Dr. Pablo Hagemeyer zeigt sein Buch „Gestatten, ich bin ein Arschloch“
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Mediziner, Buchautor und Coach des „Bergdoktor“: Der Wolfratshauser Dr. Pablo Hagemeyer macht nach eigenen Worten „gefühlt 50 Sachen gleichzeitig“.

Dr. Pablo Hagemeyer übte mit Hans Sigl Untersuchungen und Operationen

Er ist der echte Doktor hinter dem ZDF-„Bergdoktor“

Er therapiert Menschen mit psychischen Auffälligkeiten, bezeichnet sich selbst als Narzissten und trainierte ZDF-„Bergdoktor“ Hans Sigl: der Wolfratshauser Dr. Pablo Hagemeyer.

  • Dr. Pablo Hagemeyer zeigte ZDF-„Bergdoktor“ Hans Sigl, wie man als Arzt auftritt
  • Buchautor von „Gestatten, ich bin ein Arschloch“ über Narzissmus
  • Psychotherapeut forscht außerdem über sogenannte Toxic Leaders

Wolfratshausen – „Gestatten, ich bin ein Arschloch“: Mit dem Titel seines Buches provoziert Dr. Pablo Hagemeyer, Jahrgang 1970, ganz bewusst. Sein Werk über Narzissmus stürmte die Bestseller-Listen, rangierte mehrere Monate unter den zehn meistverkauften Sachbüchern im Ranking des Nachrichtenmagazins „Der Spiegel“. Hagemeyer weiß, wovon er in seinem Buch schreibt: Zum einen, weil er beruflich regelmäßig mit solchen Menschen zu tun hat. Zum anderen, weil sich der 50-Jährige selbst als Narzissten sieht, wenn auch als „netten Narzissten“.

Wie er zu der Selbstdiagnose kommt? „Ich möchte erfolgreich sein, vielleicht trete ich manchmal etwas schillernd auf, und es ist mir wichtig, mit coolen Leuten zu tun zu haben.“ Alles Merkmale, die man bei Narzissten erkennen kann. Vor allem letzterer Aspekt seiner Selbstdiagnose sorgte dafür, dass Hagemeyer neben seiner Arbeit als Psychotherapeut mit eigener Praxis, Autor und Podcaster noch einen weiteren öffentlichkeitswirksamen Beruf ausübt. Für diverse medizinische Fernsehformate fungiert der Wolfratshauser als ärztlicher Berater. „Das war eine Idee, an der ich als Student herumgesponnen habe“, sagt er.

Idee kam ihm durch die „Schwarzwaldklinik“

Während seines Medizinstudiums in München beeindruckten den bekennenden Fan der „Schwarzwaldklinik“ die ausgefeilten Krankheitsverläufe und Animationen in amerikanischen Arzt- und Klinikserien. „Ich hatte den Eindruck, dass die deutschen Produktionen da noch Luft nach oben hatten.“ Und – ein bisschen narzisstisch: „Ich war der Meinung, dass ich dabei helfen kann.“ Er gründete mit Kommilitonen ein kleines Unternehmen und erhielt schnell erste Aufträge von TV-Produktionsfirmen, an den Drehbüchern mitzuarbeiten. Irgendwann erhielt Hagemeyer eine Anfrage vom ZDF. Für eine neue Serie sollte der Mediziner und Psychiater einen Schauspieler coachen. „Und dann stand Hans Sigl vor mir“, der Hauptdarsteller der beliebten Fernsehserie „Der Bergdoktor“. Hagemeyer nahm sich Zeit für den bekannten Schauspieler. In der Anwaltskanzlei von Hagemeyers Gattin „haben wir an einer Schweinehälfte Operationen geübt“. Ein besonderes Coaching, bei dem Sigl lernte, wie man als Arzt auftritt, sich eine Maske bindet und mit Patienten spricht. „Meine Frau kam in den Raum, als er mir gerade die Lymphknoten abgetastet hat“, erinnert sich der 50-Jährige und lacht. Noch heute arbeitet der Wolfratshauser für die Erfolgsserie, die seit 2008 ausgestrahlt wird.

Meine Frau kam in den Raum, als er mir gerade die Lymphknoten abgetastet hat.

Dr. Pablo Hagemeyer

„Der Bergdoktor“ ist nur eines von vielen Projekten, die der Familienvater in seiner bisherigen Karriere verfolgt hat. „Ich mache gefühlt 50 Sachen gleichzeitig“, berichtet er im Gespräch mit unserer Zeitung, „zehn davon klappen dann auch gut.“ Für ihn ist das Scheitern vieler Ideen kein großes Problem: „Ich habe mich damit abgefunden, dass dann, wenn eine Idee nicht funktioniert, aus den anderen etwas wird.“ Diese Haltung hat wenig Narzisstisches: „Narzisten können mit Misserfolgen und Kritik nur sehr, sehr schlecht umgehen.“ Das führe teilweise dazu, dass in seiner Praxis in Weilheim Menschen vor ihm sitzen, „die sich als Versager fühlen, weil sie eben nicht den riesigen Erfolg haben, der ihr Anspruch ist“. Mittelmäßigkeit sei deren große Angst.

Narzisstischen Führungspersönlichkeiten „vergiften“ ihr Umfeld

Im schlimmsten Fall münden negative Erfahrungen deshalb in einer Depression – und der Psychiater Hagemeyer ist gefragt. Die Arbeit mit gekränkten Narzissten kann ein Minenfeld sein. „Es handelt sich um eine Selbstbewertungsstörung“, sagt er. Alleine der Schritt, sich das einzugestehen, sei für die meisten Menschen ein schwieriger Prozess. Nach der Veröffentlichung seines Buchs stellte der Wolfratshauser aber fest, dass sich die Einstellung von manchen Menschen geändert hat: „Ein paar Patienten kamen mit dem Buch in meine Praxis und haben gesagt: ,Ich glaube, ich habe das.‘“

Seinem psychologischen Lieblingsthema wird der Buchautor weiterhin treu bleiben. Seit einigen Wochen arbeitet Hagemeyer mit einer Schweizer Forschungsgruppe zusammen, die sich mit sogenannten Toxic Leaders auseinandersetzt, also mit narzisstischen Führungspersönlichkeiten, die mit ihrer Charakterschwäche ihre Umwelt „vergiften“. Für das Unternehmen und die Mitarbeiter seien das „schädliche Persönlichkeiten“, die nur auf ihren eigenen Vorteil und ihr eigenes Standing bedacht seien und nicht davor zurückschrecken würden, Unfrieden zu stiften, zu lügen oder gegen das Allgemeinwohl zu entscheiden. „Ein wahnsinnig spannendes Themenfeld, das aber noch nicht im Mainstream bekannt ist“, findet der Wolfratshauser.

Bei seiner Arbeit hat er herausgefunden, wie verbreitet Narzissmus in der Gesellschaft ist und dass in den meisten Menschen etwas davon steckt. Das bedeutet aber nicht, dass Hagemeyer bei jeder Begegnung automatisch anfängt, sein Gegenüber zu analysieren. „Das ist wie ein Filter, den ich auflegen und wieder abnehmen kann.“

Dominik Stallein

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