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Bürgerprotest: Bereits im Februar vergangenen Jahres demonstrierten die Vorsitzende des Historischen Vereins Wolfratshausen, Dr. Sybille Krafft (li.), und zahlreiche Mitstreiter gegen den geplanten Abriss des Hauses Alpenstraße Nummer 14.

Samstag Demonstration an der Alpenstraße 

Drohender Abriss eines Denkmals: Historischer Verein Wolfratshausen ist „entsetzt“

An der Alpenstraße in Wolfratshausen soll ein Haus abgerissen und durch einen Neubau ersetzt werden. Das nimmt der Historische Verein nicht widerspruchslos hin. Er ruft zu einer Demo auf.

Wolfratshausen – Es sind „unbequeme Denkmale“, sagt Dr. Kaija Voss. Nach Meinung der Architektur-Historikerin ist das Ensemble an der Alpenstraße und Schießstättstraße aus den 1930er-Jahren dennoch erhaltenswert. Eines der Bauten, das Gebäude an der Alpenstraße 14, steht jedoch womöglich kurz vor dem Abriss. An diesem Mittwoch diskutiert der Wolfratshauser Bauausschuss über einen Antrag des Besitzers des Anwesens. Der möchte nach dem Abbruch der Bestandsimmobilie vier Reihenhäuser samt Garagen an der Stelle bauen. Der Historische Verein Wolfratshausen hat die Nachricht „mit Entsetzen zur Kenntnis genommen“, so die Vorsitzende Dr. Sybille Krafft. Die Ickingerin hat Bürgermeister Klaus Heilinglechner einen offenen Brief geschrieben – und ruft zu einer Demonstration auf.

Es ist nicht das erste Mal, dass der Historische Verein für den Erhalt des Bauwerks an der Alpenstraße 14 eintritt: Bereits Anfang 2017, als der Gebäudeeigentümer den Abriss plante, mobilisierten Krafft und ihre Mitstreiter viele Bürger, die vor dem Mehrfamilienhaus für dessen Erhalt demonstrierten. Das Landratsamt genehmigte den Antrag auf Vorbescheid dennoch. Seinerzeit nutzte der Eigentümer eine Gesetzeslücke: Weil keines der einzelnen Gebäude im Ensemble an der Alpenstraße/Schießstättstraße unter Denkmalschutz steht, war es erlaubt, einzelne Bauten abzureißen. Diesen Gesetzestext hat der bayerische Landtag inzwischen wieder abgeschafft – einstimmig.

Nach Meinung von Krafft, Trägerin der bayerischen Denkmalschutzmedaille, würde „das einmalige städtebauliche Denkmalensemble an der Wolfratshauser Alpenstraße für immer zerstört werden“, wenn das Gebäude mit der Nummer 14 abgerissen würde. In einem offenen Brief an den Rathauschef und die Stadträte bittet die Vereinsvorsitzende die Mitglieder des Bauausschusses, dem Antrag an diesem Mittwoch (Sitzungsbeginn 18 Uhr, Rathaus) nicht zuzustimmen. Der Antrag sei „ohnehin völlig überdimensioniert“.

Die Siedlung ist bedeutsam für Wolfratshausen: Das ist das Fazit der bauhistorischen Einordnung des Denkmalensembles Alpenstraße/Schießstättstraße durch Dr. Kaija Voss. Die Häuser wurden in der NS-Zeit errichtet, um Wohnraum für höhere Angestellte der Rüstungsfabriken in Geretsried zu schaffen. An der Schießstättstraße lebten Ingenieure, Meister und Direktoren der Dynamit Aktiengesellschaft (DAG), an der Alpenstraße die Angestellten der Deutschen Sprengchemie (DSC). Die Siedlung, die in den Jahren 1936 bis 1939 unter dem Namen „Isarleiten“ nach dem Entwurf von Theo Lechner entstand, bezeichnet Voss als „typisches Beispiel für Architektur im Nationalsozialismus und die Ideologisierung von Architektur“. Die Gestaltung mit Holzbalkonen, asymmetrisch angebrachten Erkern und flachen Satteldächern, „adaptiert regionale historische Bauformen des Voralpenlandes“. Der Erhalt des Ensembles trägt nach Einschätzung der promovierten Architektur-Historikerin „wesentlich zur Auseinandersetzung mit der Geschichte“ bei. Aufgrund der „geschichtlichen, städtebaulichen und wissenschaftlichen Bedeutung“ des gesamten Straßenzuges sieht Voss ein „Interesse der Allgemeinheit an ihrer Erhaltung“. Eine von unserer Zeitung vom Landratsamt beziehungsweise von der Stadt Wolfratshausen erbetene Stellungnahme zu dem Fall gab es es Dienstag nicht.

Unabhängig vom Ergebnis der Bauausschusssitzung an diesem Mittwoch ruft der Historische Verein zu einer Demonstration auf: Am Samstag, 15. Dezember, um 11 Uhr vor dem Gebäude an der Alpenstraße. dst

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