 Mark sammeln. Bergmann: „Da kann man nicht einfach wieder aufhören. Das war ja wie eine Verpflichtung.“

Seitdem erscheinen jedes Jahr neue Motive. Auch die Stadt Wolfratshausen unterstützt Bergmann. „Ich darf meine Sachen am Marienplatz in einer Bude verkaufen, vom ersten Advent bis in den Januar hinein.“ Und so ist die 89-Jährige auch den meisten Bürgern bekannt: Bei oft eisiger Kälte, den grauen Filzhut auf dem Kopf, preist sie den Vorbeieilenden mit einem gewinnenden Lächeln ihre Waren an. „Das mit dem Lächeln hat mir meine Mutter beigebracht“, erzählt sie. Und die musste es wissen, führte sie doch im Riesengebirge, mitten im schönsten Skigebiet unterhalb der Schneekoppe, ein Berghotel. „Wahrscheinlich kommt auch daher meine Liebe zum Skifahren.“ Den Umgang mit den Brettern musste sie früh lernen. „Anders wären wir gar nicht in die Schule gekommen. In fünf Minuten den Berg runtergesaust, beim Rückweg eine Stunde wieder hochgelaufen.“ Doch das „Training“ zahlte sich aus: Bergmann nahm an zahlreichen Abfahrtsrennen teil und fand sich mehr als nur einmal auf dem Podest wieder.

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Dann kam der Zweite Weltkrieg. Bergmann macht „eine Reihe von Wundern“ dafür verantwortlich, dass sie nach schweren Monaten und Schikanen durch die tschechische Regierung im letzten Sammeltransport nach Bayern landete. Unglaublich, aber wahr: Es war der gleiche, in dem sich auch ihre Eltern und Geschwister befanden. Im Mai 1946 erreichten sie das Lager Bad Wiessee. Für Bergmann war es ein unbeschreibliches Gefühl, als sie das erste Mal den Wallberg sah: „Skifahren war mein Leben, ohne wäre ich nur unglücklich gewesen.“

Ihr Vater bewegte sie dazu, sich noch einmal der Aufnahmeprüfung für die „Lehrerbildungsanstalt“ zu unterziehen. „In der alten Heimat hatte ich ja schon mit der Ausbildung begonnen – aber hier, ohne ein einziges Mathebuch oder andere Unterlagen nach Jahren eine Prüfung machen? Nie im Leben.“ Allen Widrigkeiten zum Trotz bestand Bergmann. „Ich weiß noch: Meine erste Klasse, in der ich unterrichtete, war 68 Kinder stark.“ Sie schüttelt im Nachhinein ungläubig den Kopf. „Eine echte Herausforderung.“ 1954 heiratete Bergmann einen Kollegen, das Ehepaar bekam einen Sohn. Ihre erste feste Stelle erhielt sie in Beuerberg. 14 Jahre später wechselte die Pädagogin an die Grundschule Weidach, wo sie bis zu ihrer Pensionierung 1992 blieb.

Seitdem sammelt die Seniorin Spenden für die Kinderkrebsforschung. „Ein Fulltime-Job“, wie sie sagt. „Aber ich wollte das ja so. Außerdem habe ich so viele fleißige Helfer, ohne die würde es ja gar nicht gehen.“ Lob für ihr Engagement wehrt Bergmann, die im Jahr 2003 mit der Isar-Loisach-Medaille des Landkreises ausgezeichnet wurde, ab: „Ich habe einfach nur Glück gehabt. Und das kann man nicht als mein Verdienst ansehen.“

sh

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