Ton ab, Kamera läuft: Rathausmitarbeiter Martin Melf (li.), intimer Kenner der Wolfratshauser Stadthistorie, steht dem Filmteam um Produzent und Regisseur Walter Steffen (2. v. re.) Rede und Antwort. Foto: Sabine Hermsdorf-Hiss

Einst ein Knochenjob auf der Reißenden

Dreharbeiten über das Flößerhandwerk

Wolfratshausen – Die Dreharbeiten von Walter Steffens Dokumentarfilm über das Flößerhandwerk haben begonnen. „Fahr ma obi am Wasser“ soll seine Premiere am Deutschen Flößertag im Mai nächsten Jahres in Wolfratshausen feiern.

Das fünfköpfige Grüppchen an der alten Floßlände im Schatten des Maibaums fällt kaum auf. Wären da nicht die Profikamera und das große Mikrofon. Das Stativ wird ausgefahren, der Interview-Partner neben dem Flößerdenkmal positioniert. Regisseur Walter Steffen scheint tiefenentspannt. Ruhig, die Hände in den Hosentaschen, gibt er mit leiser Stimme seine Anweisungen. Vor der Kamera steht Rathausmitarbeiter Martin Melf, der in Wolfratshausen Stadtführungen leitet und seine Heimatstadt wie die sprichwörtliche Westentasche kennt.

„Wir haben ja auch noch a bisserl Zeit bis zum Mai“, erklärt Steffen. Ganze 23 Drehtage hat der mit mehreren Preisen ausgezeichnete Regisseur, Produzent und Drehbuchautor angesetzt. In dieser Zeit werden zirka 60 bis 80 Stunden Rohmaterial entstehen. Geplant ist, an verschiedenen Orten Menschen zu Wort kommen zu lassen, die mit der Flößerei in Verbindung stehen. Beginn der Dokumentation ist am Isarursprung im Hinterautal, das Ende in München. „Wir zeigen auch, welche Bedeutung die Forstwirtschaft hatte, wie die Trift, also der Transport von schwimmenden Baumstämmen, vor sich ging und natürlich, wie überhaupt ein Floß entsteht.“

Historiker, Handwerker und Archivare geben ihr Wissen und so manche Anekdote weiter. „Martin Melf erzählt zum Beispiel vom Zunftrecht, dem harten Leben der Flößer und dem Einfluss der Isartalbahn auf deren Handwerk“, plaudert Steffen aus dem Nähkästchen. Und: „Der ,Tatort‘-Schauspieler Thomas Darchinger liest die ,Seeschlacht auf der Isar‘ von Ludwig Thoma.“ Natürlich kommen auch die heute aktiven Flößer in der Dokumentation zu Wort. „Wir planen, im August eine historische Flossfahrt nachzudrehen.“

Für Steffen und sein Team – Christoph Grabner und Matthias Obermeier an den Kameras, Tonmeisterin Nicola Nagel, Regieassistentin Olivia Hartig sowie Vertreter der Firma „Air Bavarian“ für die Luftaufnahmen – steht an erster Stelle, das traditionsreiche Handwerk im Wandel der Zeit „nachfühlbar“ zu machen. Im buchstäblichen Sinne: Während der ersten Drehtage musste das Filmteam dem Dauerregen trotzen. Steffen: „Aber so ist das Leben. Schließlich waren die Flößer auch immer Wind und Wetter ausgesetzt.“ So nahm Steffen den Festzug anlässlich des Internationalen Flößertags in Lenggries vor wenigen Tagen bei heftigen Regen auf, auch die Interviewpartner mussten triefnass Rede und Antwort stehen.

Die Idee zu dem Dokumentationsfilm entstand vor längerer Zeit im Gespräch zwischen Steffen und Gaby Rüth, Vorsitzende des Vereins Flößerstraße. Wie war das, als die Waren noch mühevoll per Floß nach München transportiert worden sind? Welche Geschichten gibt es rund um die Flößerei, welche Gefahren drohten den Männern auf den schwankenden Holzstämmen auf der mitunter reißenden Isar? Steffen fand den Gedanken, darüber einen Film zu produzieren, von Minute zu Minute faszinierender. Einen weiteren Impuls bekam der durch die Nachricht, dass der Deutsche Flößertag 2017 in der Loisachstadt stattfinden wird. Die Uraufführung von „Fahr ma obi am Wasser“ soll nach seinen Worten der Höhepunkt eines Open-Air-Kinos im nächsten Jahr an der alten Floßlände sein.

Finanziert wird das Werk durch private Sponsoren und zahlreichen an Isar und Loisach liegenden Städten und Gemeinden. Wie berichtet, hat der Wolfratshauser Stadtrat einen Zuschuss von 10 000 Euro bewilligt. „Der Film ist eine Gemeinschaftsleistung, initiiert von Wolfratshausen und unterstützt durch die Region.“

Steffen empfindet die Dreharbeiten für sich persönlich als wertvolle Bereicherung. „Ich habe viel Neues erfahren. So war mir nie bewusst, dass die heutigen Vergnügungsfahrten bereits eine über 100-jährige Geschichte haben und heutzutage quasi nur ihre Fortsetzung finden.“ Genau darum geht es dem Seeshaupter. „Ich will mehr über meine Heimat wissen, will Dinge entdecken, die ich vorher noch nicht kannte.“

sh

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