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Feiern heuer 30. Hochzeitstag: Andrea und Josef Niedermaier.

„Seine Arbeit ist nicht wichtiger als meine“

Das machen die Frauen hinter den Landkreismännern

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Die Männer kennt im Landkreis jeder, ihre Frauen dagegen stehen meist im Hintergrund. Dabei sind sie mehr als „die Frau von“. Vor dem Weltfrauentag an diesem Donnerstag haben wir mit einigen von ihnen gesprochen.

Bad Tölz-Wolfratshausen – Um den Haushalt muss sich Landrat Josef Niedermaier nicht kümmern. Seine Frau Andrea sorgt dafür, dass der Kühlschrank voll und die Socken gewaschen sind. Dabei arbeitet die 56-Jährige selbst: Bis zur Übernahme durch Wiedemann im Dezember 2016 führte sie sogar die Geschäfte der Bäckerei Gotz in Bad Tölz. Trotzdem sagt sie: „Ja, natürlich halte ich meinem Mann den Rücken frei.“

Leicht ist es nicht immer

Leicht ist es nicht immer. „An mehr als an zwei Abenden pro Woche ist er nicht zuhause“, verrät Andrea Niedermaier. Vor allem, als die beiden Töchter noch klein waren, musste sie vieles allein entscheiden und managen. Bei kleinen Reparaturen im Haus zum Beispiel legte die Zweifach-Mama bald lieber selbst Hand an als auf die Hilfe ihres Mannes zu warten. Vorhang-Stangen aufhängen oder die Mountainbikes auf dem Fahrradständer des Autos sichern – für Andrea Niedermaier kein Problem.

Barbara Muhrböck unterstützt ihren Mann, den Kreisbrandrat, wo sie kann.

Barbara Murböck, die Frau von Kreisbrandrat Karl Murböck, ist es ebenfalls gewöhnt, den Alltag oft allein zu bewältigen. Als die vier gemeinsamen Kinder noch klein waren, sei das nicht immer lustig gewesen. „Man muss viel Toleranz aufbringen.“ Aber die 61-Jährige hat sich damit arrangiert und unterstützt ihren Mann, wo sie kann. Ihr Trick: „Man muss selbst aktiv bleiben.“ Barbara Murböck zum Beispiel bietet geführte Schneeschuhwanderungen für Kinder an. „Langweilig ist mir nicht“, sagt die Lenggrieserin.

Laura Lehrberger ist seit drei Jahren die Frau von Unternehmer Korbinian Krämmel.

Auch Laura Lehrberger kennt dieses Gefühl nicht. Der Nachname lässt es zunächst nicht vermuten, doch die 36-Jährige steht seit zwölf Jahren an der Seite von Korbinian Krämmel, Geschäftsführer des gleichnamigen Familienunternehmens in Wolfratshausen. „Für mich war immer klar, dass ich meinen Nachnamen behalten will, um meine eigene Identität zu bewahren“, sagt Lehrberger über ihre Hochzeit vor drei Jahren.

Nicht nur „die Frau von“ zu sein, funktioniert für Lehrberger, die internationale Wirtschaftswissenschaften studiert hat, gut: Bevor der Sohn (2) und die Tochter (4 Monate) zur Welt kamen, baute sie die Marketingabteilung der Firma Krämmel auf, wo sie ihre Kollegen heute immer noch nebenbei unterstützt. „Ich werde nicht als Frau des Chefs wahrgenommen“, sagt sie. Dass sie selbst ins Familienunternehmen involviert ist, helfe ihr aber, Verständnis zu haben. „Mein Mann verbringt sehr viel Zeit im Unternehmen und wir fahren nur eine Woche im Jahr in den Urlaub.“

Andrea Wudy ist seit 23 Jahren mit Andreas Wagner verheiratet.

Verständnis muss auch Andrea Wudy (45) aufbringen, seit ihr Mann Andreas Wagner wochenweise in Berlin bleibt. Als sie vor 23 Jahren „Ja“ zu Andreas Wagner sagte, hätte sie vielleicht damit gerechnet, dass ihr Ehemann für die Linke mal im Stadtrat sitzt – aber nicht im Bundestag. Seit vergangenem Jahr muss sie sich nun um die Essensplanung kümmern, wenn sie mit den Kindern (15, 18 und 20) allein daheim in Geretsried ist. „Sonst kocht Andi immer gerne“, sagt Wudy, die als Erzieherin in einem Wohnheim der Lebenshilfe arbeitet. An der Gleichberechtigung in ihrer Ehe hat sich aber ansonsten nichts geändert, seit ihr Mann in der Öffentlichkeit steht, betont Wudy. „Seine Arbeit ist nicht wichtiger als meine.“

Alles so normal wie möglich beibehalten

Elisabeth Grasl steht in Münsing an der Seite von Bürgermeistersprecher Michael Grasl.

Elisabeth Grasl hat bereits 13 Jahre Erfahrung damit, an der Seite eines Politikers zu stehen. Dennoch sagt sie: „Ich muss auf nichts verzichten, auch wenn mein Mann für mich immer Priorität hat.“ Sie habe ihm den Rücken frei gehalten, als er in Münsing zum Bürgermeister gewählt wurde, indem sie sich um die damals noch kleinen Kinder und ihre Eltern gekümmert hat – neben der Arbeit im Tourismusbereich und dem Engagement in Vereinen.

„Wir versuchen auch heute, alles so normal wie möglich beizubehalten“, sagt die 52-Jährige. Sie begleite den Bürgermeistersprecher zu wichtigen Veranstaltungen. Wichtiger als zu „repräsentieren und schick und frisch vom Friseur herumzulaufen“ ist Grasl aber, für ihren Mann da zu sein. „Wenn er mal verärgert von einer Sitzung oder aus dem Büro kommt, reden wir darüber – nicht über die Sache, die ihn geärgert hat, sondern darüber, dass es ihm gerade nicht so gut geht.“

Lesen Sie auch: Warum feiern wir den Weltfrauentag?

sis, tal, sw

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