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Nach 21 Jahren als Heimfürsprecherin ist für Dietlind Diepen jetzt Schluss. Zum Abschied überreichte Heimleiter Dieter Käufer Blumen.

Probleme auch mal im Café gelöst

Dietlind Diepen hört als Bewohner-Fürsprecherin auf

Wolfratshausen – 21 Jahre war Dietlind Diepen Heimfürsprecherin im Seniorenzentrum der Arbeiterwohlfahrt (AWO) am Paradiesweg. Jetzt gibt sie den Posten ab. Ein Gespräch.

Im Seniorenzentrum der Arbeiterwohlfahrt (AWO) am Paradiesweg werden demenzkranke Menschen betreut, die ihre Belange in der Regel nicht mehr selbst vortragen können. Mit fast 80 Jahren legte Dietlind Diepen ihr Ehrenamt jetzt nieder. Einrichtungsleiter Dieter Käufer, seinem Team, den Patienten, den Angehörigen, aber auch der Fürsprecherin selbst, fällt der Abschied schwer, wie im Gespräch mit Mitarbeiterin Tanja Lühr deutlich wird.

Frau Diepen, wie kamen sie zu dem Ehrenamt?

Dietlind Diepen: Vom Gesetz her musste ein Heim, dessen Bewohner keine Vertretung aus ihren eigenen Reihen wählen können, einen Fürsprecher haben. Der damalige Heimleiter Jochen Wagner fragte mich, ob ich die Aufgabe übernehmen will. Ich war von 1990 bis 1996 und später noch einmal Sozialreferentin des Stadtrats. Da bot sich das an.

Warum hören Sie auf?

Dietlind Diepen: Ich muss mich mehr um meinen Mann kümmern. Er ist 86 und braucht zunehmend Hilfe. Ich selbst werde nächstes Jahr 80. Ich bin ja noch Vorsitzende des Iruma-Partnerschaftsvereins und Mitglied im Verein Lebendige Altstadt Wolfratshausen. Ich möchte einfach ein bisschen kürzer treten. Außerdem ist mein Posten genau genommen seit zehn Jahren überflüssig.

Dieter Käufer: Da muss ich widersprechen. 2005 wurde zwar das Gesetz eingeführt, dass der Heimfürsprecher von einer Angehörigenvertretung abgelöst werden soll. Aber ich wollte Frau Diepen trotzdem gerne behalten und war froh, dass sie sich dazu bereit erklärte. Ich habe es zehn Jahre lang sehr genossen, eine Angehörigenvertretung, bestehend aus vier Angehörigen und einer externen Person, und eine Heimfürsprecherin zu haben.

Was waren Ihre Aufgaben, Frau Diepen?

Dietlind Diepen: Ich war Vermittlerin zwischen Angehörigen und Heimleitung, aber auch eine Verbindung zur Politik. Ich wurde an allen wichtigen Entscheidungen beteiligt, zum Beispiel bei der Renovierung vor einigen Jahren. Auch an den Angehörigen-Abenden nahm ich teil. Meine Rolle war oft die einer Betriebsratsvorsitzenden. Einmal stand zum Beispiel sehr kurzfristig eine Preiserhöhung für die Unterbringung an. Ich habe mich dann an die Regierung von Oberbayern und die AWO-Geschäftsführung gewandt und das Problem dargestellt. Gemeinsam haben wir einen Kompromiss gefunden.

Dieter Käufer: Außerdem hat Frau Diepen mit ihrer diplomatischen Art beim Landratsamt erreicht, dass der Brandschutz nicht derart streng ausgelegt wird, dass die Aufenthaltsräume völlig steril werden. Die Sofas bekamen brandhemmende Überzüge, der von den Bewohnern geliebte Vogelkäfig und die alte Nähmaschine einen Schutzanstrich. Als Person aus dem öffentlichen Leben konnte Frau Diepen da viel besser verhandeln als wir.

Wurden Sie oft als Vermittlerin gebraucht?

Dietlind Diepen: Ganz selten. Die Atmosphäre im Seniorenzentrum ist so angenehm, der Umgang so offen, dass das fast nie nötig wurde. Ich habe eher Kleinigkeiten wegen des Essens oder wegen alltäglicher Situationen an die Heimleitung herangetragen.

Dieter Käufer: Doch, einmal habe ich Frau Diepen um ihre Hilfe gebeten. Es gab eine persönlich schwierige Situation mit einer Angehörigen. Dietlind Diepen: Richtig, ich erinnere mich. Ich habe der Frau vorgeschlagen, dass wir uns auf neutralem Boden unterhalten. Wir haben uns in einem Café getroffen und sehr locker miteinander geredet. Das Problem hat sich dann aufgelöst.

Was hat Ihnen das Ehrenamt gebracht?

Dietlind Diepen: Sehr viel. Ich habe im Umgang mit den Bewohnern und bei den Vorträgen im Haus und auswärts eine Menge über das Thema Demenz gelernt. Seitdem sehe ich Menschen mit Defiziten, gleich welcher Art, anders. Der Abschied von den körperlichen und geistigen Kräften, das Sterben – es gehört zum Leben dazu. Für die Stadtratsarbeit waren meine Erfahrungen sehr nützlich, etwa als es um die Einführung einer Tagespflege ging.

Bleiben Sie der Einrichtung verbunden?

Dietlind Diepen: Ja, auf jeden Fall. Sowohl um, wenn gewünscht, Rat zu geben als auch, um mir Rat zu holen. In meiner Patientenverfügung habe ich übrigens festgelegt, dass ich, sollte es einmal soweit kommen, im AWO-Heim betreut werden möchte. Das spricht für sich, oder?

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