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„Da ist ein Loch im Boot“: LBV-Mitglied Fabian Unger (re.) warnt eine junge Gruppe von Ausflüglern. Foto: Peter Herrmann

Aufklärungsbedarf bei Hobbykapitänen

Diese Regeln gelten für den Paddel-Spaß auf der Isar

Derzeit sind viele Schlauchboot- und Kanufahrer auf und entlang der Isar unterwegs. Über die Regeln dort haben Vertreter des Landesbunds für Vogelschutz und des Bayerischen Kanu-Verbands die Hobbypaddler am Isarufer informiert.

Wolfratshausen – Die zwischen Pupplinger Au und Wolfratshausen gelegene Marienbrücke gilt als beliebter Startpunkt für Schlauchboot- und Kanutouren. Nicht wenige Erlebnishungrige legen die knapp zwei Kilometer lange Strecke vom Wolfratshauser S-Bahnhof bis zum Isarufer zu Fuß zurück. Boote und Bier werden getragen.

Hinweisschilder reichen nicht

Das wissen auch Fabian Unger vom Landesbund für Vogelschutz (LBV), Isarranger Sebastian Thalhammer sowie Vertreter des Bayerischen Kanu-Verbands (BKV). Gemeinsam informierten sie am Samstag Bootsfahrer über Risiken und erinnerten an den Umweltschutz. „Ein Infostand oder Hinweisschilder vor der Anlege- und Abfahrtsstelle reichen da leider nicht aus“, sagte Unger. Deshalb verlieh er kostenlos leistungsfähigen Pumpen. „So komme ich leichter an die Leute ran“, erklärte er auf Nachfrage unserer Zeitung. 

Während die Bootfahrer ihre Gefährte aufpumpen, verteilt Unger Broschüren und Landschaftskarten, in denen auf seltene Tiere und Kiesflächen hingewiesen wird. So legt beispielsweise der Flussregenpfeifer seine Eier direkt auf den Kies. „Deshalb werden die gut getarnten Küken und Eier leicht übersehen“, warnte das LBV-Mitglied. Wenn Boote über Kiesflächen gezogen werden oder die Elternvögel durch freilaufende Hunde vertrieben werden, können die Eier oder Küken leicht auskühlen oder überhitzen und sterben.

Mit einem Loch im Boot aufs Wasser

Mit Erschrecken nahm Unger eine Gruppe junger Ausflügler wahr, die mit einem Billigboot aus dem Discounter auf der Isar in Richtung München fahren wollte. Schon beim Aufpumpen bemerkte BKV-Mitglied Heribert Gobitz-Pfeifer ein Loch im Boot. Für solche Fälle hat er immer Flickzeug dabei. „Das dauert jetzt aber eine Stunde, bis es trocknet und das Boot fahrtüchtig ist“, erklärte er einer Dame im Bikini. Die junge Frau nahm die Verzögerung gelassen hin und bot ihren Begleitern an diesem Vormittag erst einmal eine Runde Dosenbier an. „Ihr habt aber schon ein Müllsackerl dabei?“, wollte Isarranger Sebastian Thalhammer wissen.

Auch Bierkisten, die in einem kleinen Anhänger an einer Leine hinter dem Boot hergezogen werden, seien nicht unproblematisch. „Die können sich im Treibholz verfangen“, sagte Thalhammer. Wenn die Glasflaschen dann noch im Wasser zerbrechen, sei das eine Gefahr für Mensch und Tier.

Der Isarranger erzählte, dass er manchmal nachts mit seinem Kanu unterwegs sei, um unerlaubtes Grillen zu unterbinden. „Das ist bei stark angetrunkenen Feiernden nicht immer ungefährlich“, berichtete Thalhammer. An diesem Samstag zeigten sich jedoch fast alle Schlauchbootfahrer aufgeschlossen für die Tipps der LBV- und BDK-Vertreter. Da die Isar derzeit kein Hochwasser führt, kam es selbst mit dem notdürftig geflickten Billigschlauchboot zu keinen Unfällen. „Wir wollen das Bootfahren auf der Isar nicht verteufeln, sondern nur dafür sorgen, dass diese naturnahe Flusslandschaft erhalten bleibt“, machte Unger abschließend deutlich.

Peter Herrmann

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