+
Auf ein Wort: Der neue City-Manager der Stadt Wolfratshausen, Dr. Stefan Werner (li.), im Gespräch mit Redaktionsleiter Carl-Christian Eick. 

Dr. Stefan Werner im Interview

„Wolfratshausen hat großes Potenzial“: Der Citymanager stellt sich vor

  • schließen

Wolfratshausen hat seit Kurzem einen Citymanager: Dr. Stefan Werner sprach mit uns über seine ersten Tage als Stabsstellenleiter und die hohen Erwartungen, die in ihn gesetzt werden.

Wolfratshausen – 37 Jahre alt, verheiratet und Vater von drei Kindern: Dr. Stefan Werner ist der neue City-Manager der Flößerstadt. Geboren in München-Haidhausen studierte Werner in Passau Kulturwirtschaft auf Diplom. Der promovierte Geograph und Spezialist für Stadt- und Quartiersentwicklung war unterm Strich mehrere Jahre in den USA, Bolivien und China tätig. Seit eineinhalb Jahren lebt er mit seiner Familie in Schäftlarn. Redaktionsleiter Carl-Christian Eick hat sich mit Werner unterhalten.

-Herr Dr. Werner, München, Amerika, Bolivien, China – warum jetzt Wolfratshausen?

Das ist die logische Fortsetzung meiner charakterlichen und beruflichen Entwicklung. Ich habe mich immer sehr stark für unterschiedliche Kulturen interessiert. Das hat mich in die so unterschiedlichen Länder geführt. Dort lag mein Augenmerk aber auch immer auf dem lokalen Aspekt. Wenn ich zwischendurch zuhause war, habe ich mich viel mit Stadtgenese auseinandergesetzt. Wie ist eine Siedlung entstanden, wie hat sie sich historisch entwickelt, welche gesellschaftliche Strukturen haben sich herausgebildet? Für mich stand immer fest: Nachdem ich internationale Luft geschnuppert habe, kehre ich in die Region München zurück und möchte lokal arbeiten. Ich habe mich in den vergangenen Jahren intensiv mit Stadtteilentwicklung befasst und will mich hier in Wolfratshausen nun nicht nur als Berater einsetzen.

-Darf ich das so frei übersetzen: Auf die Theorie folgt nun die Praxis...

...nein! Ich habe mich immer sehr stark mit konkreten Entwicklungen beschäftigt. Nur habe ich nun in Wolfratshausen mehr Zeit, Prozesse intensiv zu begleiten und mitzuhelfen, sie umzusetzen.

-Wie viel Zeit gibt Ihr Arbeitgeber, die Stadt Wolfratshausen, Ihnen?

(lächelt) Mein Vertrag ist zunächst befristet. Das ist aus Sicht des Arbeitgebers verständlich – aber natürlich ist die Arbeit eines City-Managers langfristig angelegt.

-Bürgermeister Klaus Heilinglechner sagte im Herbst 2017 gegenüber unserer Zeitung über die geplante Einstellung eines City-Managers: „Wir suchen die berühmte eierlegende Wollmilchsau“. Sind sie dieses Wundertier?

(lacht) Ich habe das in Ihrer Zeitung gelesen. (zögert kurz) Gut, ich bin kein Superheld, sondern ein Mensch beziehungsweise so viel eierlegende Wollmilchsau wie jeder andere. Ich sehe meine Stärke darin, dass ich unterschiedliche Bereiche, Themen und Städte kennengelernt habe – und mit dieser Erfahrung nun Vorschläge, Konzepte und Menschen zusammenführe sowie eigene Ideen einbringe. Die eierlegende Wollmilchsau würde ich als Kollektiv definieren. Viele bringen viele verschiedene Kompetenzen ein.

-Wolfratshausen ist für Sie terra incognita, das unbekannte Land?

Nein, ich bin als Jugendlicher oft von Lenggries mit dem Schlauchboot die Isar hinabgefahren.

-Das heißt, sie kennen die Ufer der Loisachstadt?

Nein, nein, ich bin auch häufig in Wolfratshausen ausgestiegen und habe mich beim berühmten Döner-Laden am S-Bahnhof gestärkt (lacht). Zudem hat mich das Handwerk der Flößerei immer fasziniert. Nicht zu vergessen die Politik-Prominenz, die hier wohnt – dadurch war mir Wolfratshausen schon immer ein Begriff. Und seit wir vor eineinhalb Jahren aus China zurückgekehrt und nach Schäftlarn gezogen sind, habe ich Wolfratshausen noch viel intensiver kennengelernt. Nicht zuletzt, weil meine Frau und ich hier einkaufen.

-Sie haben Ihren Job erst vor wenigen Wochen angetreten und betrachten die Stadt seither auch aus einem beruflichen Blickwinkel. Ihr erster Eindruck?

Ich sehe Wolfratshausen mit jedem Tag positiver – weil ich überall ganz, ganz große Potenziale erkenne, wie sich die Stadt noch attraktiver gestalten kann. Es gibt wohl kaum eine Stadt, die topographisch betrachtet so schön liegt: zwei Flüsse, den Bergwald im Rücken, eine historische Marktstraße. Meine dankbare Aufgabe ist es nun, das Ganze so zu inszenieren, dass es nicht nur schön anzusehen und gut kommunizierbar ist, sondern dass die Menschen das Vorhandene in vielfältiger Art und Weise nutzen. Man kann hier in Wolfratshausen sicher noch einiges tun – aber ich fange beileibe nicht bei Null an. Dazu existieren ja schon zahlreiche gute Ansätze, es liegen ja schon viele, viele gute Ideen mehr oder minder aufbereitet vor.

-Viele Bürger sind aber enttäuscht, weil einige Prozesse angestoßen – aber bis auf den Tag nicht umgesetzt wurden. Ein Beispiel ist das Konzept zur Neugestaltung des westlichen Loisachufers.

Die Erwartung an mich ist sicherlich, dass ich helfe, vieles in die Umsetzung, auch in die schnelle Umsetzung zu bringen. Doch es gibt Themen mit unterschiedlicher Komplexität. Manches dauert einfach etwas länger. Aber es ist progressiv ja schon einiges passiert: Die Wiederbelebung der Loisachhalle, die Schaffung einer neuen Veranstaltungslocation an der alten Floßlände, die Neugestaltung des östlichen Loisachufers, ein kostenfreier WLAN-Zugang in der Innenstadt und ein Audio-Guide für den Flößerpfad. Meine Funktion ist es nun, für eine gesamtheitliche Strategie, für eine Dachmarke zu sorgen. Das konsequent zu tun, dafür war bislang niemand da.

-Wie sieht Ihr Arbeitstag als Stabsstellenleiter – Stadtmanagement und Wirtschaftsförderung – derzeit aus?

Gespräche so wie heute mit Ihnen führen. Getroffen habe ich mich bereits unter anderem mit Vertretern des Vereins Lebendige Altstadt Wolfratshausen, Vertretern des Werbekreises und Vertretern der Unternehmervereinigung Wolfratshausen. Das ist sehr wichtig für mich, weil ich bei den anstehenden Prozessen sehr eng mit diesen und anderen Vereinen zusammenarbeiten möchte. Dazu gehört der Austausch mit den Referenten des Stadtrates, mit den Rathausmitarbeitern und natürlich dem Bürgermeister.

-Haben Sie im Rathaus Zugang zu allen für Sie notwendigen Informationen? Auch zu nicht öffentlichen Unterlagen?

Ich habe Einblick und wenn ich eine Information benötige, bekomme ich sie. Ich habe hier im Rathaus nur offene Türen vorgefunden. Ich nehme zum Beispiel auch an den Amtsleitersitzungen teil. Das alles sind super Voraussetzungen für meine Arbeit. Wichtig ist: Ich nehme eine neutrale Position ein.

-Wenn Sie eine Jeans brauchen: Kaufen Sie die im Internet?

Nein, die kaufe ich beim Einzelhändler. Mir passt zwar fast jede Jeans, sodass ich sie im Internet kaufen könnte. Aber ich gehe viel lieber in ein Geschäft. Als Stadtmanager betone ich: Der Einzelhandel ist ein sehr belebender Faktor für eine Stadt. Einen lebendigen Einzelhandel zu haben, ist ein gigantischer Wert. Und in Wolfratshausen gibt es einen lebendigen Einzelhandel.

-Die Einzelhändler – und nicht nur die – haben sehr große Erwartungen an Sie...

(lächelt) ...wie gesagt: Die eierlegende Wollmilchsau ist in meinen Augen ein kollektives Wesen.

Auch interessant

Meistgelesene Artikel

Nicht nur neues Dach: Stadt investiert weiter in Geretsrieder Eisstadion
Die Stadt investiert weiter ins Geretsrieder Eisstadion. Es bekommt nicht nur ein neues Dach, sondern noch mehr - dafür wird die Tribüne jedoch teilweise entfernt.
Nicht nur neues Dach: Stadt investiert weiter in Geretsrieder Eisstadion
Mit fast 2,4 Promille: Betrunkener liefert sich Verfolgungsjagd mit Polizei
Ein betrunkener Rumäne hat sich in der Nacht auf Donnerstag mit knapp 2,4 Promille eine Verfolgungsjagd mit der Polizei geliefert. Seine Erklärung klingt kurios. 
Mit fast 2,4 Promille: Betrunkener liefert sich Verfolgungsjagd mit Polizei
Lorenz-Areal in Geretsried: Diese Bedenken haben Anwohner, Polizei und Unternehmen
Anwohner befürchten eine „Trabantensiedlung“, die Polizei warnt vor Verkehrsproblemen, ein Unternehmen vor Ärger wegen Gewerbelärm: Die geplante Wohnbebauung auf dem …
Lorenz-Areal in Geretsried: Diese Bedenken haben Anwohner, Polizei und Unternehmen
Arbeiten am Schwaigwaller Bach in Geretsried ruhen – zum Schutz der Anwohner
Die Arbeiten am Schwaigwaller Bach ruhen zur Zeit. Seit rund vier Wochen tut sich auf der Baustelle nichts. Die Anwohner profitieren.
Arbeiten am Schwaigwaller Bach in Geretsried ruhen – zum Schutz der Anwohner

Kommentare