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Raus aus der City: Nach dem Urteil des Bundesverwaltungsgerichts dürfen Städte ein Diesel-Fahrverbot erlassen.

Nachgefragt im Landkreis

Diesel-Fahrverbot: Bloß keine Panik

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Städte dürfen ein Diesel-Fahrverbot erlassen. Das hat das Bundesverwaltungsgericht in Leipzig entschieden. Im Landkreis reagieren Autohändler und Fuhrunternehmer erstmal gelassen auf das Urteil.

Bad Tölz-Wolfratshausen – Mit dem Urteil gerechnet hat Florian Billion. „Ich habe nichts anderes erwartet“, sagt der Geschäftsführer des gleichnamigen VW-Autohauses in Geretsried. „Der Druck seitens der EU war groß genug.“ Nun sei er gespannt, ob die Politik eine bundesweit einheitliche Regelung erlasse – das wäre die eleganteste Lösung – oder ob es einen „Fleckerlteppich“ geben wird.

Große Probleme sieht der 35-Jährige auf Gebrauchtwagenhändler zukommen. „Wenn Euro5-Leasingfahrzeuge zurückkommen, muss man schauen, dass man die wieder loswird.“ Bei der Umrüstung der Diesel-Autos auf die nicht vom Verbot betroffene Euro6-Norm sieht er die Automobilhersteller in der Pflicht – auch VW. Trotz des Abgas-Skandals habe der Konzern 2017 einen Milliarden-Gewinn eingefahren. Da seien Kosten in Höhe von 3000 Euro pro Umrüstung verkraftbar. „Es kann nicht sein, dass der Endverbraucher darauf sitzen bleibt“, meint Billion.

„Wir fahren jeden bis in die tiefste Münchner City.“

Bundesweit verkauft Michael Much seine gebrauchten Autos – und zwar Taxis, hauptsächlich der Marke Mercedes. „Ich habe sehr viele Kunden im ländlichen Bereich“, sagt der Tölzer, der außerdem ein Taxi-Unternehmen betreibt. Da störe es nicht, wenn ein Auto nur die Euro5-Norm erfülle. Fahrzeuge der Klassen 3 und 4 würden ins Ausland verkauft. Im Taxi-Betrieb kommen laut Much nur Diesel-Fahrzeuge zum Einsatz, und da sei man gerüstet. „Bis auf ein Ersatz-Rutscherl fahren wir nur Autos der Euro6-Norm“, so der Geschäftsinhaber. Sollte ein Fahrverbot kommen, könnten Kunden „getrost in unsere Taxis einsteigen“, sagt der 46-Jährige augenzwinkernd. „Wir fahren jeden bis in die tiefste Münchner City.“

Das ist für das Busunternehmen Darchinger aus Degerndorf mit seinen sieben Diesel-Bussen schon jetzt nur eingeschränkt möglich. Seit Mitte November des vergangenen Jahres dürfen Reisebusse nicht mehr vor der Staatsoper am Max-Joseph-Platz halten. Mit einem Diesel-Fahrverbot würden sich die Städte ins eigene Fleisch schneiden, meint Geschäftsführerin Christiane Härtl. „Dann geht in den Großstädten der Tourismus kaputt“, glaubt die 42-Jährige. „Die Leute wollen bis direkt vor die Tür gefahren werden.“ Geht das nicht, würden Programmpunkte wie der Besuch der Oper vom Reiseplan gestrichen. Zur Oktoberfestzeit fahren im Schnitt täglich drei Darchinger-Busse nach München. „Dann dürften wir das auch nicht mehr.“ Härtl glaubt deshalb, dass ein Diesel-Fahrverbot im großen Stil nicht durchsetzbar wäre – und wenn, dann nur mit Sonderregelungen. Sie sieht dem Ganzen gelassen entgegen.

Kreishandwerksmeister hofft auf Sonderregelungen für seinen Berufsstand

Auch im Schreiner-Betrieb von Martin Heimgreiter gibt es ausschließlich Diesel-Autos. „Das älteste ist zehn Jahre alt, das neueste zwei“, sagt der Waakirchner. Ein drohendes Fahrverbot für die Landeshauptstadt lässt den Schreinermeister nicht in Panik verfallen. „Wir haben vielleicht 25 Fahrten im Jahr nach München, und die führen uns nicht zwangsläufig in die Innenstadt“, berichtet der 66-Jährige. Bei Neuanschaffungen werde er künftig auf Benziner ausweichen oder sich einen neuen Diesel anschaffen.

Darüber hinaus hofft der Kreishandwerksmeister auf Sonderregelungen für seinen Berufsstand. Und: Die Umsetzung eines möglichen Fahrverbots „wird nicht von heute auf morgen“ passieren. „Die Leute werden Zeit haben, sich umzustellen.“ Das Nachrüsten ältererer Modelle sieht er in einem Punkt kritisch: „Wer hat denn einen alten Diesel-Stinker? Meistens junge Leute und Rentner. Und die haben kein Geld, sich das zu leisten.“

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