Bill Cosby im Missbrauchsprozess schuldig gesprochen

Bill Cosby im Missbrauchsprozess schuldig gesprochen
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„Es hat hier sehr viel Spaß gemacht“: Die scheidende Amtsgerichts-Direktorin Dr. Elisabeth Kurzweil im Gespräch mit unserem Mitarbeiter Rudi Stallein.

Interview

Direktorin wechselt das Gericht: So fand sie es in Wolfratshausen

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Die Direktorin des Wolfratshauser Amtsgerichts, Dr. Elisabeth Kurzweil, wechselt ans Oberlandesgericht München. Ihr Fazit zur Arbeit in der Flößerstadt lesen Sie hier.

Wolfratshausen Eine kurze, aber intensive Ära geht zu Ende. Nach sechs Jahren an der Spitze des Amtsgerichts Wolfratshausen, wechselt Direktorin Dr. Elisabeth Kurzweil (60) ans Oberlandesgericht München. Dort übernimmt die Familienrichterin den Vorsitz des 33. Zivilsenats. Im Gespräch mit unserem Mitarbeiter Rudi Stallein zieht die scheidende Direktorin eine positive Bilanz ihres Wirkens in der Flößerstadt.

Frau Dr. Kurzweil, wie kam es zu dem Entschluss, das Amtsgericht zu verlassen?

Entschluss kann man so nicht sagen. Vorsitzende am Oberlandesgericht, das ist für die meisten jungen Richter das ganz große Ziel in ihrer Justizkarriere. Dieser Wunsch war auch bei mir latent immer vorhanden. Deshalb ist es kein Entschluss, der hier gereift ist. Das ist aber auch nichts, was man wirklich planen kann. Die Gelegenheit muss sich ergeben.

Also war nicht Amtsmüdigkeit nach sechs Jahren Wolfratshausen der Grund?

Nein, überhaupt nicht. Ich habe in den vergangenen Tagen mehrfach gesagt: Es wäre wunderschön, wenn ich noch zwei Jahre bleiben und das genießen könnte, was ich für mich hier geschaffen habe. Und dann diesen Schritt machen. Aber das liegt nicht in meiner Macht. Diese Stellen sind so rar, wenn man die Chance bekommt, muss man zugreifen.

Wie halten sich beim Abschied Vorfreude und Wehmut die Waage?

Im Moment überwiegt noch die Wehmut. In den vergangenen Tagen habe ich gemerkt, wie sehr einem das Haus ans Herz wächst. Wenn nicht auf der anderen Seite die Vorfreude wäre, die Spannung auf das Neue, dann wäre es ganz schlimm. Aber ich muss auch sagen: Ich halte nichts davon, wenn Führungspersonen ihr Amt sehr lange inne haben. Es kommt irgendwann die Amtsmüdigkeit, und das ist gerade in einer Führungsposition, in der man für Menschen verantwortlich ist, wirklich nicht gut. Von daher war immer die Überlegung, mich noch einmal zu verändern und nicht bis zum Ruhestand hier zu sein.


Rechtsanwalt Jürgen Wefelscheid argwöhnte bei Ihrer Einführung: Hier macht das Streiten noch Freude, auch wenn Mediation bald alles in Harmonie auflösen wird. War es wirklich so idyllisch?

Da ist was dran (lacht). Ich mache die Mediation schon mit großem Engagement und großer Leidenschaft. Und ich glaube, damit habe ich tatsächlich die Streitkultur in der Region etwas verändert. Die Art und Weise, wie man besonders an die Familienverfahren herangeht, auch von Seiten der Anwaltschaft: Es ist nicht alles Harmonie, aber es ist ein ganz großes Stück dazugekommen, was wir anzubieten haben.

Ein weiteres wichtiges Anliegen war Ihnen, das Amtsgericht und seine vielen Facetten in der öffentlichen Wahrnehmung besser zu platzieren. Ist das aus ihrer Sicht gelungen?

Nicht ausreichend. Das hätte ich mir noch breiter gewünscht. Eines meiner nächsten Projekte wäre gewesen, einen „Abend des Rechts“ anzubieten, wo man einmal im Vierteljahr die Bevölkerung einlädt und ein Thema, Scheidungsrecht oder was auch immer, behandelt. Nach dem Motto: Was sie schon immer mal fragen wollten. Das hätte ich gerne noch angepackt.

Sie waren immer offen für Neues...

Ja, darunter hat vielleicht mancher Mitarbeiter auch gelitten (lacht). Neues heißt ja auch Initiative ergreifen, Dinge verändern. Vieles, was wir neu gemacht haben, war auch Arbeit. Das Gesundheitsmanagement zum Beispiel. Das Bemühen, das Amtsgericht schön zu gestalten. Oder die Beratung für Bürger mit geringem Einkommen. Das muss ja alles installiert werden. Das ist meist mit Zusatzaufwand verbunden, da hat der eine oder andere schon mal geschnauft.

Sie haben die Rechtskunde für Asylbewerber aktiv umgesetzt: Flop oder Erfolg?

Ganz klar ein Erfolg. Es hat meinen Mitarbeitern und mir sehr, sehr viel Spaß gemacht. Wir haben viele Menschen kennen lernen können und ihre Kulturen. Man hat vielleicht manches Land bereist. Aber es ist noch einmal etwas ganz anderes, wenn man hier Familien vor sich sitzen hat und sich einfach mal austauschen kann. Das war sehr spannend.

Woran werden Sie sich immer wieder gerne erinnern, wenn Sie an Wolfratshausen denken?

Oh, wahrscheinlich an viele Situationen. Da muss ich echt nachdenken. Sicher an den Abschiedsabend mit den Mitarbeitern, das war sehr schön. Sicher auch an den Rechtskundeunterricht, das war eine sehr schöne Erfahrung. An viele, viele dankbare Menschen nach Mediationen. An alles, was geglückt ist. Auch, wenn ich jemand überzeugen musste, etwas Neues zu machen, und ich später an seinem Gesicht sehe, dass es wohl keine so schlechte Idee war (schmunzelt). An solche Sachen werde ich mich gern erinnern. Und an das Mittagessen im Biergarten an der Loisach.

Worauf sind Sie rückblickend besonders stolz?

(Denkt länger nach) Darauf, dass sich hier wirklich das Klima verbessert hat. Als ich kam, war es zwischen den Kollegen zum Teil anstrengend, insbesondere in der Richterschaft. Das ist heute nicht mehr so, das ist wirklich ein Team. Aber was heißt stolz? Ich freue mich darüber. Das ist einfach schön, das ist angenehm. Genauso wie mein kleines Team der Geschäftsleitung. Das ist absolut harmonisch, ohne jedes Wenn und Aber. Das ist wirklich traurig, dass ich das nicht mitnehmen kann.

Was hätten Sie gerne noch verwirklicht?

Wie gesagt, den Abend des Rechts. Und den Service Point, der schwebte immer in meinem Kopf herum. Ein Zimmer im Eingangsbereich mit ein, zwei sehr erfahrenen Mitarbeitern, wo der Besucher vorstellig werden kann, und nicht im ganzen Haus herumirren muss. Das muss ich jetzt meinem Nachfolger überlassen.

Was wird Ihnen am meisten fehlen?

Meine Kollegen, die ich sehr schätzen gelernt habe. Und vielleicht das schöne Oberland.

Welchen Rat würden Sie Ihrem Nachfolger geben wollen?

Sei so offen, wie Du kannst, und übernimm den Job möglichst nicht, wenn Du nicht ein Menschenfreund bist (lacht). Sei so, wie Du bist, aber sei auch offen für die Menschen und ihre Anliegen. Das ist die wichtigste Eigenschaft: In einer Führungsposition sollte man offen für Menschen sein. Das ist nichts, wo man sich hinter Akten zurückziehen kann. Man darf Auseinandersetzungen nicht scheuen, muss sie – im positiven Sinne – geradezu suchen.

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